es nicht ein Vierteljahrhundert jünger war ! « » Signora , « sagte Lelio ernst , » dies verstehen Sie wirklich nicht . « » Und weshalb nicht , Signor Lelio ? « » Weil sich die Welt nach der Ordnung der Gnade Ihnen noch nicht erschlossen hat . « » Und was ist das für eine neue mystische Weltordnung , Signor Lelio ? « » Es ist die , in welcher die Liebe zu dem gekreuzigten Gott der Offenbarung des Menschen höchstes Gesetz und heiligste Richtschnur ist . Es ist die , in welcher der Mensch , erlöst von der Wucht seines Ichs und von dessen unerträglicher Sklaverei , in den freiwilligen Dienst der göttlichen Liebe tritt und dadurch ein Werkzeug Gottes wird . « » Und für ein solches halten Sie Ihre Unbekannte ? « » Allerdings , Signora . In der Gnadenwelt sind höhere Kräfte tätig , als in der natürlichen Welt , darum üben sie auch einen höheren Einfluß . Lebt und webt eine Seele in der Gnade , so gehen auch Gnadenwirkungen von ihr aus . Die höchste ist : eine Seele zu retten . Die Unbekannte hat den Grund zur Rettung meiner Seele gelegt ; aber so recht wie ein unscheinbares Werkzeug Gottes : sie wußte es nicht , sie wollte es nicht . Sie übte nur einen kleinen Akt von Demut und Liebe - so klein , daß die Weisheit der Welt ihn nur beachtet , um ihn zu verachten ; aber er war gottgefällig und darum folgte göttlicher Segen ihm nach . Ahnungslos hat sie meinem verhärteten Herzen den ersten Ruck zu seiner Bekehrung gegeben . Gottes Barmherzigkeit tat das Weitere . Jetzt muß ich das Meine tun . « » Was wird das sein ! « rief Judith erwartungsvoll . » Nicht wahr , den Montblanc in den Leman stürzen - oder eine neue Sonne entdecken - oder einen neuen Weltteil erobern - darauf sind Sie gefaßt ? Nein , teure Judith ! ich gehe schlecht und recht zu meinen Eltern zurück , bitte sie um Verzeihung , daß ich so viele lange Jahre so bitter sie betrübt habe , und suche fortan ein guter Sohn zu sein , mit der festen Überzeugung , daß die wahre Befreiung Italiens sehr gefördert wird , wenn ein Italianissimo daran geht , sich vom Unglauben und von der eng damit zusammenhängenden hochmütigen Selbstsucht zu befreien . « » Wie , Lelio ! Sie verlassen mich ? « fragte Judith traurig . » Stabat mater , teure Judith ! Auch meine Mutter steht unter ihrem Kreuz und weint ! - ach ! um ihren verlorenen Sohn . Was wären Entschlüsse , wenn wir sie nur faßten , um unserem aufgeregten Gefühl eine momentane Befriedigung zu geben , und wenn sie mit unserer Erregung verschwinden würden ! Nein ! heute noch reise ich nach Rom ab . « » Unmöglich ! Sie wissen , wie unentbehrlich Sie mir sind ! « » Ich weiß , daß Sie einen Musiker brauchen , ja ! - doch hier nicht , denn hier ruhen Sie aus von Musik . Singen Sie dem Fürsten X. , dem Marquis Y. , dem Lord Z. die Skala vor , so brauchen Sie niemand zum Akkompagnement und die Herren sind ebenso entzückt , als hätten Sie die Casta dia gesungen . Überdas kommen Sie ja auch bald und für den Winter nach Rom . Da hoffe ich Ihnen einen brauchbaren Musiker aufgefunden zu haben . « » Also auch in Rom wollen Sie nicht mit mir zusammen bleiben ? Hindere denn ich Sie daran , ein guter Sohn zu sein ? Oder überlassen Sie mich meiner Verdammung , nachdem Sie sich gerettet haben ? « » Ich muß meine Seele retten , nicht die Ihre ! das überlasse ich vollkommneren Menschen . Was aber Ihre Verdammung betrifft , so hoffe ich genau das Gegenteil ! ich hoffe , daß Ihnen hienieden das Gnadenleben - und droben die ewige Herrlichkeit zu Teil wird . « » Werden Sie für mich beten , Lelio ? « fragte sie und reichte ihm die Hand . Er drückte sie herzlich und rief : » Gewiß ! ich - und Bessere als ich ! « » Nun , so beten Sie für mich , daß ich zu meinem Ziel komme und Gräfin Windeck werde . « Lelio schleuderte ihre Hand fort und sprang zurück , als habe ihn eine Natter gestochen , und rief heftig : » Wissen Sie denn nicht , daß der Mann verheiratet ist . « » Ja , sehr unglücklich . « » Unglücklich oder glücklich , das gilt gleich ! Sie werden doch nicht in ein Serail gehen wollen ? « » Signor Lelio , ich bitte , mäßigen Sie Ihre Ausdrücke . Ich will Graf Windeck ' s rechtmäßige Frau werden . « » Ganz richtig , Signora ! dem Muhamedaner sind vier rechtmäßige Frauen erlaubt ; Sie müssen sich also mitsamt Graf Windeck zum Islam bekennen , wenn Sie ihn heiraten wollen - denn eine rechtmäßige Frau hat er bereits . « » Haben Sie denn nie gehört , daß man unglückliche Ehen auflöst , um eine glücklichere zu schließen ? « » Judith , Sie wissen nicht , was Sie sagen - nicht , was Sie anstiften ! « rief Lelio mit dem Ausbruch tiefsten Schmerzes . » Ich ahnte wohl die Leidenschaft des Grafen für Sie , doch nicht diese Wendung . O erbarmen Sie sich des Unglücklichen und treiben Sie ihn nicht zum Äußersten ! Er kann Sie nur dann heiraten , wenn er abfällt vom Glauben und in eine Sekte außerhalb der Kirche , kalvinische , lutherische , evangelische - was weiß ich , wie sie sich nennen ! eintritt - und Sie , Judith , mit ihm . « » Wozu die enormen Anstalten , Lelio ! Bleibe er doch katholisch , wenn er es ist , der arme Orest . Daß ich getauft sein muß