blasses Gesicht , das ersterbende Auge schien in Drohung zu funkeln , zwischen den Brauen faltete sich die Stirn und die keuchende Brust sandte harte , heftige Worte , dem Arzt unverständlich , wie die ganze Unterredung , über die zuckenden Lippen . Die Sclavin beugte das Haupt , große Thränen rollten aus ihren Augen und sie faltete im stummen Gehorsam die Hände über die Brust . Als nun Welland herantrat und leise verkündete , daß der Weg zum Versuch der Flucht geöffnet sei , stürzte die Schwarze nochmals am Lager ihrer Herrin nieder und bedeckte ihren Leib und ihr Antlitz mit Küssen . Dann - die Hände noch ein Mal flehend gegen den Arzt ausstreckend und auf die Kranke deutend , verschwand sie in dem dunklen Gemach . Welland sah sie einer Schlange gleich durch die Oeffnung des Fensters schlüpfen und verschwinden . Athemlos horchte er auf jedes Geräusch , - nur der Schlag seines eigenen Herzens ängstigte ihn , - die Flucht schien gelungen ! Als er , um den Verdacht so lange wie möglich aufzuhalten , den Teppich des Vorhanges wieder möglichst geschlossen und zurück sah auf die Kranke , schien eine tiefe verklärende Freude sich über ihr Gesicht ergossen zu haben . Ihr Mund flehte leise zu ihm auf : Beten ! Der Mann , der seit Kurzem Gefahr und Tod in krassen Zügen um sich gesehen , der der blutigen Bestimmung des Krieges entgegen ging , sank an dem Lager des mißhandelten sterbenden Mädchens , - das er zum ersten Male im Leben sah , - in die Knie , und leise murmelnd strömten über seine Lippen die Gebete der Kindheit . Wie lange hatte er nicht gebetet , wie lange hatte der Dämon des Zweifels und der stolzen Freigeisterei seinen Sinn in Fesseln geschlagen , ärger als der krasseste Aberglaube ! O , wie wohl that es ihm jetzt , glauben und beten zu können so recht aus vollem Herzensgrunde für ein vergehendes Leben , am Sterbelager der fremden Odaliske . Er sah , wie über ihr Antlitz die Schatten des Todes bleicher und bleicher zogen , - er sah das ersterbende Auge sich umfloren mit den ewigen Geheimnissen des Jenseits . Mit einer letzten Anstrengung hob sie die unverletzte Hand gegen ihn empor , streifte einen Ring von ihrem Finger und preßte ihn krampfhaft in die seinen - eine Gabe der Erinnerung . Er fühlte den Puls des Lebens schwächer und schwächer sich verlieren - immer weiter zum Herzen hin - und faltete seine Hände über den ihren . Dann hob sich die Brust noch ein Mal hoch , über die Lippen quoll im Todesseufzer der Name Abdul , des Großherrn Name , der im Arm einer andern Odaliske ruhte , und das schwarze Auge verging glasig und kalt in der Erstarrung des Todes . Mariam hatte geendet ! Lange noch betete der fremde Arzt an ihrem Lager ; dann bedeckte er das Gesicht der Todten mit dem Teppich und schritt ruhig und entschlossen , um das eigene Schicksal unbekümmert , nach der Thür . Auf sein Klopfen öffnete der Wache haltende Eunuch und vom Divan taumelte ihm sein vornehmer Führer entgegen . » Was bringen Sie uns für Nachricht ? « » Sehen Sie selbst Ihr Werk , mein Herr . Die Dulderin da drinnen hat ein Höherer , den Sie Allah , den wir Gott nennen , jeder weiteren Qual entzogen . Das Mädchen ist todt . « Der Minister trat bleich und erschrocken zurück . » Inshallah ! Es war Gottes Wille ! Kommen Sie . « Er wandte sich mit leichtem Schauder von der Thür ab und winkte dem Arzt , ihm zu folgen . Mit der Ruhe des guten Gewissens , aber Verderben und verrätherische Opferung in jedem Augenblick erwartend , folgte ihm Welland stumm durch das Vorgemach , von wo auf den Wink des Effendi zwei Schwarze ihnen voranschritten und sie durch mehrere Gänge und über Terrassen und Höfe geleiteten , bis der Deutsche sich in dem großen ersten Hof des Serails wiederfand , in den von der Stadtseite der Pavillon oder die Pforte führt , von der das Reich den Namen hat , Tag und Nacht von fünfzig Kapidschi ' s bewacht . Hier blieb der Effendi stehen und reichte dem Arzt einen schweren Beutel . » Nehmen Sie , « sagte er , » und schweigen Sie wie das Grab , das Jene bedecken wird . Die Kapidschi ' s werden Sie bis zur Brücke geleiten , - Allah behüte Sie . « Der Arzt wies mit einer ernsten Geberde das Geschenk zurück , um keinen Preis hätte er das Blutgeld angerührt . Dann eilte er rasch durch das Thor , die Begleitung der Kapidschi ' s von sich weisend , und in die noch belebten Straßen . Seine Gedanken waren unwillkürlich auf die Flucht der Mohrin gerichtet und ob sie gelungen . Als er seine Wohnung erreichte , war es nahe an Mitternacht . Nach einer Nacht voll wilder Träume erwachte Welland ziemlich spät , und die schrecklichen Erinnerungen , die seine Seele belasteten , mit Gewalt von sich schüttelnd , machte er sich eben bereit , auszugehen und seinen Freund aufzusuchen , als Baron Oelsner bei ihm eintrat . Derselbe schien etwas echauffirt , suchte aber einen scherzenden Ton anzustimmen . » Was lange währt , wird gut , Doctor , « sagte er lustig ; » ich bringe gute Nachrichten , eben komme ich aus dem Seraskiat und habe diese Depesche für Sie mitgenommen . « - Er warf dieselbe auf den Tisch . - » Rathen Sie , wohin Ihre Bestimmung lautet ? « Welland griff hastig danach . » Man ließ mich hoffen nach dem Hauptquartier ? « » Falsch gerathen . Sie sind zum Oberarzt in Silistria bestimmt , und ich freue mich , daß - ich darf es sagen - meine Bemühungen für die Realisation Ihrer Wünsche nicht ohne Einfluß gewesen sind . « Der Doctor hatte während