Kopf bis zu Fuß schwarz gekleidet und trugen , während jene ein buntes Tuch um den Kopf geschlungen hatte , breitrandige Strohhüte von geschmackvoller Form , die ihnen ein freies , kühnes Aussehen gaben . Die ältere sah gar nicht wie eine Zigeunerin aus , sie hatte hellbraune Haare und ein Gesicht wie Milch und Blut , aus welchem ein Paar hellgraue Augen keck und lustig hervorblitzten ; über ihrer vollen Brust wogte eine silberne Kette auf und ab , und ihre Finger strotzten von Ringen . Die jüngere , die ihr Bruder Katharina geheißen , war ohne allen Schmuck , bis auf ein brennend rotes Halstuch , das der Farbe ihres Gesichts und Halses verführerisch zu Hilfe kam ; denn wenn sie auch so wenig wie ihre Schwester einer Zigeunerin gleich sah , so ließ doch ihre Färbung den zigeunerischen Ursprung verraten ; sie hatte dunkelbraune Haare , und ihre Haut stach von dem hellen Aussehen ihrer Schwester mächtig ab , war aber ebensoweit entfernt von jener schmutzigen Hautfarbe , die ihre Mutter und ihren Bruder unverkennbar zu Zigeunern stempelte , sondern näherte sich dem reinen Braun des Erzes , so daß das Blut lebenswarm , gleichsam von der Farbe des Halstuches angelockt , durch die Haut hindurchschimmerte . Beide Schwestern waren von Gestalt untadelhaft . Auf den ersten Blick schien die ältere , solange sie durch ihr entgegenkommendes Lächeln bezaubern konnte , die schönere zu sein ; bald aber mußten einem unverdorbenen Blicke ihre Augen , die sie unnötig zu erweitern suchte , zu grell erscheinen , und das ewige Lächeln , das ihren Mund ins Breite zog , fand ebenfalls bald seine Erklärung : er war von Natur etwas zu groß , und um dies zu verbergen , liebte sie die Zähne zu zeigen , die freilich so blendend weiß waren , daß man ihr das Auskunftsmittel nicht verargen konnte . Die Mutter war eine alte häßliche Zigeunerin mit unheimlich blitzenden Augen , einer vorspringenden Nase , die das ganze Gesicht aufwog , und einem zahnlosen , von tiefen Furchen umgebenen Munde darunter . Die drei ungleichen Kinder , die sie ihre Mutter nannten , ein echter Zigeuner , eine völlige deutsche und eine Halbzigeunerin , konnten unmöglich von einem und demselben Vater stammen . » Es ist uns eine große Ehre , den Herrn Sonnenwirt bei uns zu sehen « , sagte die Alte , indem sie die Vorstellungsfeierlichkeit erwiderte , » wir haben so mächtige Dinge von Ihnen gehört , daß wir uns über Ihren Besuch sehr glücklich schätzen müssen ; und ich wünsche nur , daß es dem Herrn Sonnenwirt bei uns recht lang gefallen möchte . « » Bitt Ihnen ! « stammelte der Gast verlegen und bescheidentlich . » Ich bin nicht Sonnenwirt . Mein Vater ist immer noch auf der Wirtschaft . Man hat mich in meinem Ort eben den Sonnenwirtle geheißen , wie man des Anwalts Sohn den Anwältle heißt , und wie man des Amtmanns seinen , wenn der nämlich einen hätt , den Amtmändle heißen würde . Weiter ist ' s nichts . « Alle lächelten , und selbst der rauhe Schwamenjackel verzog den Mund ein wenig . » Nun sitz dich endlich , Bruder Sonnenwirt ! « sagte der Zigeuner lachend . » Wir sind freie Leute ; was kümmern uns Rang und Titel in dieser einfältigen Welt ! Wenn ' s dir aber nicht genehm ist , deines Vaters Titel zu führen , nach dem du freilich kein großes Verlangen verspüren wirst , so wollen wir dir seinen Namen geben . Reicht dem Friedrich Schwan die Hände , Mädels , und das mit Respekt , und nun wieder zu unserm Geschäft ! « Die beiden Mädchen nebst der Mutter gaben dem Gast die Hände , wobei die ältere Schwester ein warmes Fingerspiel mit unterlaufen ließ , die jüngere aber sich auf einen kurzen Handschlag ohne irgendeinen Druck beschränkte . Er wurde zwischen die beiden Schönen gesetzt , und die Mahlzeit nahm ihren Fortgang , wobei ein köstlicher Wein aus einem Fäßchen , dessen Handhabung Bettelmelcher übernommen hatte , fleißig die Runde machte . Friedrich konnte dem Reiz der Speise und des Getränkes nicht widerstehen und entschuldigte seine durch lange Entbehrung gesteigerte Begierde mit einer auf dem Anstande durchwachten Nacht . Man sprach ihm eifrig zu , und die beiden Mädchen wetteiferten , ihn zu bedienen , wobei die ältere ihn durch Schnelligkeit zu gewinnen suchte , die jüngere aber ihm seltener , jedoch ausgewähltere Bissen vorlegte . Mit Wein versah ihn die ältere aufs reichlichste , und bald kreiste das Blut rascher durch seine Adern ; die jüngere reichte ihm nur dann das Glas , wenn es längere Zeit nicht an ihn gekommen war und die ältere ihren Dienst im Schwatzen vergessen hatte . Die Mahlzeit ging in munteren Gesprächen hin , die sich großenteils auf ihn selbst bezogen und in welchen er bald mit gröberen , bald mit feineren Schmeicheleien überhäuft wurde . Selbst seine Büchse wurde gelobt , und er glaubte zum erstenmal in einer Welt zu sein , die alles an ihm vortrefflich fand . In diesem behaglichen Zustande störte ihn nichts als das Benehmen der älteren Schwester Margareta , das er auf die Länge auffallend zudringlich fand : sie setzte ihm mit mehr als herausfordernden Blicken und Reden zu und wußte sich dabei auf eine Weise an ihn anzuschmiegen , die ihn zugleich abstieß und doch entzündete . Dies hatte zur Folge , daß er das Feuer , das sie in ihm anfachte , mehr und mehr ihrer jüngeren Schwester zuwendete , die nicht bloß durch ihre Zurückhaltung gewann , sondern bei längerem Anschauen nach und nach eine Schönheit entfaltete , welche das Auge zu immer häufiger wiederholten Besuchen einlud . Diese Schönheit bot weit mehr ein Ganzes dar als die zusammengesetzten Reize ihrer buhlerischen Schwester . Auch konnte der strenge Ernst , der in dem dunklen Gesichte mit der geraden wohlgebauten Nase vorzuherrschen schien , einem warmen Lächeln weichen , die