Blick bemerkte , sehr wohlhabenden Mannes . Mein forschend auf ihn gerichtetes Auge mochte ihm Verheißungen vorgespiegelt haben , an die ich selbst nicht dachte . Er knüpfte ein Gespräch mit mir an , schenkte mir Blumen und schlug mir vor , als er meine nicht eben beneidenswerthe Lage erfuhr , die Stelle einer Haushälterin bei ihm anzunehmen . Er bedürfe grade einer solchen und sei in Verlegenheit , eine Person zu finden , der er vertrauen könne . Ich gefiele ihm , und hätte ich Lust , es mit ihm und seinen kleinen Launen zu versuchen , so könnte ich gleich morgen in seinem eigenen Wagen mit ihm abreisen . Herr M * war aus Hamburg , Kaufmann und Hagestolz . Seine Bedingungen dünkten mir sehr annehmbar , und da ich durchaus nichts zu verlieren hatte und dieser Anfang mir den vielversprechenden Eingang zu den schimmernden Palästen des Reichthums öffnen zu wollen schien , so nahm ich sie an . Drei Tage später war ich in Hamburg . Sie können errathen , Herr Kapitän , welch ein Leben ich hier führte . Eine Zeit lang war Herr M * sehr zufrieden mit mir . Er überhäufte mich sogar mit nicht ausbedungenen kostbaren Geschenken , die ich aus den angedeuteten Gründen annahm . Später mußte ich mich dafür erkenntlich zeigen , wozu ich mich nach einigen heftigen innern Kämpfen denn auch entschloß . Ich hoffte Madame M * zu werden und gab dies sehr unverhohlen zu erkennen . Dies war nicht politisch ; mein Gebieter ward von Stund ' an kälter gegen mich ; ich begann ihn zu tyrannisiren , auf meine Ansprüche pochend . Dies verdroß Herrn M * und eines schönen Morgens lohnte er mich ganz ruhig ab und händigte mir außerdem eine ansehnliche Summe als Abfindungsquantum ein . Obwohl ich es jetzt mit Bitten versuchte und keine kleine List unterließ , den Beleidigten mir wieder zu versöhnen , konnte ich ihn doch nicht erweichen . Ich mußte sein Haus verlassen - In diesem Verhältniß hatte ich so viel erworben , um nöthigen Falles allein anständig leben zu können . Dies zog ich einer neuen dienstlichen Stellung vor . Ich miethete mir ein elegantes Logis , gab mich für eine junge Wittwe aus und spielte nicht ohne äußerliches Glück die gebildete Dame . So hoffte ich am leichtesten ein Ehebündniß mit irgend einem wohlhabenden Manne , der mir gefiel , herbeiführen zu können . Allein auch diese Speculation schlug mir nicht zum Glück aus . Ich fand viele Liebhaber , keinen Geliebten , und da ich schon längst den festen moralischen Halt verloren hatte , sank ich von Monat zu Monat tiefer , bis ich mich selbst verachten mußte . Ich ging von einer Hand zur andern , lebte äußerlich gut , befand mich scheinbar wohl und trug tief verborgen die Hölle in meinem Herzen . Nach und nach wich die erkünstelte Heiterkeit von mir , die so leicht alle Männer bestach und sie mir zuführte . Ich ward traurig , kalt , abstoßend , melancholisch . Da flohen mich die Männer , die immer nur Lust und Scherz beim Weibe suchen . Ich kam , möchte ich sagen , klänge es nicht zu fürchterlich , aus der Mode , und um doch ein anständiges Leben dem Scheine nach fortsetzen zu können und der verhaßten Armuth nicht gänzlich zu verfallen , ward ich genöthigt , die Salons zu besuchen . « » Dies ist mein äußerst beneidenswerther Lebenslauf , « schloß Bianca mit bitterm Lächeln ihre Erzählung , » und finden Sie jetzt noch , daß ein ehrlicher Mann seine Hand rettend nach mir ausstrecken darf , ohne sich für immer zu besudeln , dann , Herr Kapitän , will ich es wagen , Ihrer Großmuth mich anzuvertrauen ! « » Aber Ihre Aeltern , Bianca ? Wissen sie , auf welchen Wegen ihre geliebte Tochter wandelte ? « » Gott Lob , Sie wissen es nicht , wenn sie nicht gleich Gott allwissend sind ! Der Tod hat sie längst erlöst . « Es war stiller und immer stiller geworden im Pavillon . Nur wenige Gruppen saßen noch verstreut im großen Saale . Da ward die Thür des kleinen Gemaches , wo Aurel sich mit Bianca unterhielt , behutsam geöffnet und Gilberts lebhaftes Gesicht lauschte herein . Gleich darauf stand er vor dem Kapitän . » Endlich ist das Fahrwasser sicher , « sagte er mit leichtfertigem Lächeln . » Ich habe verteufelt warten und mich verkriechen müssen wie eine Schiffsratte , und hatte es doch so eilig ! « » Was gab es ? « fragte Aurel . » Zum Teufel , Herr Kapitän , wird man denn taub , wenn man einem so reizenden Mädchen , wie Ihre Gesellschafterin es ist , in die geheimnißvollen feuchten Sterne schaut ? « Gilbert begleitete diese galanten Worte mit anmuthvoller Verbeugung gegen Bianca . » Als ich vor beinahe zwei Stunden Sie hier aufsuchte , lief mir draußen im Saale ein solcher Himmel mit zwei blauen Sonnen in die Arme , ich fing ihn auf und weil es ja doch eine große Seltenheit zu sein pflegt , den Himmel warm und weich an sein Herz zu schließen , so nahm ich mir geschwind diese Freiheit und berührte die beiden funkelnden Sonnen mit meinen Lippen . Und um solcher himmlischen Neigung wegen wollten mich die glanzfilzigen Bengel todtschlagen ! Darum mußte ich ausreißen und bis jetzt warten . Ich habe mich aber doch amusirt ! Oben auf dem Stintfange traf ich ein freundliches Kind , frisch und munter wie ein Lachs . Mit ihm habe ich Sternenkunde getrieben bis jetzt und alle sieben Himmel Muhameds durchstreift . Es war prächtig , auf Matrosenehre ! « Aurel schüttelte lächelnd den Kopf . » Schon gut , mein Junge , ich kenne Dich ! Behalte jetzt Deine himmlischen Erkenntnisse für Dich und sage , was Deine Eile zu bedeuten hat ? « » Nichts weiter als einen Brief . Da ist