den als Held aus den Freiheitskriegen berühmten , mit den schwersten Wunden und den ehrenvollsten Orden bedeckten Generalleutnant von Jürgaß ( › die Exzellenz . , wie sie ihn in tiefer Ehrfurcht stets nannte ) , der fast jeden Sommer , zur Stärkung seiner erschütterten Gesundheit , einige Wochen oder Monate in Ganzer zubrachte , wo dann die Brüder , wie ein Paar Inséparables , vom Morgen bis zum Abend untereinander verkehrten , und sie sich , als die Dritte im Bunde , etwas beiseite geschoben fühlte . Auch verhehlte sie , in ihrer großen Wahrheitsliebe , nicht eine jedesmalige , etwas wehmütige Scheu bei der Meldung dieses Besuches , und war es drum in der Nachbarschaft eine gern erzählte Anekdote , daß sie sich , in ihren häuslichen Verpflichtungen bei Bewirtung der Exzellenz noch absichtlich steigre , um vor sich selbst und vor anderen den kleinen eifersüchtelnden Verdruß an dem Besuche zu bemänteln . Diese Exzellenz selbst aber war der einfachste , anspruchsloseste Heldengreis , der mir je vorgekommen , bedeutender als sein Bruder , bescheiden im Bericht über seine Taten , und mit der Schwägerin auf einem ziemlich förmlichen Fuß . Ich habe nie etwas Kindlicheres und Naiveres gesehen als das zärtliche Verhältnis dieser beiden Brüder , besonders sind mir die harmlosen kleinen Whist-Partien um allerniedrigste Points in Erinnerung geblieben , die jeden Abend in der Wohnstube stattfanden und noch Jahre lang , nach dem Tode der im neunzigsten Jahre sanft entschlafenen Heldin dieser Erzählung , fortgesetzt wurden , bald in Ganzer und bald in Brunn . Damals aber , wo die liebe Alte noch als stille Zuschauerin auf dem Sofa saß , entweder ihren Walter Scott lesend oder mit mir oder einem andern Besuche plaudernd , wurde › Pasterchen ‹ als Vierter zur Whistpartie herbeigerufen , wenn nicht gar Charlotte , das Hausmädchen , als homme de bois fungieren mußte . So einfach waren die Zeiten und die Sitten des patriarchalischen Hauses ! Kinder waren der Frau von Jürgaß nicht beschieden , aber teilnehmend war und blieb sie gegen jung und alt , und ihr lebendiger Sinn für Schönheit machte ( bei ihrem gänzlichen Mangel derselben ) einen beinah rührenden Eindruck . So kann ich das › Ah ! ‹ nicht vergessen , mit dem sie , statt aller Begrüßung , vor der reizenden Erscheinung der jungen Henriette von Röder , Gemahlin des späteren Generals Karl von Röder , stehenblieb , als wir ihr diese zum Besuche zuführten . Jahrelang erzählte sie noch › von den langen , blonden Ringellocken , die die schönen Züge des durchsichtig-klaren Gesichtes umrahmt hätten ‹ und ermahnte mich immer wieder , daß die schöne Frau , › für die Akademie ‹ , wie sie sagte , gemalt werden müsse . Während ihrer letzten Lebensjahre war ich leider aus der Gegend fern , und weiß über ihren Tod nur das eine , daß es ein sanfter war . Wie ihr Charakter aus einem Stück , so war ihr Leben aus einem Guß , und ihre lautere Seele wird dort oben in der ewigen Einheit des Wahren und Guten ihre Heimstätte gefunden haben . « Gottberg Die Grafschaft Ruppin von 1630-1638 Die Grafschaft Ruppin von 1630 – 1638 Im August des Jahres 1630 trafen die Schweden mit 2000 Mann Kavallerie und einem ansehnlichen Korps Infanterie in der Grafschaft ein und besetzten Neu-Ruppin . Im Dezember erschienen zwar die zum Kaiser haltenden Brandenburger vor der Stadt , waren aber viel zu ohnmächtig , um den Schweden den Besitz derselben streitig machen zu können . Endlich rückten die letzteren freiwillig ab . Kaum hatten die Schweden sich entfernt , als Tilly im Februar 1631 mit einer Armee aus dem Magdeburgischen eintraf . In jeder Stadt unserer Grafschaft , wo Tilly lag , erhielt der Kapitän monatlich 54 Tlr . , der Leutnant 20 , der Fahnenjunker 16 Tlr . , damals sehr große Summen . In demselben Jahre brach auch die Pest aus . In Neu-Ruppin starben 1600 , in Lindow 400 Menschen . Jeremias Ludwig , nachheriger Prediger zu Banzendorf , war damals auf der Ruppiner Schule und hat im genannten Jahre 800 an der Pest Gestorbene öffentlich zu Grabe gesungen . 1632 war das Land so unsicher , daß die Ruppiner , als sie ihren neuen Rektor von Pritzwalk abholen ließen , zuvor um eine Sauvegarde von kurfürstlichen Reutern baten . 1634 kam das kursächsische Kavallerieregiment des Oberstleutnants von Rochow , auf kurfürstlichen Befehl , nach Ruppin in Garnison ; im Dezember 1635 aber rückte Feldmarschall Baner mit seinen Schweden in Stadt und Grafschaft ein , nachdem er die Sachsen und Kaiserlichen bei Dömitz geschlagen hatte . Zwei Generalstäbe , die hohen Offiziers der ganzen Armee , das Zabeltitzsche Infanterieregiment und vier Brigaden zu Fuß , jede Brigade zwei Kompanien stark , erhielten ihre Quartiere in Neu-Ruppin . Die Not war bei dem zügellosen Verhalten der Soldaten so groß , daß es zuletzt an allem fehlte . Sogar Abendmahlswein war nicht mehr in Ruppin zu haben . Man mußte einen Boten deshalb nach Wittstock schicken ; aber geplündert kam er zurück . Im September folgenden Jahres ( 1636 ) erschien der Kaiserliche Generalfeldzeugmeister Marazin im Ruppinschen und behandelte die Stadt ziemlich milde . Nach ihm kamen die Sachsen unter Generalmajor von Wolframsdorf und » raubten und plünderten wie gewöhnlich « . Den Sachsen folgte der Kaiserliche General Graf Hans von Götz . Dann kam wieder ein Pestjahr . Im Juli und August 1638 griff sie am weitesten um sich . Ganze Familien , ganze Straßen , ganze Dörfer starben weg . In dem bereits entvölkerten Ruppin , das vielleicht kein Drittel seiner Einwohner mehr hatte , wurden abermals 600 Menschen begraben . Sehr viele wanderten aus . Die Zurückgebliebenen rissen die ledig stehenden Häuser ein , um Holz zu erhalten . Alles verwilderte . In Gransee starben 551 Menschen , nach der Angabe des Totengräbers aber wenigstens 1000 , da viele heimlich eingescharrt wurden . Die Adligen und die Prediger flüchteten nach den