der sich mit seinem erlogenen Einflusse auf den Schah vor dir und Andern brüstet . Ich sage dir vielmehr , und du kannst es mir glauben , denn ich bin wohlunterrichtet : Der Herrscher kennt den Scheik ul Islam ganz genau . Die Fürbitte grad dieses Mannes wäre nicht etwa zu deinem Heile , sondern zu deinem Verderben ausgefallen . Sie hätte dich als sein Geschöpf bezeichnet und damit nur bewiesen , daß du der Gnade gar nicht würdig seist . « Er senkte den Kopf noch tiefer als vorher . Dann hob er ihn mit einem schnellen , energischen Ruck empor und sagte : » Also so steht es , so , so , so ! Wohlan , Effendi , ich gehe diesen neuen , guten Weg ! Ich gehe ihn selbst ! Ich lasse mich nicht führen ! Von keinem Menschen , auch nicht von dir ! Allah will das Gute , nur das Gute , und er gibt jedem Menschen die nötige Kraft , es zu tun . Ich will doch sehen , ob er nicht auch mir diese Kraft verliehen hat , es zu vollbringen , ohne daß ich sie mir von Andern zu leihen und zu borgen brauche ! Er sei mein Schutz und meine Hilfe , er allein , in Zeit und Ewigkeit ! « Er schluchzte . Da konnte ich mich nicht halten ; ich legte ihm die Hände an beide Wangen und sprach : » Das ist das einzig Richtige ! Laß es dir nicht wieder nehmen ; von keinem , keinem Menschen ! Es wächst jetzt eine Säule in dir auf , in der es nie und nie so knirschen wird wie in der andern unten in dem Wasser . In ihr liegt Gottesstärke . Vertraue ihr und ihm ! « Ich ging . » Gottesstärke - - - ! « erklang es hinter mir . » Das war sie - - - das ist sie - - - schon jetzt , schon jetzt - - - die Gnade ! « Auf dem Nachhauseweg war mir nicht wohl . Ich hatte das Gefühl des Schwindels , und meine Lunge war nicht mit mir einverstanden . Meine Beine schienen Kraft verloren zu haben , obgleich ich die ganze Zeit über doch nur gesessen hatte . Ich dachte darum an nichts , als nur daran , mich schnell niederzulegen , und freute mich , als dies geschehen war , über die gute , reine Luft , welche durch Türen und Fenster freien Zutritt hatte . Aber ich konnte nicht einschlafen . Der Grund lag wohl weniger in dem , was ich gesehen und gehört hatte , denn das konnte mich nicht beunruhigen , sondern die Ursache war eine körperliche , keine geistige . Und als der Schlaf dann erst gegen Morgen kam , war er kein ruhiger und erquickender . Ich wachte von Zeit zu Zeit immer wieder auf , und weil das quälender als das Wachen war , so zog ich es vor , das Lager zu verlassen . Als ich hierauf den Weg nach dem Brunnen hinunterstieg , fühlte ich ein wirkliches , ausgesprochenes Unwohlsein . Da traf ich Schakara . Ich sah , daß sie bei meinem Anblicke erschrak . » Was ist mit dir , Effendi ? « fragte sie hastig . » Dein Gesicht ist ganz graugelb , und deine Augen liegen tief . Du bist krank ! « » Ich war heut Nacht mehrere Stunden lang drüben im Allerheiligsten , « antwortete ich . » Das scheint mir nicht gut bekommen zu sein . « » Mehrere Stunden lang ? Im Allerheiligsten ? « rief sie aus . » Diese Luft hält kein Gesunder aus , viel weniger ein Genesender ! Du kannst dir sehr leicht einen Rückfall in den Typhus geholt haben , und dann , dann ist es nicht möglich , dich zu retten ! Komm , wir müssen sofort zum Ustad ! « Sie führte mich hinauf zu ihm . Er hatte mein spätes Heimkommen gehört und darum auch schon Sorge gehabt . Schakara brauchte ihm gar nicht zu sagen , weshalb wir zu ihm kamen ; mein Aussehen schien sprechend genug zu sein . Auch er zeigte sich , sobald wir eintraten , sofort über dasselbe bestürzt . Ich mußte mich hinsetzen und erzählen . Als ich mit meinem Berichte zu Ende war , sagte er sehr ernst : » Effendi , was du gehört und gesehen hast , beunruhigt mich nicht im Geringsten , aber daß du gezwungen gewesen bist , die krankheitsschwangere Atmosphäre des Sacrosanctum einzuatmen , das kann Folgen nach sich ziehen , denen wir sofort vorzubeugen haben . Dein Blut ist bereits wieder mit Stoffen geschwängert , welche unbedingt entfernt werden müssen . Zum Glück ist Alles vorhanden , was wir dazu brauchen . Ich bitte dich , mich wieder als deinen Arzt zu betrachten ! Denke von jetzt an nur an dich selbst , an deine Genesung ; alles Andere schlage dir aus dem Sinn ! Das bist du dir , mir und uns Allen schuldig ! « » Aber der Aschyk ? Mein Syrr ? Der verborgene Gang , welcher untersucht werden muß ? « warf ich ein . » Das ist es eben , woran du jetzt nicht denken sollst ! « antwortete er . » Ich gebe dir die Versicherung , daß du dich nicht zu sorgen brauchst . Habe ich während meiner Abwesenheit dir vertraut , so vertraue du nun auch mir ! « Er hatte Recht , und so ließ ich denn mit mir machen , war er für geboten hielt . Er verordnete zunächst ein Bad , so heiß wie möglich . Während desselben hatte man mein Lager heraus auf die Plattform geschafft , damit ich nur die beste Luft atmen möge . Ein Leinendach war angebracht worden , um Schatten zu geben . Der für seine Muttersprache begeisterte Germane nennt so ein Dach » Marquise « . Dort legte ich mich