mitten aus der Liebe heraus , sie wachsen zwischen die Herzen hinein und sprengen sie von einander . Sinnet daran , denket an uns und habt einander immer lieb , denket dra , ih luege uf ech . - Resli , gang lauf , rüef se , es duret nimme lang , ih gspüres - es wird mr so kalt , ih möcht se no alli gseh . Lauf , spring ! « Als er draußen war , frug Änneli Anne Mareili : » Gäll , du hest mr ne lieb un lebst ihm zGfalle ? « Da sank Anne Mareili vor dem Bett auf die Knie und schluchzte : » O Mutter , o Mutter , Ihr seid kein Mensch , ein Engel seid Ihr ; oh , wenn ich sein könnte wie Ihr ! « » Nein , kein Engel , e schwache Mönsch « , sagte Änneli , » aber üse Herrgott macht mih viellicht drzue . Wennd dr Wille hest u nit vo üsem Heiland last , su wirst o eine , wirst besser als ih , du hest e herteri Schuel gha als ih . - Lieb mr ne geng u bis ufrichtig , er ist mr o grusam lieb gsi , ume z ' lieb , aber er ist on e Guete , e bessere Bueb gits nit uf dr Welt . - Gäll , du hest mr ne lieb u schickist dih in e ! - Glaub mr , es geiht dr guet , du weißt no nit , wie guet er ist u wie er es Herz het . - Es het mih hert von ihm , er ist mr lieb , ih chas nit säge , aber üse Herrgott wird mrs wohl vrzieh , er het mr ne ja gä . - Häb mih e weneli , ih möcht ufsitze . - Es wird mr so wunderlich , so kalt , und doch so heiter vor de Auge ; geiht mr scho di anderi Welt uf ? - Wenn si doch käme , ih würd se gern gseh , alli bi enander ; e nu so de , so han ih doch dih gseh . - Wenn er krank wird , gäll , du hest Sorg zun ihm und wehrst ihm ds Werche ab ? - Ghörst nüt , chöme si ? - Wenn si nume chämte . - Deck mih besser , es ist , als wetts mih früre ums Herz . - Wennd zornig wirst , erzeigs nit , gang dänne u bet es Vater Unser ! - O Gott , Gott , witt mih , es düecht mih , ih gseyh my Muetter ! « Da kamen die Gerufenen , weinend , in voller Hast . Anne Mareili erschrak , wollte Platz machen am Bette , es war ihm , als hätten die Andern näheres Recht , es ward ihm auf einmal wieder so fremd und leid ums Herz . Aber Änneli hielt seine Hand und sagte leise : » Üses King ! Heits lieb ! Es ist jetz di neui Muetter . - Zürnet mir nüt u sinnet allbeeinist a mih ! - U du , bhäb mih lieb « , sagte Änneli zu Christen , » ih will dr on es Plätzli sueche im Himmel . « - Dann nahm es seine Hände zusammen , die blassen Lippen bebten , in eigenem Glanze schlug es seine Augen empor . So betete es leise , leise neigte sein Haupt sich auf die Seite - um eine gute Frau , um eine gute Mutter war die Erde ärmer . Schluß Meine günstigen Leser werfen mir so oft vor , meinen Erzählungen fehle der Schluß , daß ich genötigt bin , die Schlüsse förmlich herzusetzen . Ich beginne also hier damit , da auch hier der gleiche Tadel sich erheben könnte . Allerdings ist die Neugierde in Beziehung auf die persönlichen Verhältnisse nicht vollständig befriedigt ; die Umstände , welche Anne Mareili an der seligen Mutter Bette brachten , sind nicht angegeben , Änneli ist nicht zur Erde bestattet , die Hochzeit von Anne Mareili und Resli nicht gefeiert . Das alles hätte sich wohl erzählen , einschalten lassen , wenn der Verfasser bloß die Neugierde seiner Leser im Auge hätte . Aber er ist untertan einem eigenen Geiste , der in jeder Erzählung lebendig wird , sie leitet und schließt ; der Verfasser kann eine Erzählung beginnen , aber dieser Geist ist es , der sich ihrer bemächtigt und sie gestaltet nach seinem Willen . Es ist dieser Geist ein eigentümlich Wesen , er war es , der mit Ännelis Tod einen freundlichen Schlußstein setzte der Erzählung » Geld und Geist « , welche die Leser so freundlich aufgenommen . Das Betragen des Kellerjoggi und des Dorngrütbauern , Anne Mareilis Leiden und das Ereignis , welches ihns nach Liebiwyl brachte , hätten den Schloß nur getrübt , freilich den Gegensatz greller gemacht , aber vielleicht neue Klagen über die Länge der Erzählung erzeugt , zum Verständnis des Ganzen , zur Verklärung des Bildes einer guten Mutter nichts beigetragen . Die Leute sind manchmal wunderlich , klagen bald über Kürze , bald über Lange ; teilweise ist es mir schmeichelhaft , teilweise wohl peinlich Es läßt sich Holz nach Schuhen messen , Kopistenarbeit nach der Seitenzahl , aber wie lang sein Kind werden wird , weiß kein Vater , und wenn dasselbe über Gebühr auswächst , ein Mädchen z.B. über sechs Schuh hinaus , so wird kein Vater zu finden sein , der den natürlichen Wachstum künstlich oder gewaltsam hemmt , unten oder oben abhaut . Freilich mögen Körperteile zu kurz oder zu lang sein ; aber wo ist der Vater , der vollständiges Ebenmaß in seiner Gewalt hat , und wo ist der Vater , der Verkürzungen und verunstaltende Verlängerungen immer richtig erkennt ; erkennen es doch die Leser selbst nicht , denn wenn man ihnen das Urteil überließe , wo abzuschneiden , wo zuzusetzen sei , so