. » Nun sterbe ich ruhig , « sagte Maria einst lächelnd , » ich habe den Humor gesehen . « Die Freude , die dir in Tiecks Dichtungen geworden , mag dir belohnen , was du an ihm getan . Bleibe um Gotteswillen so lustig , wenn du ein großer Physiker wirst . Von den Anlagen , die mit ihm verloren gegangen sind , hat der Freund nicht zu reden . Nur das darf ich bemerken , daß die schönsten lebendigsten Stellen dieses zweiten Teils wenige Tage vor seinem Ende geschrieben wurden . Der Sinn seiner Dichtungen spricht sich deutlich genug aus - daß in unserm Zeitalter die Liebe gefangen ist , die Bedingungen des Lebens höher geachtet sind wie das Leben selbst , und die Nichtswürdigkeit über die Begeisterung siegen kann , hatte er mit seiner Jugend und seinem Leben bezahlt . Er wandte seine letzten Kräfte auf , andern dies Opfer zu ersparen . Streit mit der Liebe war sein Schicksal , Streit für die Liebe sein Beruf . Nahe an S. ' s Gute lagen hoch und mit einer reizenden Aussicht die Trümmern einer Burg - zwischen den Ruinen wohnte in einem kleinen Häuschen ein Kastellan , bei dem wir in frühern Zeiten oft sehr vergnügt lebten . Es war ein eigener Aufenthalt zwischen den alten Türmen und Mauern : aus einem Teile der alten Burgkapelle war die Kirche des Dorfes geworden . Maria , der immer mehr seinen Tod sah und wünschte , bat uns , ihn zu dem alten Kastellan zu bringen . Hier lebte er einige Wochen oben , fleißig , heiter und freier , je näher sein Tod kam . S. und A. waren beständig um ihn ; die kleine Sophie , des Kastellan Tochter , war seine Wärterin . Von seinem Tode laßt mich schweigen . Ich habe ihn nicht sterben gesehen . S. las ihm Tiecks Herkules am Scheidewege vor . » Und da kömmt noch die Ewigkeit , Da hat man erst recht viele Zeit . « Maria lachte noch einmal , er drückte S. ' s Hand stärker und S. hat ihm nicht weiter vorgelesen . Man hatte mich auf das Schloß gerufen . Als ich hinaufkam , saß S. an dem alten Turme und sah still in den Abend . Seine Hand wies mich in die kleine Kirche . Lächelnd lag der bleiche Freund in dem besten Ruhebette . Die kleine Sophie legte ihm Rosen in die Hände . Als ich heftig an ihm niedersank , ihn zu umarmen , bat mich das Kind leise : » Wecken Sie ihn nicht ! Er hat lange nicht so gut geschlafen , und wie wird er sich freuen , wenn er aufwacht und die Rosen sieht ! « - Wir teilen dem Leser noch die bei dieser traurigen Gelegenheit erschienenen traurigen Gedichte traurig mit . I An S .... y Erhebe dich von dem verschloßnen Munde , Komm von dem Lager , wo Maria ruht : Er schläft so heiter , ruhig , still und gut , So lächelnd sah er der Befreiung Stunde ; Noch streitend fühlt er schon , daß er gesunde , Frei wird in seiner Brust der höhre Mut , In Ahndung löst sich die verschwiegne Glut , Geheilt ist bald des Lebens tiefe Wunde . Maria schläft : verschlossen ist sein Mund , Er ist die Antwort schuldig mir geblieben , Ach , wirst denn du sie meiner Liebe geben ? Ist es denn wahr ? kann denn der Mensch nicht lieben ? Ist keine Wahrheit in dem dunklen Leben ? Wird jeder Schmerz im Tode nur gesund ? II Nachgefühl von N.M. Wenn die Blumen wieder blühen , Regt es sich im stillen Herzen , Wenn die Rosen wieder glühen , Fühl ' ich tiefer Ahndung Schmerzen . Tränen rinnen von den Wangen , Meine Blicke muß ich senken , Stiller Sehnsucht zart Verlangen , Faßt des Freundes Angedenken . Ach und niemand kann mir sagen , Wo der teure Freund geblieben , Trauer hätt ich gern getragen , Gern ein Lied auf ihn geschrieben ! III Als Stammblatt Bitter tadelst du den Schöpfer , Daß er deinen Freund zerstöret , Und daß er ihn nur deswegen In des Lebens Mitte führte , Um dann auf dem letzten Blatte Der Verwesung ihn zu weihen . Nicht den Schöpfer , nein das Leben , Trifft , o Freund , dein bittrer Tadel ! Ach , das Leben ist so kurz , Ach , so kurz und doch so lang ! Ist es denn auch nicht das längste , Laß es uns zum dicksten machen ! Sein Gebein stürz in den Abgrund , Lebt er doch im Grunde ewig . Sein Geist , der ewig schaffende , Lebt tönend fort in dir und mir , Von einer Messe zu der andern Ertönet sein belebend Werde , Das ist das Los des Schönen auf der Erde . IV Der duftgen Wolken Schleier Verhüllt der Landschaft Moor , Um fallendes Gemäuer Klagt der Sylphiden Chor . Was hemmt in goldnen Lüften Der hehren Ahndung Flug , Was bringt aus dunkeln Grüften , Der stillen Gnomen Zug ? Es ist des Jünglings Leiche , Sie tragen ihn empor , Der sich im Geisterreiche An Lauras Hand verlor . Erglänzt von Lunas Blicken Ruht dunkel die Gestalt , Und durch die Dämmrung zücken Erinnrungsblitze kalt . V Genius , senke die Fackel , hier ruht der erbleichete Jüngling , Ach , der heftige Schmerz schließt uns den klagenden Mund ! Zwischen der Form und der Sache da irren die menschlichen Triebe , Und ein ewiger Streit trennet das Ich und das Nichts , Trennet die Pflicht und die Liebe , trennt das Gesetz und die Freiheit , Bindet zu Formen den Ton , trennt dann den Ton und die Form . VI Grausam eröffnet schon der alte Tod Das tiefe Grab , nimmt edle schöne Knochen Heraus , um unserm Freunde Platz zu machen . Maria duldet still die