« bringend . » Ist das nicht der von Hülshofen ? « fragte der Schultheiß , die Hand vor die Augen haltend , um besser zu sehen . - » So ist ' s , gestrenger Herr , « erwiederte der Oberstrichter : » auf meine Einladung in Euerm Namen kehrt er zurück , und ich gönnte ihm gerne das kurze Festgepränge , das ihm die Waffenschmiede zugedacht , da er in Costnitz durch seine Fechterkunst unsrer Stadt viel Ehr ' und Ruhm erworben . An Euch ist es nun , ihm anzukünden , wozu er eigentlich hieherberufen . « - » Das geschehe auch auf der Stelle , « meinte der Schultheiß , und zog sich mit seinem Freunde an die innere Treppe zurück , da die ankommende Menge schon anfing , die Pforte zu belagern . Mit einem dreimaligen Vivat , dem Kämpfer und der Vaterstadt dargebracht , wurde Gerhard vom Gaule gehoben , und betrat die Schwelle des Heiligthums der Gerechtigkeit . Zu seiner Linken trug man sein Wappen und die Waffenstücke , die er im Rennen zu Dank erhalten ; zu seiner Rechten das Panner der Zunft , und die in Turnieren eroberten Stechfähnlein . Mit einer bescheidnen Unterwürfigkeit , aber nicht ohne jenes Selbstbewußtseyn , das so gerne dem wirklichen oder Schein-Verdienst entspringt , näherte sich der Fechter dem Vorsteher der Stadt , und empfahl sich seinem Wohlwollen , mit der Bitte , ihm die Ursache wissen zu lassen , die seinen also schnellen Aufbruch von Costnitz nöthig gemacht . - Der Schultheiß erwiederte mit Würde : man würde ihm diese Ursache nicht vorenthalten , sobald er sein Geleite verabschiedet haben würde . - » Nun , so geht denn hin , ihr guten Jungen ; « sprach Gerhard zu den jubelnden Freunden : » Gott hat meinen Einritt gesegnet , und mich mit allerlei Ruhm bekrönt wiederkehren lassen . Eure Freude thut meinem Herzen wohl , aber noch wohler wird meiner dürftenden Kehle der Firnewein thun , den ich von Eurer Freigebigkeit zu erhalten hoffe , gehet darum hin auf Eure Stube , und pflanzt die weißen Holzbecher auf , die ich so sehr liebe , und diese Waffen und Fähnlein , die Zeugen der Tapferkeit , mit welcher ich das Ansehen Eurer Stadt in der Fremde behauptete . Mit den gestrengen Herren allhier habe ich noch einige Worte zu wechseln , und dann bin ich bei Euch , ehe Ihr ' s Euch verseht . « - Die Meister der Zunft schüttelten dem erprobten Zecher und Raufer die mächtige Faust , die Gesellen schlugen die kleinen Tartschen und Kolben aneinander , mit denen sie sich der Festlichkeit halber geschmückt hatten . Die Pfeifer bließen zum Rückzug , und unter gellendem Freudengeschrei wurde dieser auch wirklich angetreten . Gerhard stieg mit den beiden Machthabern die Treppe vollends hinan , und erschöpfte sich in prahlerischen Redensarten , und in der Wiederholung der Grüße und Freundschaftsversicherungen , welche ihm , seinen Betheuerungen zu Folge , Fürsten und Herren an den wohlweisen Rath von Frankfurt aufgetragen , mit auf den Weg gegeben hatten . In dem Strome seiner langathmigen Rede dahinschwimmend , und wie ein geschickter Schütze immer das vorgesteckte Ziel erreichend , und die Hoffnung berührend , die er auf die bekannte Großmuth und Freigebigkeit des Magistrats gesetzt , bemerkte Gerhard nicht , daß Schultheiß und Oberstrichter hartnäckig schwiegen , und kein Wörtlein auf all diese zudringlichen Höflichkeiten zu erwiedern Lust hatten . Da aber die Thüre des Schöffengemachs hinter ihnen zugefallen war , und Gerhard sich noch immer vergebens nach einem freundlichen Gesichte umsah , statt dessen jedoch nur zwei ganz ernsthafte vor sich erblickte , wurde ihm anders zu Sinne . Er schwieg ebenfalls , und manche längst vergessene Schalkheit , für die er jetzo zur Verantwortung gezogen zu werden befürchtete , drang sich seiner Erinnerung auf ; indessen glaubte er aus allen Himmeln zu fallen , als ihn der Schultheiß folgendermaßen anredete : » Herr ! Ihr habt Euch zu Costnitz gehalten wie ein Mann ; glaubte ich nicht den Berichten der dort anwesenden Schöffen , ich müßte es Euerm ruhmredigen Mund unbedingt glauben ; allein nicht um Eurer Thaten willen belobt zu werden , wurdet Ihr zurückberufen , sondern um Rechenschaft zu geben von einer Handlung , die sich eben so wenig mit Euerm Wappen , als mit Euerm Stand als Dienstmann dieser reichsfreien Stadt verträgt . Darum werdet Ihr Belieben tragen , Eure Wehr an den ehrbaren Herrn hier zu meiner Seite abzuliefern , und in seinem Hause für ' s Erste ritterliche Haft Euch gefallen zu lassen . Von Euerm Benehmen und Euern Geständnissen wird es abhängen , ob Ihr daselbst verbleiben dürft , oder härtern Gewahrsams schuldig seyd . « Der Edelknecht stand verblüfft , und spielte in seiner Verlegenheit mit dem Wehrgehänge . » Gestrenger Herr , « versetzte er endlich : » Gott der Herr behüte meine Ohren ; ich fürchte aber , sie haben falsch gehört . Ich wüßte nicht , welcher Popanz von Gläubiger mich verklagt haben könnte . In Costnitz hat der Wirth zum Engel mein Kerbholz feierlich zerbrochen , und in allen Ehren auf der Schiefertafel das Zeichen , das mich vorstellte , ausgelöscht . Ich bin frei dort weggegangen wie der Barfüßer , der den besten Schmaus mir mit einem Gratias vergilt . Kleine Lumpereien zu geschweigen , welche einige gemeine Hintersassenseelen allhier von mir zu fordern haben , bin ich ohne alle Schulden , und begreife darum nicht , warum ich in des ehrbaren Herrn Oberstrichters Hause meine Schlafstätte aufschlagen soll1 . Hier ist ein Irrthum , liebe Herren und Meister . « » Mit nichten , Junker ; « erwiederte der Oberst-richter : » Von Eurer gewöhnlichen Krankheit ist diesmal nicht die Rede . Ihr gebt einen sehr unvortheilhaften Begriff von Euerer christlichen Gewissenhaftigkeit , daß Ihr keine Ahnung von dem Vergehen kund gebt , dessen man Euch bezüchtigt . Da sich jedoch Eure Erinnerungen meistentheils nur an Herbergen und