Schiebefenster , welcher in ein Gebetbuch geschrieben hatte , er bezeuge mit seiner Hand , daß der Herr an ihm ein Zeichen gesetzt habe . Dieser sagte auch kein Wort , sondern seufzte nur nachdrücklich , und zog dann den Kopf , scheinbar nicht ohne Widerstreben , hinweg . Bis dahin war alles leidlich gegangen ; nun aber wollte eine alte Dame das Weben des Genius sehen , legte Augen und Nase dicht an das Glas , fuhr aber dann mit einem fürchterlich zu nennenden Geschrei zurück . Dies hörten der Byzantiner und die Nackte ; sie sahen die fremden Zuschauer hinter den Glasscheiben . Rot und sprachlos stand der junge Mann da , stampfte mit den Füßen , und hielt den Malerstock gleichsam drohend in die Luft ; das arme Geschöpf schlüpfte hinter die Staffelei , welche sie nicht ganz verdeckte . Die Wirkung dieses so ganz unerwarteten Ereignisses war außerordentlich . Wir jüngeren Leute sahen verlegen vor uns hin , und taten , als ob wir uns schämten , der Pietist faltete die Hände und blickte gen Himmel , die alte Dame eiferte gegen die Meyer , welche , durch einen flüchtigen Blick in die Werkstatt auch von dem Unheil in Kenntnis gesetzt , wie vernichtet dastand , und sich auf Wilhelmi lehnte . Umsonst war dessen Trostspruch , daß es ja nur ein Modell sei , sie flüsterte ihm unter zornigen Tränen zu , er solle den sittenlosen Heuchler auf der Stelle aus dem Hause schaffen . Einige junge Mädchen , welche sich im Zuge verspätet hatten , und nun neugierig herandringen wollten , wurden von der alten Dame mit der Eröffnung , daß eine Fledermaus dort umherschwirre , die sich ihnen leicht in die Haare setzen könne , zurückgehalten . Nachdem Wilhelmi seinen strengen Auftrag in der Stille ausgeführt hatte , und wir wieder zu unsern Sesseln in der Kunstkapelle gelangt waren , fühlten wir wohl , daß fernere gesellschaftliche Freuden schwerlich geraten möchten , und wollten uns in schicklicher Weise entfernen . Leider aber hatte die Meyer einen fremden durchreisenden berühmten Künstler auf ihren Byzantiner bitten lassen , zu dessen Veröffentlichung und Ruhm der Tag ausdrücklich von ihr bestimmt worden war . Dies erfuhren wir durch einige Reden Wilhelmis , als wir der beim Abschiede empfangnen Einladung uns entziehen wollten . Unter solchen Umständen wäre ein Außenbleiben unhöflich gewesen , und so stellten wir uns denn sämtlich , mit Ausnahme der alten Dame , am Abend wieder ein , obgleich mir von einem Tage , der so quer begonnen hatte , nichts Gutes ahnte , und die verstörten Augen der Wirtin zu erkennen gaben , daß ihr die härteste Strafe lieber gewesen sein würde , als eine zierliche , im heiligen Geiste der Kunst versammelte Gesellschaft . Wir kamen in Zimmern zusammen , wo wir früher nie waren empfangen worden , weit von der Kapelle und von den Sammlungen der alten Periode . Papiertapeten bekleideten die Wände , gleichgültige elegante Meubles standen umher . Nur ein Gemälde war vorhanden , das Bildnis des seligen Meyer , im braunen Frack , von Weitsch gemalt . Es hing über dem Sofa ; wie ich hörte , hatte der verstorbne Eheherr diese Gemächer bewohnt . Das Gespräch lahmte , und wurde eigentlich nur von dem fremden Künstler im Gange erhalten , den ein Kreis andächtiger Verehrer umgab . Er erzählte viel von seinen Reisen , von seinen Bekanntschaften mit Kaisern und Königen , wobei eine angenehme Selbstgefälligkeit zum Vorschein kam , die unter uns , wie Sie wissen , nie ihre Wirkung verfehlt . Seine beiden Knaben , junge mutwillige Eulenspiegel , trieben sich umher und verübten allerhand Possen , welche die Zeit hinbringen halfen . Zuletzt , und ziemlich spät , erschien unser Dichter , welcher sein neuerdings bedeutend angeschwollnes Manuskript mitbrachte und nach kurzer Weigerung sich bereitwillig finden ließ , daraus die zuletzt ausgearbeiteten Kapitel vorzutragen . Nun war er aber leider an die Darstellung des fünfzehnten Jahrhunderts geraten und hatte diesem wegen seiner Wichtigkeit die gründlichste Durchführung gewidmet . Besonders erschöpfend handelte er die Frage ab , ob die Kunst jener Zeiten noch eine religiöse zu nennen sei ? und hatte das Für und Wider nach allen Richtungen hin in seinen Versen versammelt . Die Terzinen wälzten sich wie ein endlos flutender Strom daher , eine Stunde nach der andern schlug , und noch war kein Ziel der Sache abzusehn . Ich betrachtete zu meiner Unterhaltung die Gesellschaft ringsumher , und sah die verschiedenartigsten Versuche , sich durch tiefes Atemholen , Rücken auf dem Stuhle , Spielen mit den Uhrketten usw. munter zu erhalten . Nur die Höllenstrafen sind ewig , jede Vorlesung aber hört denn doch endlich auf . Der Kunstdichter schloß und trocknete sich den Schweiß ab , wir durften uns von unsern Stühlen erheben und die abwesenden Lebensgeister wieder herbeirufen ; die Meyer aber , welche vielleicht allein an dieser poetischen Leistung Behagen gefunden hatte , weil dieselbe sie über einen lästigen Abend hinwegbrachte , nötigte mit artiger Verbeugung in ein Nebenzimmer , wo uns eine kalte Kollation erwarten sollte . Ich hatte die Knaben des fremden Künstlers nach der ersten Lesestunde in das Nebenzimmer schleichen sehn , und die Glücklichen beneidet , welche dort ruhig auf einem Sofa die Vorlesung verschlummern durften . Nicht ahnete ich , daß sie weit verhängnisvollere Absichten im Schilde führten und wirklich durchsetzten . Als wir nämlich das Nebenzimmer betraten , und die Wirtin uns mit dem verbindlichen : Wenn es Ihnen gefällig wäre ... zu Tische nötigte , sahen wir zwar diesen , weißgedeckt , von Lampen beleuchtet , auch darauf verschiedne Schüsseln , Assietten und Fruchtkörbe , alle diese Eßgeschirre aber durchaus leer und ihres Inhalts beraubt . Die Urheber des Raubes konnten nicht lange zweifelhaft bleiben , denn die beiden Knaben standen am Tische , beschäftigt , die letzten Reste der Konfekte und Früchte zu verzehren . Von den Salaten , Fleischschnitten und Cremen war keine Spur mehr zu erblicken . Sie hatten