weibliche schöne Gestalt auf einer Klippe sitzen sehen , die mit grünen Augen auf den Bau geblickt , während sie ihr nasses Haar mit den Fingern durchzogen ; ihr Haupt wurde dabei von Meervögeln mit klagendem Geschrei umkreiset . Als sie verwundert zu ihr hingeblickt , ist sie untergetaucht . Ob der Prinz dieses Meerweib gekannt , läßt sich nicht bestimmen ; er habe sich nicht verwundert und gleich gesagt , ob es nicht sechs Uhr Morgens gewesen , welches sie alle bejaht . Nach einiger Zeit hat der Prinz ein paar Fischermädchen , die gut schwimmen konnten , im Singen unterrichten lassen , daß sie nahe bei dem Landungsplatze die Fremden als Sirenen begrüßen . Es ist ein Gerede unter den Menschen , daß er einen nächtlichen Umgang mit dem Meerweibe habe , wenigstens schifft er sich oft Nachts ganz allein , selbst wenn es stürmt , in einem Boote ein , fährt auf die Höhe , und kommt erst nach Sonnenaufgang zurück ; ich weiß nichts davon , aber ein Schiffer , der ihm dies Boot in Ordnung hält , sagte in der Beichte , daß er einst zwei schöne Perlen darin gefunden , die er sich zugeeignet und für tausend Zechinen verkauft habe . Andre sagen , es sei die Sibylle von Marsalla , mit der er zu tun habe , gewiß ist dort der einzige Ort , wo er sich am Abende vor dem Johannisfeste in der bekannten Grotte einfindet , von dem wunderbaren Wasser trinkt , und in die schallende Höhle wunderbare fremde Worte ruft , die ihm eben so wunderbar beantwortet werden . Viele Menschen , die von Wundern nichts halten , sagen , daß er in geheimer Verbindung stehe mit der berufenen Tuneser Seeräuberkönigin Onanide , die alle Monat ihm einen Besuch ablegen soll ; gewiß ist , daß an einem Tage im Monat , welchen der Mondenlauf bestimmt , sein Schloß nächtlich erleuchtet ist ; aber keiner seiner Leute darf bleiben ; er läßt sie hinaus , und zieht selbst die Zugbrücken auf . Nach jeder solchen Nacht schickt er in der ganzen Gegend Geschenke aus , meist fremde Sachen , die hier nie gesehen , die niemand brauchen kann . So sendete er im vorigen Monate große schöne Schränke in unser Kloster . Wir öffneten sie mit großer Neugierde ; aber denken Sie sich , was wir in den Schiebekasten fanden : Felsstücke , sauber eingepackt auf Baumwolle gelegt ; kein einziger kostbarer Stein war darunter . « - » Das wird eine Mineraliensammlung sein « , sagte der Graf , » die wäre mir willkommen , ich habe gerade darin am meisten nachzuholen und nachzulernen . « - Der Mönch versicherte , daß ihm diese Sammlung gegen irgend ein Geschenk , das zum Kirchendienste taugte , gern überlassen werde ; der Graf wurde darüber sehr heiter und fast ungeduldig sie zu besitzen . Die Fürstin äußerte , daß die wunderbare geahndete Verbindung des Prinzen vielleicht eine Muse sei : ein gänzliches Ergeben an Studien , denn dies Geschenk sei gar zu wissenschaftlich für eine Meerfeie , oder für eine Seeräuberin . - » Nein « , sagte die Gräfin , die alles Allegorische haßte , was ihr eine geglaubte Wirklichkeit entrückte , » es ist gewiß eine Meerfeie , welche ihrem Freunde von den untergegangenen Schiffen alles Herrliche verehrt . « - Darüber verloren sich die andern in Wünschen nach diesen untergegangenen Schätzen ; einer wollte Michael Angelos Zeichnungen zum Danke , ein andrer Hamiltons Vasen ; die Fürstin aber meinte , wenn ihr niemand wiederschaffen könne , was an Kunstwerken in Feuer aufgegangen , von der Erde verschüttet sei , so möchte das Wasser immer seinen Teil behalten , manches solle nun einmal der Welt verloren gehen . Gleich den folgenden Tag fuhr der Graf mit einem schönen Altarbilde nach dem Kloster , das ihm ein junger Maler Grimm aus Deutschland zurückgelassen hatte ; es stellte die Einsetzung des Abendmahles dar ; die Köpfe der Apostel waren meist Gesichter seiner Bekannten im Schlosse . Die Mönche waren sehr erfreut über den Tausch , und der Graf ließ den Wagen voll Schränke , wie im Triumphe , mit Musik zu sich einfahren . Die Fürstin , die alles ergriff , was ihm Vergnügen machte , bat es sich aus , daß die Sammlung in ihrem Hause aufgestellt werde ; der Schreiber , welcher gute Kenntnisse von den neueren mineralogischen Systemen hatte , solle sie in seinem Zimmer durchsehen und ordnen . Der Graf willfahrte ihr und lebte , in der Sammlung vertieft , halbe Tage in ihrer Nähe . Lächeln mußte er , als er auch in dieser Sammlung die Besorglichkeit des Prinzen vorscheinen sah ; die giftigen Metallkalke waren alle schon im Äußeren des Schiebkastens mit dem Zeichen des Totenkopfes und der Knochen aller leichtsinnigen Neugierde , die sie unvorsichtig abreiben könnte , verwarnt . Nach einiger Zeit wurde von Anselmo , dem Mönche , der die fabelhafte Geschichte des Prinzen nach sizilianischer abergläubischer Art vorgetragen hatte , die Nachricht gebracht , der Prinz wünsche die Fürstin zu sprechen , er hätte ihr etwas Geheimes zu eröffnen . Die Fürstin schlug es ihm aber für immer ab ; seit sie sich in so heimliche Verbindung verstrickt hatte , mied sie alle heimliche , wahrsagende Menschen , Kartenleger , Zigeunerinnen , selbst die Sibyllenhöhle bei Marsalla . Bald darauf glaubte man den Prinzen in der Nähe verkleidet gesehen zu haben ; der Graf wollte ihn deswegen besuchen , er verschob es aber so lange , bis es zu spät war . - Der Prinz schickte ihm nach einiger Zeit einen schön gemalten Stammbaum , der seine Verwandtschaft mit der Fürstin bewies . - Der Graf hörte zuweilen bei der Fürstin ein wunderliches ängstliches Geräusch - wohl dem , der im Bösen die geheime Warnung versteht , ihr schien es ein leerer Schrecken . Einmal stand die Gräfin dicht hinter ihr ; sie hatte nichts kommen hören , weil sie über