- ist es nicht des Mannes Pflicht , den Willen einer Frau , noch dazu einer Frau , die er liebt , zu ehren ? Habe ich es nicht gethan ? bin ich nicht noch in derselben Nacht auf ein Wort , ja auf einen Wink hin , abgereist , bin ich nicht drei lange Jahre wie Ahasver ruhelos durch alle Lande geirrt , und habe ich , als ich dann endlich zurückkehrte - zurückkehrte , weil mir eine Ahnung sagte , daß Dir ein Unglück bevorstände - nicht jede Gelegenheit , mit Dir zusammenzutreffen , sorgfältig vermieden ? war es mein Wille , daß ich Dich auf dem Balle in Barnewitz traf ? ist es mein Wunsch gewesen , der uns hier zusammenführte ? Nein , Melitta , Du kannst nicht über mich klagen . Ich habe meine Liebe zu Dir lange , lange Jahre - denn ich liebe Dich , seitdem ich denken kann , seitdem ich weiß , daß Nachtigallengesang und Sonnenschein und Wogenrauschen köstlich sind - tief versteckt im Herzen getragen ; und wenn ich einen Augenblick thöricht genug war , die Hoffnungslosigkeit dieser Leidenschaft zu vergessen , so habe ich diese Thorheit schwer genug gebüßt . Wußte ich doch schon als Knabe , daß Du Dein Pferd und Deinen Hund lieber hattest , als mich ; und doch zwang ich den schwer verletzten Stolz , und doch demüthigte ich mich wieder und immer wieder vor Dir ; ich , der ich nie in meinem Leben eine Bitte über die Lippen bringen konnte ! Der Baron war aufgesprungen und setzte seine ruhelose Wanderung durch das Zimmer eine Zeit lang schweigend fort , dann blieb er abermals vor Melitta stehen und sagte : Ich habe mich noch tiefer gedemüthigt . Ich habe gesehen , daß das Weib , nach dem sich meine Seele sehnt , wie der Gekräuzigte nach einem Labetrunk , von einem Andern geliebt wird ; habe gesehen , daß sie diesen Andern wieder liebt mit jener Liebe , um die ich Gott auf meinen Knieen tausend und tausendmal mit heißen Thränen gebeten habe - und habe nicht mit der Wimper gezuckt ; ich habe der Schlange Eifersucht den Kopf zertreten - ja , und mehr ! ich habe redlich versucht , diesen Glücklichen nicht zu hassen , ich bin ihm entgegengekommen mit Gruß und Handschlag , ich habe mir sein Vertrauen , seine Liebe zu erwerben gesucht , nicht , um zum Verräther an ihm und an Dir zu werden , sondern weil ich fühlte , daß mir Dein Glück theurer war , als Alles , und daß der , welchen Du liebtest , auch von mir geliebt werden oder von meiner Hand sterben müsse . Sie sind fürchterlich , Oldenburg ! rief Melitta , sich halb vom Stuhle erhebend ; soll denn nicht der geheimste Winkel meines Herzens vor Ihnen verborgen bleiben ? Ich bin nicht fürchterlich , sagte der Baron ; ich bin nur unbequem ; das ist das Recht des Freundes . Glaube nicht , daß ich mich auf krummem Wege in Dein Geheimniß gestohlen habe ! Ich habe nur die Augen nicht geschlossen , das ist Alles . Oder glaubst Du , man lerne nicht zuletzt die leiseste Regung in einem Gesicht verstehen , das man stets im Wachen und ach , wie oft im Traume ! vor sich sieht ? Und dann , wenn man die Hoffnung , je geliebt zu werden , aufgegeben hat , so will man wenigstens die Ueberzeugung haben , daß derjenige , welchem dieses Glück zu Theil wird , auch kein Unwürdiger ist . Oldenburg ! Er ist kein Unwürdiger , aber - ich bin Dein Freund , Melitta ! Deiner würdig ist er nicht . Er hat viele große und schöne Eigenschaften , ich weiß es wohl ; aber sein Charakter ist noch nicht im dreimal heiligen Feuer des Unglücks gestählt , und so weiß er auch das Glück noch nicht zu schätzen . Er hat eine unendliche Empfänglichkeit für Alles , was schön und anmuthig ist , und deshalb betet er Dich an ; aber , weil er seiner Natur nach eben für Alles empfänglich ist , wird es ihm unendlich schwer , nicht über dem Anmuthigeren und Schöneren das Schöne und Anmuthige zu vergessen ; das heißt : treu zu sein . Er ist ein Dichter , und des Dichters Liebe ist das Ideal . Er wird das köstlichste Gefäß bei Seite schieben , weil sein feines Auge doch irgendwo einen Flecken daran bemerkt hat ; er wird Alles , was ihm die Erde bietet , gierig ergreifen und verächtlich wieder fortwerfen , weil es eben irdisch , weil es , und wäre es noch so himmlisch , doch immer mit einem Erdenrest behaftet ist . Sie sagen mir nichts , Oldenburg , was ich mir nicht schon hundert und tausendmal selbst gesagt hätte . Ich weiß es . Die Beurtheilung solcher Naturen kann Ihnen nicht schwer werden , denn auch Sie sind diesem Dämon unterthan . Aber Sie sind ein Weib , und über Euch hat der Dämon nicht , wie über uns , unbedingte Gewalt . Ihr , und wenn ihr Euch auch noch so sehr sträubt , laßt Euch zuletzt doch in der Liebe Fesseln schlagen und seid stolz auf diese Fesseln ; der Mann , und wenn er im Anfang noch so sehr mit dem neuen Schmucke prunkt , schleudert ihn zuletzt doch von sich . Und so wird es geschehen . Nein , nein ! Ja , Melitta ; es wird geschehen und das ist das Unglück , das ich über Deinem theuren Haupte wie eine finstre Wetterwolke schweben sah . Glaube es mir , der Schlag wird über kurz oder lang auf Dich niederschmettern , und wenn Du dann zerschmettert am Boden liegst und nicht mehr leben magst und doch nicht sterben kannst - dann , Melitta , dann vielleicht wirst Du die Qualen begreifen , die ich erduldet ; dann wirst Du mir im