diese Dichtungen aus einer vergangenen Zeit stammten , die nichts mit den Tageserzeugnissen gemein hatte , da die Fürstin sich in ihren jetzigen Jahren mit diesen Dingen nicht beschäftigte , und die Zeit schon ziemlich weit hinter ihr lag , in der sie Kenntnis von solchen Werken genommen hatte : so wurde beschlossen , wieder das eine oder das andere vorzunehmen und es gemeinschaftlich zu genießen . Das geschah an Abenden , und ich mußte oft die Pflicht des Vorlesers übernehmen , besonders wenn die Gesellschaft nicht zahlreich war , was sich gerne an Abenden ereignete , in denen Dichtungen vorgenommen wurden . In diese Pflicht geriet ich bei Gelegenheit der Vornahme einiger spanischen Romanzen . Die Fürstin , die Gesellschafterin , ich und noch ein Mann , welcher zugegen war , verstanden schlecht spanisch ; doch war beschlossen worden , die Romanzen in spanischer Sprache zu lesen . Das Vorlesen wurde mir aufgetragen , und wie schlecht oder gut es ging , wir verstanden doch mit eingemischten Erklärungen und mit gelegentlichen Gesprächen in unserer Muttersprache zuletzt die Romanzen . Nach diesem Vorgange mußte ich nun auch öfter in deutscher Sprache vorlesen , und es geschah nicht selten , daß ich um meine Meinung über Teile des Gelesenen befragt wurde , und daß man eine Erklärung verlangte . Dies wurde um so mehr der Fall , als wir uns auch über Abteilungen aus Cervantes und Calderon wagten . In andern Sprachen , besonders im Italienischen des Dante und Tasso , las sehr gerne die Gesellschafterin der Fürstin . Das Alte aus dem Griechischen es wurde nur die Ilias und Odysseus , dann einiges aus Äschylos vorgenommen - mußte ich ganz allein in deutscher Übersetzung vorlesen . Es wurde da auch sehr viel über das uralte gesellschaftliche Leben der Griechen , über ihre häuslichen Einrichtungen , über ihren Staat , ihre Kunst und über die Gestalt und Beschaffenheit ihres Landes und ihrer Meere gesprochen . Ich wurde zu diesen Beschäftigungen in diesem Winter weit öfter zu der Fürstin eingeladen , als es früher der Fall gewesen war . Der Frühling und die Zeit , in welcher man wieder den Landaufenthalt zu suchen pflegt , kam uns zu früh , wir verabredeten noch , was wir in dem nächsten Winter vorzunehmen gedächten , und die Fürstin beurlaubte mich mit vieler und sehr gewinnender Freundlichkeit . Die Beschäftigungen im Kreise unserer Familie bestanden jetzt in sehr häufigen Gesprächen zwischen dem Vater und mir über die Kunst und über Bücher . Er erzählte mir , wie er dazu gekommen wäre , Bilder lieb zu gewinnen und sich Bilder zu sammeln . Er kam hiebei auf seine Jugend , und da er in einer freudigeren und erregteren Stimmung war als sonst , so erzählte er mir ausführlich , wie er dieselbe verlebt habe . Er stellte mir dar , wie er sich die Mittel , um etwas lernen zu können , selber habe verschaffen müssen , und wie ihm sein älterer Bruder , der ein sehr begabter Mensch gewesen wäre , hierin zwar ein wenig , aber in der Tat sehr wenig habe beistehen können , weil er sich selbst alles habe herbei schaffen müssen und nur um wenige Jahre älter gewesen sei . Nach Anweisung vernünftiger Menschen habe er zu lesen begonnen , und manchen freien Tag in seiner Lehrzeit habe er in seiner Kammer bei den Büchern zugebracht . Er habe , da er frei wurde und teils in unserer Stadt , teils in den ersten Handelsplätzen Europas Dienste tat , die Bekanntschaft von Künstlern gemacht , habe sie in ihren Arbeitsstuben besucht , habe über die Art zu malen sich Kenntnisse gesammelt , und sei mit diesen Kenntnissen in die berühmtesten Bildersammlungen der größten Städte gegangen . Hiebei sei es ihm widerfahren , daß er zweimal im Lernen habe von vorne anfangen müssen . So sei es ihm in Rom , wohin er sich von Triest aus begeben hatte , um dort ein halbes Jahr für sich selber zu leben , klar geworden , daß er gar nichts wisse . Er habe wieder unverdrossen angefangen , und von Rom schreibe sich seine Liebe für alte Bilder her . Sein Bruder habe den Weg durch die Staatsschulen gemacht , und da er ihn sehr liebte , habe er von ihm auch die Liebe zu den alten Sprachen angenommen . In seinen Diensten habe er mehr freie Zeit gehabt , als da er noch lernte , und diese Zeit habe er zu seinen Lieblingsneigungen angewendet . Mit einem alten Abte , der die Verwaltung seines Klosters abgegeben hatte und seine würdevolle Muße , wie er sich ausdrückte , im Winter in unserer Stadt genoß , habe er alte Dichter und Geschichtschreiber gelesen . Der Abt sei ein großer Freund der alten Schriften gewesen , habe bei ihm Neigung zu diesen Dingen entdeckt , und sei ihm mit seinen Kenntnissen beigestanden . Er habe sehr oft im Zimmer des Abtes laut aus den sogenannten Klassikern lesen müssen . Die Bekanntschaft desselben habe er bei seinem Dienstherrn in unserer Stadt gemacht , in dessen Hause dem Abte , der einst Lehrer dieses Dienstherrn gewesen sei , jährlich ein oder zwei Male ein Fest gegeben wurde . Der Dienstherr , der letzte , bei dem sich mein Vater befunden , sei ein Ehrenmann gewesen , der seinen Leuten nicht nur Gelegenheit verschafft habe , etwas lernen zu können , indem er sie zu den vorkommenden Reisen benützte , auf denen sie Geschäftsfreunde , Handelsverbindungen , Verkehrswege und dergleichen kennen lernten , sondern der ihnen auch Zeit gönnte , selber , wenn sie nicht die Mittel zu großen Geschäftsanlagen besaßen , mit kleinen Anfängen zu größeren Unternehmungen und zu endlicher Selbstständigkeit schreiten zu können . So habe auch der Vater mit kleinen Ersparnissen begonnen , habe sich aus gedehnt , und sei endlich , da die Anfänge unter den Flügeln seines Herrn geschehen seien , mit dessen Unterstützung ein selbstständiger Kaufmann geworden . Was er zu Vergnügungen hätte