erzwang , daß sie auf ewig ihrem Albano entsagte , wird von der großen Sphinx des Eides , den sie ihm schwur , bewacht und bedeckt . - Nur der ferne Mensch , der die schöne Seele verlor , hatte auf der Sternwarte von den Sonnen auf die hellen Kirchenfenster geblickt und hinter ihnen zerrüttende Erscheinungen gefunden , ohne zu wissen , daß sie wahr wären und sein Leben entschieden . Sie ging kalt über die Auen und Berge der alten Tage , die geleuchtet hatten , wieder in die Wohnung des Greises zurück , der sie mit größerer Ehrerbietung entließ , als er sie aufgenommen . Auf dem Nachtweg war sie stumm und in sich gesenkt gegen ihr Mädchen . Die Eltern erwarteten sie noch , die Mutter blickte bang ' in die Nacht und in die Zukunft . Endlich rollte der lebendige Wagen in den Hof . Groß und mächtig , wie eine unschuldig Hingerichtete wieder vor dem Zergliederer auflebt und , ihn für den höhern Richter achtend , entfesselt und freudig spricht , so trat sie vor die Eltern ; wie der kalte Marmor einer Göttergestalt stand sie bleich , tränenlos , kalt und ruhig da . Sie wußte und wollt ' es nicht , aber sie ging hoch über das Leben , sogar über die kindliche Liebe - sie konnte die Mutter nicht so inbrünstig küssen wie sonst - sie stellte sich unerschrocken vor den polternden Vater und sagte dann ohne Träne , ohne Bewegung , ohne Röte und mit sanfter Stimme : » Ich habe heute vor Gott meiner Liebe entsagt . Der fromme Vater hat mich überzeugt . « - » Und hatte der Mann bessere Gründe dazu in petto als ich ? « sagte Froulay . - » Ja , « ( sagte sie ) » aber ich habe im Tempel geschworen , zu schweigen , bis alles die Zeit entdeckt . - Nun bitt ' ich Sie nur bei dem Allgerechten , mir es zu erlauben , daß ich Ihm seine Briefe persönlich wiedergebe und ihm es sage , daß ich aufhöre , die Seinige zu sein , aber nicht aus Wankelmut , sondern aus Pflicht ; - das bitt ' ich , liebe Eltern . - Dann walte Gott weiter , und ich werde Ihnen in nichts mehr ungehorsam sein . « Der elende Vater , durch diesen Sieg aufgeblähter , wollte ihr noch die letzte Bitte des sterbenden Herzens sauer machen und ließ sogar Argwohn über die Absicht der Zusammenkunft blicken ; aber die Mutter , in ihrer schönen Seele von der schönsten ergriffen , trat eitrig und verachtend dazwischen und bejahte es eigenmächtig . Auch schien Liane das Vater-Nein wenig zu bemerken . Als er fort war , riß die Mutter die stille Gestalt seligweinend an sich ; aber Liane weinte doch nicht so leicht an ihr wie sonst aus Liebe , es sei , daß ihr Herz zu erhaben stand , oder daß es ebenso langsam in die alte Lage wiederkam , als es aus ihr wich . » Habe Dank , Tochter , « ( sagte die Mutter ) » ich werde dir nun das Leben froher machen . « - » Es war froh genug . Ich sollte sterben ; darum mußt ' ich lieben « , sagte sie . - So ging sie lächelnd in die Arme des Schlafes mit hartklopfendem Herzen . Aber im Traume kam es ihr vor , sie sinke ohnmächtig dahin , verliere die Mutter und ringe sich aus dem fliegenden Tode bange wieder auf und weine dann froh , daß sie wieder lebe . Darüber erwachte sie , und die frohen , durch den Traum sanft abgelöseten Tropfen flossen aus den offnen Augen fort und erweichten wie Tauwind das starre Leben . Ihr großen oder seligen Geister über uns ! Wenn der Mensch hier unter den armen Wolken des Lebens sein Glück wegwirft , weil er es kleiner achtet als sein Herz : dann ist er so selig und so groß wie ihr . Und wir sind alle einer heiligern Erde wert , weil uns der Anblick des Opfers erhebt und nicht niederdrückt und weil wir glühende Tränen vergießen , nicht aus Mitleiden , sondern aus der innersten , heiligsten Liebe und Freude . 81. Zykel Warm und glänzend trat die Sonne , die heute wie die Unglückliche verfinstert werden sollte , ihren Morgen an . Liane erwachte zum Begräbnis-Tage ihrer Liebe nicht mit der gestrigen Stärke , sondern weich und matt , aber heiterer durch die Aussicht in die Wiederkehr der friedlichen Zeit . Die Mutter , obwohl selber kränklich , drückte sie schon frühe an ihr Herz , um den Puls des teuersten zu prüfen . - Liane blickt ' ihr liebreich und sehnsüchtig recht lange mit nassem Auge ins nasse und schwieg . » Was willst du ? « fragte die Mutter . - » Mutter , liebe mich jetzt mehr , da ich allein bin « , sagte sie . Dann band sie vor der Mutter alle Briefe Albanos zusammen , ohne sie zu lesen , den ausgenommen , worin er ihren Bruder um seine Liebe bittet . Sie scherzte gegen die Mutter , wie das Schicksal es mit uns wie arme Eltern mit ihren Kindern machte , die ihnen anfangs helle , bunte Gewänder angäben , weil diese leichter in dunkle umzufärben wären . Die Mutter suchte allmählich ihre Geisterphantasien , gleichsam das Todes-Moos , das an ihrem jungen , grünen Leben sauge , von ihr abzunehmen : » Du siehst , « ( sagte sie ) » wie dein Engel irren kann , da er deine Liebe billigte , die du nun mißbilligst . « Aber sie hatte eine Antwort : » Nein , der fromme Vater sagte , sie sei recht gewesen , bis da er mir das Geheimnis sagte , und die Bibel sage , man müsse alles verlassen der Liebe wegen . « So steigt denn dieses arme Geschöpf , wie