. « - » Ich habe sie reiten sehen , « bestätigte der Knecht . » Hinterdrein , hinterdrein ! rettet mein Kind ! « - » Fort , Heinrich , « riefen seine Frau und Sibylle . Er flugs hinaus , rief drunten nach einem Pferde und trabte davon . Hilflos faltete ich die Hände und konnte nur wimmern . Tränen im Auge , suchten mich die Frauen zu beschwichtigen ; die Kranke streichelte meine Hand , Sibylle tröstete : » Heinrich wird sie einholen , er ist Soldat . « Ich fand keine Ruhe . Mich verlangte , selber mein Kind zu suchen . Wie nun eine heilkundige Frau kam , die Wunde zu behandeln , bat ich um einen festen Verband , der mir unverzügliche Reise gestatte . Die Heilkundige warnte , doch ich erklärte , die Sorge um mein Kind werde mich eher umbringen als die Wunde . Bald darauf kehrte Heinrich zurück und sagte : » Die Spur der Räuberin ist wie weggeblasen , habet denn Ihr keine Vermutung , wohin sie sich gewandt ? « - » Ich reise mit Euch , « entgegnete ich , » und wir wollen übers Isergebirge ins Schlesierland nach Schreiberhau . Dorthin wird sie trachten . Denn sie forderte von mir , ich solle mich nicht in Schreiberhau blicken lassen . « - » Ich werde allein hinreiten , « sagte Heinrich . Aber ich stund von meinem Lager auf und überwand alle Schwäche . Da sagte Heinrichs kranke Frau zu Sibyllen : » Geh auch mit , derweilen ich hier bleibe ; eine längere Rast kommt mir und dem Kinde zustatten . Helfet erst dieser armen Mutter . « Indessen nun meine Wunde einen neuen Verband erhielt , sorgte Heinrich für drei Pferde , dann brachte man mich behutsam in den Sattel . Erst ritten wir langsam . Wie es aber gut mit mir ging , setzten wir uns in Trab . Heinrich spähte immerfort nach der Spur der Räuberin . In der Hand trug er ein Feuerrohr , an der Hüfte das Schwert . Wir Frauen waren mit Pistolen und Dolchen bewaffnet . Nach mehrstündigem Ritt hielt Heinrich sein Pferd an und deutete auf den Weg : » Hier ist vor kurzem jemand aus dem Walde geritten . Das wird die Räuberin sein . Die Hufspur hat sie zuerst dadurch verborgen , daß sie vom Weg an einer felsigen Stelle in den Wald abgebogen ist ; hier jedoch hat sie wieder den Weg aufgesucht . Er führt zum Isergebirge . « Als wir eine Strecke weitergeritten waren und die Spur noch immer sahen , meinte Heinrich : » Jetzo müssen wir rasten ; Eure Wunde bedarf der Ruhe . Unterwegs holen wir die Räuberin doch nicht ein . Es genügt , daß wir wissen , wohin sie sich gewandt . Wir finden sie in wenigen Tagen . Keine Sorge , sie wird dem Kinde nichts tun . « Mein Herz ward leichter , da ich bedachte , wie die Entführerin zum kleinen Johannes zärtlich gewesen . Was sollte sie ihm denn auch antun ? Nur für sich haben möchte sie das Kind . Aber wir werden es zurückgewinnen . Nach einer ausgiebigen Rast , bei der wir Speise und Trank zu uns nahmen , ging es weiter , bis wir abends zu Hütten gelangten und Quartier fanden . Es war mir tröstlich , zu vernehmen , am Mittag sei hier eine Reiterin mit einem Kinde vorübergetrabt in der Richtung auf Starkenbach . Da sich beim Untersuchen meiner Wunde herausstellte , daß keine Blutung erfolgt sei , so durften wir hoffen , bald am Ziele zu sein . Andern Tages ging die Reise bis Tannwald , am übernächsten ward uns mittags bei einer Baude im Tal des Iserflusses die Auskunft , gestern sei hier ein Weib mit einem Kinde gen Schreiberhau geritten . Wir waren auf demselben Wege , den ich vor Jahren mit Dir , Johannes , bei Nacht zurückgelegt hatte . Im Schritt ging es weiter , und als die Sonne in die Wälder sank , waren wir nahe der Grünen Koppe . Bei einbrechender Dunkelheit sahen wir Leuchtkäferlein über Wiesen taumeln , dann glomm an einem Berge , so bei einer Waldlichtung sichtbar geworden , ein Feuer auf , und Heinrich sagte : » Morgen ist Sankt Johannistag , dorten grüßen sie ihn mit Fackeln . « Wir kamen nun zur Abendburg ; es war Nacht ; beim Felsen droben wirbelte roter Rauch mit Funken . Viele Menschen jauchzten und johlten zu Harfen und Geigen . Was gab es dorten ? Sonst war die Abendburg doch gänzlich einsam . Ich sprach mich darüber zu Heinrich aus , und er beschloß , als Kundschafter vorzugehen , derweilen wir Frauen harren sollten . Wir banden die Pferde an Bäume , und ich setzte mich nebst Sibyllen , indessen Heinrich , in der Hand sein Feuerrohr , durch Dickicht schlich . Immerwährend scholl Geschrei und Singen von der Abendburg . Endlich knackte ein Ast im Walde , und Heinrich war wieder bei uns . » Das Kind ist da ! « raunte er froh , und mir sank die schwere Last vom Herzen . An seine Hand geklammert , stammelte ich heißen Dank . » Wo ist es ? « - » Droben ! « sagte Heinrich . » Sie feiern die Johannisnacht ; im Feuerschein hab ich Euer Kind bei seiner Entführerin gesehen . Toll muß sie sein , und die Menge trunken . Berthulde , schlohweiß gekleidet , auf dem Haupte einen Kranz , hat vom hohen Felsen , an dessen Fuß ein groß Feuer lodert , zum Volke geredet . Mann und Weib sind hierauf wie närrisch um die Glut getanzt ; schwingen brennende Besen , gleich Flammenrädern . Burschen hüpfen mit ihren Dirnen jauchzend über kleinere Feuer . Kerle taumeln mit erhobenen Bechern , aus Tonnen wird Bier gezapft . « - » Gehen wir sogleich hin , « sagte ich mit erneuter