; ich war eben nicht in der Stimmung , so ernste Dinge mit Euch zu erwägen . Ihr selbst habt mich dazu belebt , und die einmal gewonnene Ueberzeugung zu unterdrücken , fehlt mir jede Anlage . Glaubt nicht , in mir eine verhärtete Seele zu finden , ich hoffe eine Christin zu sein , und mein Herz ist voll von dem Glauben an die Offenbarung . Laßt uns damit beschließen ; wir möchten sonst weit über unsere Befugniß uns hinausreden . Und jetzt trat Pater Clemens zu ihnen , von dem es ungewiß blieb , ob er ein Zuhörer gewesen , da sein gelegenes und geräuschloses Herzutreten die Antwort der jetzt sich entfernenden Schwester Electa verhinderte , und es im Zweifel blieb , ob sie nachgiebiger oder zurückstoßender ausgefallen sein würde . Maria richtete , sichtlich erfreut , sich ihm entgegen , und es war nicht zu übersehen , wie sie , hold ihn anlächelnd , auf dem einzigen ihr gebliebenen bekannten Gesicht ein Wohlwollen suchte , das sie bei der Fremdheit und Verlassenheit ihrer Lage festzuhalten strebte . Aber Pater Clemens vermied den Blick dieses wiederbelebten Auges , und nachdem er sanft , aber kurz nach ihrem Befinden gefragt , kündigte er ihr trocken an , daß er komme , ihr Lebewohl zu sagen , da er vor Nacht das Schloß verlassen werde . Bei dieser Nachricht fühlte sich Maria wie von einem betäubenden Schlage gelähmt , und gleich darauf von einer Fluth so niederschlagender und angstvoller Vorstellungen überwältigt , daß sie fast einen Schrei ausstieß und wie vor einem Schreckbilde ihr Gesicht verhüllte . Pater Clemens fuhr indeß , ohne sich davon scheinbar bewegen zu lassen , mit Ruhe fort : Ihr findet hier ehrenvollen Schutz und alle Gelegenheit , Euern Geist in die Stimmung zu bringen , die Eurer Zukunft die entsprechendste ist . Es wird Euch an belehrendem Umgang nicht fehlen , Ihr werdet Euch Liebe und Wohlwollen erwerben können , und jede Theilnahme finden , die der Tugendhafte stets für alle wahren Interessen des Lebens empfindet . Vor Allem aber denket mit Dankbarkeit gegen Gott daran , daß Ihr durch die Boten seiner Gnade auf Erden aus den Fallstricken des Lasters errettet seid . Indem mein Auftrag an Euch hiermit vollendet ist , setzte er mit weicherer Stimme hinzu , empfehle ich Euch dem Schutze des Himmels und will Gott bitten , Euerm Geiste diejenige Stimmung zu verleihen , die Euch den Frieden in Euch und zu Euern Umgebungen sichert . Der Herr segne Euch und - - - Maria fühlte eine kalte Hand auf Ihrem Scheitel , und den angefangenen Segen , dem nun die schnelle Trennung folgen sollte , unterbrechend , ergriff sie die Hand des Mönches und zeigte ihm mit dieser raschen Bewegung ihr rührendes , von Schmerz und Angst entstelltes Angesicht . Nein , nein ! Ihr könnt mich nicht verlassen wollen , rief sie bebend , so den letzten Trost nicht von mir ziehen ; Ihr wollt mich bestrafen für meine Ungeduld am Morgen , mich noch mehr erschrecken . Nein ! rief sie lebhafter , seine Antwort unterdrückend , Ihr könnt mich in dieser fremden Welt nicht ohne Schutz lassen . Bleibt nur hier , ich bitte Euch ! Still will ich sein und Euch gehorsam , wie ein Kind dem Vater ; Alles will ich thun , was die schreckliche Gebieterin verlangt , denn mein Inneres kann ich behüten , und das Aeußere zu befolgen , soll mich Demuth lehren und Nachsicht gegen fremden Willen . Ich will das düstere Nonnenkleid anlegen , fuhr sie fort , die steigende Bewegung des Pater Clemens nicht sehend , ja , ich will hinab steigen in die finstere Gruft , wo Ihr Gott dient , und hier , wie da , werde ich beten können . Aber geht nicht fort , wenn Ihr nicht den Tod über meinen geängstigten Geist hernieder rufen wollt ; oder müßt Ihr fort , so nehmt mich mit . Fürchtet nicht für mich auf einer vielleicht beschwerlichen Reise . Ich will Alles entbehren , was die Pflege des Körpers erheischt , ich will mit Euch zu Fuße wandern ; ich habe Kräfte , glaubt mir . Ach , erdrückt nur nicht den Geist in mir , raubt dem Herzen nicht den letzten Hoffnungsstrahl , und Ihr sollt mich ausdauernd finden und unermüdlich in Allem , was Ihr begehrt . Pater Clemens hatte nicht ohne Rührung und Erstaunen ihren Worten gehorcht . Maria hatte in ihrer Angst die Kenntniß der unterirdischen Kirche verrathen , und ihm zugleich eine Anhänglichkeit und ein Vertrauen gezeigt , daß er seinem Herzen nicht wehren konnte , zu überlegen , ob den Geboten Genüge zu leisten sei , die ihn von ihr vertrieben . Aber es konnte nur ein kurzer Kampf mit seinem menschlichen Gefühle sein ; schnell kehrte der gewohnte Einfluß des Gehorsams wieder , und er suchte sich mit der Hoffnung zu trösten , ihr Schicksal könne noch in dem höhern Willen seiner Obern eine bessere Wendung nehmen . Ich muß Euch zwar hier verlassen , hob er daher bald gefaßt an , als ihr Blick ängstlich seiner Antwort entgegen sah , doch geschieht dies mit der innigsten Ueberzeugung , daß für Euer Wohl damit gesorgt ist . Ich habe bei dem , was Ihr mich thun seht , keine freie Wahl , mir steht nicht zu , zu ändern und zu klügeln , mir fehlt die Uebersicht von dem , was nöthig ist ; es wird erreicht , indem ein Jeder ohne Einspruch auf seinem Platze das Befohlene thut . Dies genügt uns und ist Erfüllung unseres Berufs . Ha ! rief Maria , sich erhebend und mit glühenden Wangen vor ihn tretend , wo ist die fürchterliche Gewalt , die Euern hellen Geist in solche Knechtschaft zwängt ? Wer seid Ihr , daß Ihr das hohe Recht der Menschen aufgegeben , frei der eigenen Ueberzeugung zu folgen ? Wie hat man es vermocht , Euch so in