lächelnd auf das Papier vor ihm und führte ihn aus dem Haus zu ihrem Lieblingsplätzchen am Ufer der See . Das war eine Höhe , wo zwischen Gestein und leichtbeweglichem Dünensand niederes Gesträuch und einige vom Wind wunderlich zerrissene höhere Bäume in mühseliger Zähigkeit ihr Dasein dem harten Boden , dem wehenden Sand und den Stürmen abkämpften . Ein einsames Fleckchen , wo sich gut mit Land und Meer , mit den Wolken und Möwen , mit den eigensten Gedanken Zwiegespräch halten ließ . Hier hatte Grips dem Fräulein einen einfachen Sitz gebaut , und hier saßen am Abend Vor ihrer Hochzeit Hans Unwirrsch und Franziska Götz , sprachen von ihrem eigenen Schicksal und von Kleophea und sahen die Sonne untergehen . Sie sprachen viel von Kleophea , während sie auf das Meer blickten , über welchem sich nach dem schönen , glänzenden Tage die Nebel zusammenzogen . Die arme Kleophea war verschollen ; auf keinen der Briefe , die Fränzchen im Laufe des Jahres an sie geschrieben hatte , war eine Antwort gekommen . Die Verlobten wußten nichts von ihr ; - es war so seltsam , daß sie gerade an diesem Abend immer von neuem ihr Bild vor sich auftauchen sahen , daß ihre Gedanken nicht in dem eigenen Glück haften wollten . Hans und Franziska wußten nicht , daß das Schiff , welches Kleophea Stein trug , hinter dem grauen Nebel schwebe , der sich über die Wellen legte ! Sie wußten nicht , daß Kleophea auf dem Meere fuhr , während Ehrn Josias Tillenius am folgenden Tage ihre Hände für Zeit und Ewigkeit ineinanderlegte ! - Am achten September wollte die Sonne den ganzen Tag über nicht hervorkommen . Sie war , wie die Seeleute sagten , am Abend vorher in einem Sack untergegangen , und das bedeutete trübes Wetter für die nächste Zeit . Es wurde ein schwüler Tag , an welchem sich kein Lüftchen regte , an welchem dasselbe traurige Grau Himmel und Erde überzog , an welchem man sich nach einem tüchtigen Regenschauer hätte sehnen mögen , wenn es nicht Hochzeitstag gewesen wäre . Es regnete nicht in des Fränzchens Brautkrone , es regnete nicht in die treffliche Rede des Pastors Tillenius , es regnete nicht in die grimmige Rührung des Onkels Rudolf und des Obersten von Bullau , es regnete auch nicht in den Jubellärm des Hauses und Dorfes Grunzenow . Johannes Unwirrsch und Franziska Götz gaben sich die Hände , wie sie sich die Herzen gegeben hatten ; nach der Traurede des Pastors hielt der Leutnant Götz eine Tischrede , und auf den Orgelklang und die Kantate des Küsters folgte lustig die Tanzmusik von Freudenstadt , welche der Oberst von Bullau auf einem Leiterwagen hatte holen lassen . In seinem Kastell bewirtete der Oberst das ganze Dorf , und Grips als Majordomus und arbiter elegantiarum zeigte sich nicht als das , was er war , sondern als das , was er sein konnte : liebenswürdig , zuvorkommend , zärtlich gegen das schöne , höflich gegen das starke Geschlecht . In dem großen Saale wurde getanzt , und unendlicher Beifall wurde laut , als der Oberst mit der jungen Frau den Ball eröffnete . Es war ein Vergnügen , jetzt dem Leutnant in die strahlenden Augen zu blicken ; es war ein Vergnügen , den Pastor Josias Tillenius im Gespräch mit der Mutter Jörensen zu beobachten ; und ein Hauptvergnügen war ' s , zu sehen , wie der Pastoradjunkt und Bräutigam Hans Unwirrsch der schwindelerregenden Göttin Terpsichore verfiel und , um einen Ausdruck der anwesenden befahrenen Seeleute zu gebrauchen , durch den Saal » schlingerte « . Die ältesten Leute , selbst die Urgroßmutter Margarete Jörensen , wußten sich eines solchen Tages nicht zu erinnern ; die Lust stieg von Augenblick zu Augenblick und riß alt und jung fort ; halb betäubt blickte das Brautpaar , das sich mit Mühe in einen stillen Winkel gerettet hatte , auf das Getümmel . » Feuer auf See ! « Wer rief das ? Wer hatte das gerufen ? Feuer auf See ! Feuer auf See ! - Wie ein elektrischer Schlag fuhr es durch das Fest . Die Musik brach ab , die Tanzenden hielten an wie gebannt ; die Zechenden sprangen von den Sitzen empor , und dem alten , einarmigen Hochbootsmann Steffen Groote blieb das malaiische Lied , des er eben einem kleineren Zirkel von Kennern zum besten gab , zur Hälfte in der Kehle stecken . Auch Hans und Fränzchen waren emporgesprungen , obgleich sie anfangs den Grund des panischen Schreckens nicht begriffen . Der Oberst drängte sich durch den Saal nach der Tür , und ihm nach stürzte der größte Teil seiner männlichen Gäste . Die Zurückbleibenden liefen aufgeregt durcheinander oder zu den Fenstern , welche auf das Meer gingen . Franziska faßte den Arm des Pastors Tillenius : » O mein Gott , was ist denn ? Was ist geschehen ? « » Dort , dort ! Wahrhaftig ! O Gott , erbarme dich ihrer ! « rief der Greis , der das Fenster aufgerissen hatte und auf die See deutete . » Ein Schiff im Brande - dort , dort ! « Die Blicke des jungen Paares folgten der zitternden Hand ; im tödlichsten Schrecken stockte das Herzblut - » Dort , dort ! « Es war halbe Abenddämmerung geworden , und der Übergang aus dem grauen Tage war so unmerklich geschehen , daß keiner der fröhlichen Hochzeitsleute darauf geachtet hatte . Noch immer bewegte kein Luftzug den Dunst , der über Land und Meer lag und den Horizont vollständig verschleierte ; nur die Bewohner des Strandes konnten wissen , was seewärts der rote Schein bedeutete ; den beiden Kindern des Binnenlandes aber mußte bei dem unbekannten Schrecknis das Herz um so wilder schlagen . Ein brennend Schiff ! Hunderte von Menschen in der gräßlichsten Todesnot ! Die Sinne verwirrten sich bei dem Gedanken , bei den hundert furchtbaren Bildern , die sich durch das Gehirn drängten