den Bergen die Füße der Boten , welche den Frieden predigen , das Gute lehren und das Heil verkündigen ! Die da sagen zu Zion : dein Gott ist der Herrscher ! « An ihm war nichts , was glänzte und was gleißte . Doch alle , die ihn sahen , schauten ihm so aufrichtig liebend und ehrfurchtsvoll entgegen , daß ich von dem , was sie bewegte , auch ergriffen wurde . Als er den Tempel betrat , verneigten sie sich . Er dankte still und gütig lächelnd mit der Hand und kam dann her zu mir . Mir die Rose gebend und dabei mit der Rechten mein Haupt berührend , sprach er : » Friede sei mit dir und mit uns allen ! Die Glocken des Gebetes klingen . Dein Herz sei wie die Rose hier . Warum ich dieses sage , das wirst du später hören ! Sei heut mit uns ein unbekannter Dschamiki ! Wen nur der Himmel kennt , der hat die rauhe Hand der Erde nicht zu fürchten ! « Hierauf wendete er sich von mir ab und zu der Dschemma hin . Ich hörte , daß er sagte : » Wir haben noch weitere Gäste zu empfangen . Ich war hoch über den Wald hinaufgestiegen und schaute in das weite Land hinaus . Da sah ich einen Trupp von Reitern , welche in großer Eile aus der Morgengegend kamen . Sie haben den Duar wohl schon erreicht . « » Wahrscheinlich sind es Kalhuran , die sich erkundigen wollen , ob ihr Scheik wohl bald zurückkehren werde . Man wird ihnen sagen , daß wir oben sind . Doch was ist das ? Warum hat man den Läutenden das Zeichen der Warnung gegeben ? Sind nicht Freunde , sondern Feinde angekommen ? « antwortete der Pedehr . Das Glockenläuten hatte nämlich plötzlich aufgehört , doch ohne daß die Glocken schwiegen . Sie sprachen in einzelnen , auseinander gehaltenen Schlägen weiter , ungefähr so , wie bei uns im Abendlande , wenn von dem Turme Feuer gemeldet wird . Und jetzt sah man einen Reiter kommen , der sich in größter Eile auf das erste , beste ungesattelte Pferd geworfen hatte . Er achtete der Krümmungen des Weges nicht , sondern trieb das Tier trotz der Steilheit der Matte in gerader Richtung auf den Tempel zu . Sobald er sich vernehmlich machen konnte , hörten wir ihn rufen , konnten aber die Worte nicht verstehen . Sie schienen aber nichts Gutes zu enthalten , denn die am untern Park befindlichen Dschamikun , die sie deutlich vernommen hatten , erhoben ihre Stimmen in zorniger Weise , um die Botschaft schnell weiter zu geben . Sie ging von Mund zu Mund , bis wir sie hörten : » Ghulam el Multasim , der Bluträcher , ist im Duar ! « Eine so feindliche Kunde mitten in die Klänge des Friedens hinein ! An jedem andern Orte hätte sie gewiß eine augenblickliche und große Verwirrung hervorgebracht . Hier nicht . Der Ustad trat vor die Säulen hinaus und hob die Hand empor . Da trat augenblicklich tiefste Stille ein . Hierauf ging er auf die Dschemma zu und sagte : » Bleiben wir ruhig ! Wer hat den Thürdrücker zum Gewölbe der Gefangenen ? « » Ich habe ihn hier , « antwortete der Pedehr . » So kann der Rächer nicht zu ihnen . Wir haben Zeit . Warten wir , was der Bote sagt ! « Dieser war am Blumenpark vom Pferde gesprungen und zu Fuße herbeigeeilt . Er kam soeben die Stufen herauf und meldete : » Ghulam el Multasim ist da ! Einige große Herren sind bei ihm und auch noch bewaffnete Leute , zusammen zwölf Personen . Ich stand mit meinem Sohne am Eingange des Duar , als sie kamen . Sie fragten nach euch . « » Sind sie nach dem hohen Hause ? « erkundigte sich der Ustad . » Nein . Ich wies sie hier herauf und gab ihnen meinen Sohn als Führer mit . Ich wollte sie vom hohen Hause abhalten , weil es jetzt dort nur wenige Männer giebt . Dann nahm ich das Pferd und ritt zu euch herauf , gleich quer den Berg heran , um ihnen zuvorzukommen . Aber die Gärten hinderten mich . Die Perser werden wohl sofort erscheinen ! « Ja , sie erschienen . Sie hatten soeben die Matte erreicht und hielten einen Augenblick an , um das Terrain zu beurteilen . Dann setzten sie sich wieder in Bewegung . Sie hatten einen Entschluß gefaßt ; welchen , das sollten wir sogleich sehen . Der Park war ihnen im Wege . Sie wollten nicht absteigen , sondern ihre Befehle den Dschamikun vom Sattel herab erteilen . Darum ritten sie um ihn herum . An der hintern Seite angekommen , brachen sie durch die Rosen und kamen zwischen den Säulen zu uns herein , um ihre Pferde grad vor der Dschemma anzuhalten . Ein Dutzend Personen ! Niemand fürchtete sie , obgleich sie , wie man zu sagen pflegt , bis an die Zähne bewaffnet waren . Aber es war nicht nur die Störung des Festes , auf welches sich jedermann gefreut hatte , zu beklagen , sondern der so unerwartete Einbruch des Bluträchers konnte auch außerdem sehr leicht noch Folgen haben , die jetzt nicht vorauszusehen waren . Ghulam stand im Rufe der Grausamkeit , und als Grausamer war er feig . Die Feigheit greift sehr gern zur Hinterlist . Was führte er im Schilde ? Von den zwölf Reitern hatten einige das Aussehen vornehmer Leute . Sie ritten teure Pferde . Wenn sie die Freunde des Multasim waren und sich seiner Sache annahmen , konnte ihr Einfluß bei Hofe dem Ustad und seinen Dschamikun wohl schädlich werden . Ich war außerordentlich gespannt darauf , zu sehen , wie er sich überhaupt verhalten und was er im Besondern zu der rohen und rücksichtslosen Entweihung seines Tempels sagen werde . Konnte irgend