wisse . Der Beutel aber war das gefährlichste corpus delicti . Herr Martin Ketzel erklärte auf späteres Befragen , daß er diesen Beutel noch am Abend des Nachtmahls in der Propstei bei Herrn Scheurl gesehen - die Herren hatten gespielt , was freilich nicht mit zu Protokoll genommen ward , denn schon hatte der immer auf Alles sorgfältig bedachte Rath gewisse Beschränkungen , das Kartenspiel betreffend , erlassen , das , obwohl noch nicht lange erfunden , doch bereits in bedenklicher Weise einzureißen drohte , aber die » Genannten « kehrten sich selten selbst an die von ihnen erlassenen Verbote : - der Beutel konnte also erst nach Scheurl ' s Heimgange in Katharina ' s Hände gekommen sein . Als man Katharina dies in einem spätern Verhör vorhielt , verwickelte sie sich in neue Widersprüche . Diese zu beseitigen , hielt man damals die Tortur für das wirksamste Hülfsmittel . Katharina hielt nur den ersten Grad der gräßlichen Marter aus , dann errang sie sich Erlösung von dem schrecklichen Instrument mit dem Jammerruf der Verzweiflung : » Ich will bekennen ! « Aber damit trachteten nur die unglücklichen Opfer unmenschlicher Grausamkeit sich zu entziehen . Als Katharina sich wieder frei von den Eisenstangen und Schrauben fühlte , die ihre Glieder zu zerreißen drohten , fürchtete sie gleichwohl noch eben so sehr als vorher die Wahrheit zu bekennen , und um nur etwas Neues zu sagen , sagte sie eine neue Unwahrheit . Sie erklärte , daß sie allerdings in jener verhängnißvollen Nacht den Herrn Scheurl habe nach Hause kommen hören , und daß sie dann später noch in das Schlafzimmer seiner Gemahlin gerufen worden . Hier habe ihr diese den Beutel mit dem Gold gegeben und gesagt , sie solle morgen wieder abziehen und dafür dieses Geld erhalten , wenn sie sich dem füge , ohne weiter etwas zu sagen , auch nicht daß sie noch diese Nacht mit ihr gesprochen . Sie , Katharina , habe gemeint , dies sei aus Eifersucht der Herrin geschehen , und habe sich gefügt . Am Morgen , eben da sie ihr Bündel habe schnürren wollen , sei das Schreckliche geschehen , und man habe sie um dieses falschen Scheines Willen verhaftet . Wenn etwas hiervon sich als wahr erwies , so bekam die Sache eine andere Wendung und der Verdacht fiel auf Elisabeth - jetzt gerade um so mehr , als Katharina gar nicht versuchte ihn auf diese zu werfen , sondern sich auch dabei ganz unschuldig und unbefangen stellte - in der That auch so suchte ihr eigenes Gewissen zu beruhigen ; denn Katharina gehörte eben noch nicht zu den schlechtesten Creaturen und dachte nur an Selbsterhaltung . So lange als möglich wollte sie diese versuchen , ehe sie ein anderes Wesen für sich büßen ließe . Auch hoffte sie , die angesehene Patrizierin werde vor dem Rath von Nürnberg einen bessern Stand haben , als die fremde Regensburgerin . Jedenfalls machte diese Aussage doch ein Verhör Elisabeth ' s nöthig , Katharina gewann Zeit , und was in solcher Lage Alles galt : sie hatte ein paar Tage Ruhe vor der entsetzlichen Folter und ihre geschundenen Arme und Hände konnten sich wieder ein wenig erholen . Neuntes Capitel Die freien Maurer Am Tage , nach dem Ulrich am Sterbebett seiner Mutter gewesen , war er mit Hieronymus der erste vor der Bauhütte ; bald darauf kam der Pallirer dieselbe zu öffnen , aber es fehlte fast noch eine halbe Stunde an der bestimmten Zeit . Ulrich sah aus wie nach einer durchwachten Nacht und seine Augen glänzten doppelt schwärmerisch als gewöhnlich . » Fehlt Dir etwas ? « sagte Hieronymus theilnehmend ; » Du bist so früh gekommen ? « » Weil ich nicht weiß , wie lange ich noch kommen werde ! « antwortete Ulrich wehmüthig . » Du gehörst hier immer mit zu den Ersten , es freut mich , daß Du es auch heute bist - es drängt mich noch mit Dir zu reden . « » Du bist so feierlich ! « sagte Hieronymus ; » mir ließ es auch keine Ruhe heute Dich zu sehen - das Geschick der Scheurlin beunruhigt Dich doch wohl , auch wenn es nur Mitleid ist . « » Nein , « sagte Ulrich fest , » das ist es nicht - sie ist nicht schuldig . « Hieronymus schüttelte verdrüßlich den Kopf : » Wenn ich nicht Dein Freund wäre und Dir mehr vertraute als den Reden der Leute , so könnte ich bei dieser Behauptung Dich doch in demselben Verdacht haben wie meine Mutter - « » In welchem ? « fragte Ulrich , da Hieronymus stockte , und sah ihn fest und flammend an . » Daß es dieses Weib Dir angethan ! « sagte Hieronymus , und schlug doch die Augen nieder , weil er sich dieser Aeußerung schämte . Ulrich lächelte : » Ihr könnt Recht haben im gewissen Sinne , nur nicht etwa in dem , der jetzt die Gemüther verwirren will mit dem Glauben an Hexen und Zauberspuk . Aber warst Du nicht der erste , der mir diese Elisabeth zeigte , nicht nur als das schönste , sondern als das aufgeklärteste Weib von Nürnberg ? Und war es nicht in demselben Augenblick , als ich die Rose wegwarf , die aus ihrer Hand mich getroffen ? Hab ' ich sie nicht gemieden wie jedes Weib , hat sie nicht dasselbe mir gethan und hat nicht Deine Mutter gleich Dir sie gerade darum gescholten , weil sie dadurch undankbar erschien ? Ob eben durch dies Schelten , durch diesen ungerechten Verdacht , ob durch ihre Schönheit oder durch Alles , was ich von ihr sah und hörte , durch die Zeichen ihrer Geisteshoheit , die nur in einzelnen Zügen und Worten sich mir offenbarten - ich weiß es nicht : aber ich habe durch sie erst eine Ahnung bekommen von der Macht und Größe des Weibes - durch sie erst gefühlt ,