mich hart gegen den Schulmeister findet « , sagte Vult , » dem halt ' ich bloß vor , daß mir der Schulmann einmal eine angerauchte Pfeife abpfändete und sie in derselben Schulstube öffentlich vor meiner Nase gar ausrauchte . Heißt dies exemplarischer Lebenswandel von Schulmeistern ? Oder etwa dies , daß sie Fischchen-Fangen und Vögel-Stellen uns Scholaren sprichwörtlich verbieten , wie Fürsten die Wagspiele , sich aber selber erlauben ? Darüber möcht ich einmal Männer in öffentlichen Blättern hören . « - » O die liebe erste Schulzeit ! Mir war alles erwünscht , was gelehrt und geboten wurde , die kleinste Wissenschaft war ja ganz voll Neuigkeiten , indes ihr jetzt in Messen nur einige nachwachsen . Kam nun vollends der Pfarrer mit den großen Augenbraunen im Priesterornat und verdunkelte doch den Kandidaten , wie ein Kaiser oder Papst einen Landesregenten , den er besucht : wie süß-schauerlich ! Wie groß fiel jeder Laut seiner Baßstimme ! Wie wollte man das Höchste werden ! Wie wurde jedes Wort unsers Schomakers dreifach besiegelt durch seines ! Ich glaube , man ist schon darum in der Kindheit glücklicher als im Alter , weil es in ihr leichter wird , einen großen Mann zu finden und zu wähnen ; ein geglaubter großer Mensch ist doch der einzige Vorschmack des Himmels . « » Insofern « , sagte Vult , » möcht ' ich ein Kind sein , bloß um zu bewundern , weil man damit sich so gut kitzelt als andere . Ja ich möchte als ein Fötus mit Spinnenarmen an die Welt treten , um die Wehmutter als eine Juno Ludovisi anzustaunen . Ein Floh findet leicht seinen Elefanten ; ist man hingegen älter , so bewundert man am Ende keinen Hund mehr . Doch muß ich dir bekennen , daß ich schon damals unserem knurrenden Pfarrer Gelbköppel aus seiner Kragen-Glorie einige Strahlen ausrupfte . Ich hatte , wie gewöhnlich , ein Buch unter die Schultafel in der Absicht fallen lassen , hinunterzukriechen und drunten die Fruchtschnur von Hängfüßen am Bank-Galgen lächerlich zu finden : als ich auch Gelbköppels Wochen-Stiefel auf dem Boden antraf und durch den aufklaffenden Priesterrock die Hosen , die er bei dem Grummet-Aufladen angehabt , zu Gesicht bekam - weg war seine ganze oben darauf gepelzte Würde - Der Mensch , wenigstens der Apostel , sei aus einem Stück gekleidet , er sei kein halber Aposteltag , Walt ! « » Vult , bist du dergleichen nicht fast in mancher Bemerkung ? Nun kam 11 Uhr heran , wo wir beide auf den Turm zum Läuten und Uhr-Aufziehen gehen durften . Ich weiß noch gut , wie du dich oben auf dem Glockenstuhl an das Seil der ausschwankenden Glocke hingst , um geschwungen zu werden , obgleich viele dir sagten , sie werfe dich durch das Schalloch . Ich hätte selber hindurchfliegen mögen , wenn ich so hinaussah über das ganze kreuzweis gebahnte Dorf voll lärmender Dreschtennen und an die dunkle Bergstraße nach der Stadt und über den weiten Schnee- Glanz auf allen Hügeln und Wiesen und dabei den blauen Himmel darüber her ! Doch damals war der Erde der Himmel nicht sehr nötig . - Hinter mir hatt ' ich die ernsthafte Glocke mit ihrer eiskalten Zunge und mit ihrem Hammer , und ich dachte mir es schauerlich , wie sie einsam in der frostigen Mitternacht zu mir ins tiefe Haus und warme Bette hinab reden werde . Ihr Summen und Aussummen in dieser Nähe umfloß den Geist mit einem stürmenden Meere , und alle drei Zeiten des Lebens schienen darin untereinander zu wogen . « » Bei Gott ! Hier hast du recht , Walt . Nie hör ' ich dieses Tonbrausen ohne Schauder und ohne den Gedanken , daß der Müller erwacht , sobald die rauschende Mühle stillsteht , unser Leib mit seiner Holz- und Wasserwelt ; indes ergötzt die Betrachtung schlecht für den Augenblick . « » Nimm nicht dein ernstes Herz so wieder zurück , Bruder ! Sollt ' ich dein Gleichnis wieder mit einem beantworten , so würd ' ich sagen , diese Stille sei die auf dem Gipfel des Gotthardsberges Alles ist dort stumm , kein Vogel und kein Lüftchen zu hören , jener findet keinen Zweig , dieses kein Blatt ; aber eine gewaltige Welt liegt unter dir , und der unendliche Himmel mit allen übrigen Welten umfängt dich rings . - Willst du jetzt weitergehen in unserer Kindheit oder lieber morgen ? « » Jetzt , besonders jetzt . Der Kindheit werf ' ich nichts vor als zuweilen - Eltern . Wir stiegen also beide die langen Turmtreppen herunter - « » - und im elterlichen Hause wurden wir durch die reinlichgeordnete Mittags-Welt erfreuet an der Stelle der trüben Morgenstube ; überall Sonnenschein und Aufordnung . Da aber der Vater in der Stadt war und also das Mittagbrot schlechter und später : so ließ ich mir es bis nach der Schule aufheben , weil ich nicht zu spät in diese kommen wollte , und weil mir jetzt aus der Ferne durchs Fenster schon Kameraden und Lehrer wieder neu erschienen . In der Schulstube grüßte man die unveränderten Bänke als neu , weil man selber verändert ist . Ein Schul-Nachmittag ist , glaub ' ich , häuslicher , auch wegen der Aussicht , abends zu Hause und noch häuslicher zu bleiben . Ich freute mich auf das ungewöhnliche Allein-Essen und auf den Vater mit seinen Sachen aus der Stadt . Ein ganzer Wolkenhimmel von Schneeflocken wirbelte herunter , und wir Schüler sahen es gern , daß wir kaum mehr die kleine Bibel lesen konnten in der ohnehin dunkeln traulichen Schulstube . Draußen nun sprang jeder in neu-gefallnen Schnee sehr lustig mit den lange müßigen Gliedmaßen . Du warfst deine Bücher ins Haus und bliebst weg bis zum Gebetläuten ; denn die Mutter erlaubte dir das Austoben am meisten in Absein des Vaters . Ich folgte dir selten . Der Himmel weiß , warum ich stets kindischer , ausgelassener