mich ! Erbarme Dich des Sünders ! - Selbst im Sünd ' gen gegen Dich gehört ' ich Dir ! Dir allein ! Du geheiligte Liebe meiner Brust , schwebe nieder - nimm mich mit fort ! « Erwartungsvoll sank sein Kopf auf den Blumenteppich vor Lesüeur ' s Bild , das Fennimor ' s von ihm so heiß geliebte Züge , zur Heiligen verklärt , verherrlichte . Er träumte , hoffte , jauchzte der ewigen Vergebung mit ihr entgegen - da berührte eine sanfte Hand den kühnen Schwärmer . Er fuhr empor - der ehrwürdige Priester , der Lesüeur zum Tode eingeweiht , stand ernst und mild über ihn gebeugt . » Ermannt Euch , junger Mann ! « - sprach er mit weichem Tone - » die Pflicht der Freundschaft ruft Euch an das Lager des Sterbenden ! Schon umweht die ewige Ruhe jener Welt den müden Pilger - laßt sie Euch heilig sein und laßt , was irdisch ist , der Welt , die ihm schon entrückt ist ! Er ist in schönem Frieden ; - doch begehrt er Euch zu sehen , und ihm muß werden , was er für die letzte Pflicht der Erde hält . Doch seid es werth , den letzten Augenblick der verklärten Seele zu theilen - versucht , des Friedens theilhaft zu werden , der ihn umweht . « » Hört meine Beichte ! « rief Leonin - » laßt mein Herz vor Euch erleichtert werden , ehrwürdiger Priester ! Gebt mir den Trost , dessen Eure reine Seele voll ist ! « » Jetzt nicht ! « - sagte ernst der Priester - » jetzt nicht , mein Sohn ! Die Augenblicke Deines Freundes sind gezählt . Erfülle erst jene Pflicht und bedarfst Du dann der Beichte noch , so melde Dich im Kloster St. Sulpice , der Prior Tronçon wird Deine Beichte anhören . « Leonin nahm alle seine Kraft zusammen - seine Mienen drückten so deutlich seinen Seelenzustand aus , daß der ehrwürdige Prior die Hand auf seine glühende Stirn legte und ihm fast unwillkürlich , voll erhabener Rührung seinen Segen gab . - Leonin sah ihn im Gefolge seiner Brüder verschwinden - die Thüren des Sterbezimmers öffneten sich - er stand vor dem verklärten Antlitze Lesüeur ' s ! Lesüeur blickte auf Leonin , und wie oft er ihn auch verwünscht , wie lebhaft er ihn gehaßt , die Verklärung des Todes hatte diese Empfindung schon gemäßigt , ehe Leonin zu ihm trat ; und als er ihn erblickte , mit den deutlichsten Zeichen des Schmerzes und der Gewissensangst in dem bleichen Antlitze , erkannte er den blühenden Mann , den er früher gesehen , kaum wieder und fand wenigstens nicht den verstockten Höfling , den zu hassen er sich so berechtigt gehalten hatte . » Ja , ja , ich erkenne es « - rief er matt - » Gott ist gerecht ! Er hat Dich schon gezeichnet , Du armer , verlockter Sünder , und Du thust schwere Buße in Deinem Inneren . « » Nie , nie genug ! « - rief Leonin und kniete an dem Bette des Sterbenden ; - » und wenn kein Hauch des Lebens je wieder Frieden für mich bringt - doch ist es keine zu harte Buße ! Lesüeur , ach , wüßtest Du , wie ich es jeden Tag mehr und tiefer fühle - Du hättest Erbarmen mit mir ! « Er barg sein Haupt und hörte einen tiefen Seufzer neben sich . Am Fußende des Bettes kniete ein Priester im stummen Gebete - sein Gewand verhüllte ihn gänzlich . » Groß und entsetzlich ist Dein Verbrechen ; - aber ich will wissen , in welchem Maaße Du gesündigt - und ich , der ich ihr Freund - ihr Schützling - ihr heiliges Werk auf Erden ward - ich will Dich fragen , und Du sollst dem Sterbenden die Wahrheit enthüllen . Willst Du ? « » Ich will es ! « rief Leonin . - » Was sagte Dir Souvré den Tag vor Deiner Hochzeit ? « - » Ich sei frei ! - Und als ich mehr zu wissen verlangte , vertröstete er mich mit der Wiederholung dieser Worte . Erst am andern Morgen erfuhr ich ihren Tod ! « » Ihren Tod ? « rief Lesüeur , seine Hände zusammenschlagend - » ihren Tod ? Unglücklicher , weißt Du nicht , daß sie lebte - daß sie , Deine einzig , rechtmäßige Gemahlin - daß sie lebte , als Du das zweite Weib nahmst ? « Ein dumpfer Ton des Entsetzens brach aus Leonin ' s Busen . Er stürzte zuckend auf das Bett , während seine weit geöffneten Augen , auf Lesüeur starrend , genugsam seinen fürchterlichen Zustand verriethen . » Ja , « fuhr der Freund Fennimor ' s mit erhobener Stimme fort - » obwol der Tod lange über ihrem Scheitel stand - mußte sie dennoch leben ! Als endlich der Vikar die Nachricht davon zu mir gelangen ließ , war Alles zu spät - der Frevel geschehen - Ihr vermählt , und Fennimor gab schon Zeichen ihrer langsamen Auflösung ! Da beschwor ich die Menschen dort , sie sollten sie belügen - Euch in den Krieg gezogen schildern - ihr den Glauben geben , daß Ihr sie verstorben hieltet . « » Gott , Gott , « rief Leonin - » das Ungeheuer , das mich betrog - den ungeheuern Frevel mich begehen ließ ! « » Klage Dich an , nicht Andere ! « rief dumpf der verhüllte Priester - » Du wolltest betrogen sein - darum wurdest Du es ! « Betroffen blickte Leonin auf die düstere Gestalt , die seufzend und verhüllt neben ihm lag - schaudernd schien es ihm , als höre er die Stimme seines eigenen Gewissens . Flehend rief er gegen den Sterbenden : » Sage mir , sage mir um der Barmherzigkeit Gottes Willen - wann starb Fennimor ? und wo - wo