Sümpfen des Haspelmoors und des Dachauer Mooses liegt . Boten schicken ? Oder umkehren mit den siebenhundert Gäulen ? Und den wachwerdenden Gegner hinter sich herziehen , gegen den Herzog hin ? Da quillt von der nahen Stadt ein dumpfes Summen und Tönen durch das Rauschen der dunklen Nacht . Die vier Feuersäulen , die immer höher zum Himmel lodern , haben das schlafende München geweckt . Hauptmann Wessenacker - ratlos , wütend , halb verzweifelnd , halb an die Hilfe durch einen raschen Gewaltstreich glaubend - gibt den Befehl zum Angriff auf das Angertor . Auf allen Kirchtürmen von München läuten die Glocken Sturm . Geschrei und Lärm durchrennt alle Gassen . Helle Feuer brennen auf . Grausen in Eisen wirbelt mit kleiner Komik im Hemde durcheinander . Und als die ersten Schüsse aus den Feldbüchsen des Wessenacker gegen das Tor und die Mauer krachen , sind alle Wehrgänge und Turmscharten schon besetzt mit vielen Hunderten von bewaffneten Bürgern . Aller Hader und Steuerzank zwischen dem Volk , der Stadt und seinen Fürsten ist vergessen . Volk und Fürsten sind in dieser Stunde der Gefahr verwachsen zu einem Körper , der sich grimmig und erbittert seiner Ehre und seines Lebens wehrt . Und in der gesunden Stadt ist kein Bürger mehr , der sich aus alter Anhänglichkeit des leutseligen Ingolstädters , seines heiteren Lachens und seiner fröhlichen Kraft erinnern möchte . Für sie alle ist Herzog Ludwig in dieser Nacht der böse Feind geworden , den man verfluchen und erschlagen muß . Der Wessenacker mit den Seinen kämpft wie ein wütender Stier gegen den hauenden Löwen . Aber die Bresche , die er geschossen , ist ausgefüllt mit einer lebendigen Mauer von Bürgern in Eisen . Aus den Scharten der Wehrgänge regnet ' s Bleikugeln , gefiederte Bolzen , kochendes Wasser und brennendes Pech . Und auf einem Wallturm arbeitet der Münchener Büchsenmeister Völschel mit zwei Trommelkanonen , die er in seiner Lehrzeit beim Kuen in Burghausen gießen lernte . Das Geschrei der Kämpfenden , das Glockenläuten , das Feuergeprassel , das Gerassel des Stahls und das Büchsenkrachen sind wie das Rauschen eines angeschwollenen Stromes , in dessen wildem Liede das matte Seufzen der Stürzenden versinkt . Als der Morgen grauen will , ist der Boden in der Bresche des alten Tores mit einem hohen , festgestampften Pflaster von Leichen bedeckt . Ingolstädter und Münchener liegen verträglich durcheinander , kreuz und quer , mit verschlungenen Armen und verflochtenen Beinen . Aus den Wehrgängen schleppt man die verwundeten Bürger in die nahen Häuser . Und draußen , am Fuß der Mauer , im Stadtgraben und vor dem umstrittenen Angertor , da liegen die Getreuen des Loys in dicken Haufen , zweihundert friedlich Gewordene , mit zerbrochenen Gliedern , erstochen , erschlagen , vom siedenden Wasser verbrüht , von den flammenden Pechkränzen angefressen . Noch immer will der Wessenacker nicht weichen . Der Gefahr seines Fürsten denkend , stoßt er immer wieder mit hundert Köpfen gegen die Eisenbrüste der Münchener . Die Haufen der Bürger , die aus zwei anderen Toren herausfallen , fassen die Ingolstädter von beiden Seiten . Und von allen Dörfern in der Nähe der Stadt , gerufen durch das Sturmgeläut der Glocken , kommen die Bauern gelaufen , stechen mit Spießen und schlagen drein , mit Sensen , Drischeln und Morgensternen . Beim ersten Blick der steigenden Sonne wendet Hauptmann Wessenacker den Gaul . Und die vierhundert von den Seinen , die noch laufen oder reiten können , taumeln hinter ihm her , gegen das brennende Pasing hinaus . Tor und Mauer am Anger sind verwandelt zu Denkmalen auf dem Leichenacker dieses Morgens . Ein halbes Tausend liegt im Blute , stumm geworden oder noch stöhnend in Schmerzen . Doch fünfmal tausend , zehnmal tausend jubeln in trunkener Freude : » Sieg ! Sieg ! Sieg ! « Die Männer lachen im Stolz der Tapferen , die Weiber und Mädchen umhalsen sich in den sonnig gewordenen Gassen , und auch die Kinder jubeln , ohne zu wissen warum - sie sehen ' s bei den anderen und machen es nach . In dieser schreienden Freude hört man die paar hundert nicht , die weinen müssen . Herzog Wilhelm , ein frommer und rechtschaffener Mann , den die Armen von München lieben , übernimmt es , die Stadt zu hüten und in der Bürgerschaft die Ordnung und Ruhe zu wahren . Herzog Ernst und sein Sohn , Prinz Albrecht , beginnen die Verfolgung des fliehenden Gegners . Mit ihnen ziehen die fürstlichen Söldner und die drei Bürgerhaufen unter ihren Hauptleuten Lorenz Schrenk , Franz Tichtel und Hans Pütrich ; die siebenunddreißig Münchener Zünfte haben dreihundert Berittene und zwölfhundert Mann zu Fuß gestellt . Meister Völschel - ein dicker , lustiger Münchener , der für seine Heimatstadt die große Stachlerin , den Pecker und vier Kammerbüchsen gegossen hat - reitet auf festem Gaul dem Trupp der zweihundert Faustschützen voraus ; und hinter dem Stadtheer drängen die Schwärme der Bauern nach , die sich gesammelt haben aus zwanzig Ortschaften . Diese Bauern wollen nicht in Reih und Glied marschieren , beim Marsche nicht Ordnung halten . Wenn ' s losgeht wider die Loysischen Brandschatzer , möchten sie die ersten sein , die dabei sind . Und viele von ihnen haben ihre Herzöge noch nie gesehen ; denen möchten sie einmal in die Augen schauen . Im Staubgewirbel , das den Flinkmarsch des Heeres begleitet , springen die Bauern von der Straße auf die Wiesen und Felder , rennen dem geschlossen marschierenden Zug der zünftigen Bürger voraus und schreien , schwingen die plumpen Waffen , schwenken die Hüte und umdrängen die unruhig werdenden Gäule der beiden Fürsten . Der Hauptmann des herzoglichen Söldnerhaufens will das hindern und abschaffen . Doch Herzog Ernst befiehlt ihm : » Laß die Leute ! Sie tragen ihr Blut und Leben zu uns . Daß der Untertan uns beschauen kann , ist das mindest , was wir dem Volk zu schenken haben . « Den jubelnden