fing an zu regnen . Man schlug hinten wol die Wägen auf , aber nach vorn blieben die Herren ungeschützt und mußten sich mit Regenschirmen behelfen . Das gab nun eine unerquickliche Fahrt . Man lachte zwar , aber nur um sein Unbehagen nicht zu ernst auszulassen . Melanie und die Mutter hüllten sich in Mäntel . Jene band sogar einen Schleier über den Hut und verbarg sich in einer Wagenecke wie eine verhüllte Nonne , sich ganz ihren Betrachtungen überlassend . Nur zuweilen blitzten die großen braunen Augen zu Dankmarn hinüber , wenn er gerade nachdenklich in den Wald starrte oder zu den immer dichter heranziehenden Wolken aufsah . Die Kutscher peitschten zur Eile ... Dankmarn waren trotz des strömenden Regens alle Stellen erinnerlich , wo er vor wenig Tagen mit dem jungen Prinzen , für den er hier selbst gehalten wurde , in nähere Berührung gekommen war und seine Gedanken mit einem Manne ausgetauscht hatte , der kein Tischler sein konnte . Was lag da nicht Alles auf seiner belasteten Seele ! ... Um sechs Uhr war man im Heidekrug . Er erkannte den lustigen jetzt aber nüchternen und verdrießlichen Hausknecht Dietrich und die rührsame unpolitische Liese , deren Rechnung Hackerten noch in schlimme Händel bringen konnte . Aber zu lange konnte er kaum beim Vergangenen verweilen ; denn Alles , was ihn an Schlurck , den Heidekrüger , die Wahlen und den Wagen , der hier mit seinem wiedergefundenen Verluste , den alten Papieren des Tempelhauses in Angerode , gestanden hatte , erinnerte , verdrängte jetzt die Überzeugung , daß sie hier wirklich den Geheimrath von Harder eingeholt hatten . Da stand sein Landau , vom Regen triefend , da war der Möbelwagen , die Arche Noäh , wie sie jetzt von Melanie genannt wurde ; da sah er am Stalle die beiden Gendarmen und die Leute des Intendanten , die von da aus den mit einer eisernen Stange verschlossenen Wagen streng behüteten ..... Wie sich Alles sammelte , über das Wetter klagte , Zimmer , Speisen verlangte , wie die Hunde an den Ketten rissen , Bello kläffte , Einer da , der Andre dorthin sich verlor , war Das ein Durcheinander zum Einbüßen aller Besinnung . Melanie flüsterte Dankmarn , als er in das Zimmer trat , das ihm die Liese für diese Nacht anwies , die kurzen aber bedeutungsvollen Worte zu : Wie und wo das Bild herkommen soll , weiß ich noch nicht ! Aber Sie haben es bis morgen ! Dankmar wollte etwas Verbindliches erwidern . Sie schnitt seine Worte ab und sagte nur : Lassen Sie , da ich nicht weiß , wie ich Ihnen das Bild zustellen kann , die Nacht über die Thür Ihres Zimmers offen ! Hören Sie ? Damit verschwand sie und überließ Dankmarn dem Erstaunen über Etwas , was ihm völlig unmöglich schien . Er öffnete das Fenster des kleinen dumpfen Zimmers , um trotz des Regens frische Luft zu gewinnen . Es war ihm nicht lieb , daß er diese Kammer als jene erkannte , in welche man Hackerten geführt hatte , als man ihm nicht sagen wollte , daß er im Schlafe wandelte . Das Heu , das damals von Hackert aus dem Stalle mitgebracht wurde , lag nicht mehr im Zimmer . Dafür war der Heidekrug zu reinlich gehalten . Aber die Erinnerung war da und die erschreckte ihn doch mächtig . Den Abend über ging es nun verworren genug in diesem Hause und auf dem Hofe zu . Die schöne Einheit der Gesellschaft war durch das Wetter und die breite Souverainetät , mit der sich die Excellenz des Wirthshauses und seiner besten Zimmer bemächtigt hatte , gestört . Jeder aß für sich . Die Damen hatten sich ganz zurückgezogen . Der Versuch , nachdem der Regen mit Sonnenuntergang aufgehört hatte , das Freie zu gewinnen , den Garten zu besuchen , in den Wald , an den er grenzte , einen Blick zu werfen , scheiterte an den stehenden Wassern und dem feuchten Grase . Dankmar war überrascht , sich so plötzlich allein zu wissen , kaum noch selbst von Melanie beachtet . Er hörte viel Trepp auf , Trepp ab gehen , sah auch den Geheimrath öfters den Kopf zum Fenster hinausstecken , vernahm auch , daß die Bedienten immer in Bewegung waren . Aber so sehr seine Neugierde durch dies Alles gesteigert werden mußte , so ergab er sich doch völlig ungewiß in das Unabänderliche und überließ es der Zukunft , in das Chaos , das auf seine Brust gewälzt war , Licht zu bringen und seine Stimmung in heitere leichtere Gefühle aufzulösen . Im Wirthssaale traf er bald mit dem reichen Banquier von Reichmeyer , bald mit dessen Schwager Lasally zusammen . Man berathschlagte über die vorsichtigste Art , zur sichern Entdeckung der Hackert ' schen Frevel zu gelangen . Dankmar , dessen Besorgniß über das von ihm an Lasally abzuliefernde Pferd immer mehr stieg , schloß sich ihrer Entrüstung mit aller Entschiedenheit an und weigerte sich keineswegs , etwa verlangte gerichtliche Zeugnisse abzulegen . Reichmeyer war über Hackert weniger unterrichtet als Lasally . Dieser gestand , als Dankmar von dem krankhaften Zustande des Nachtwandelns sprach , dies bedauerliche Übel des Burschen , wie er ihn nannte , ein , bemerkte aber , die Discretion verböte ihm , über die wahren Ursachen dieses Zustandes ausführlicher zu sprechen . Jedenfalls , sagte er , können Sie überzeugt sein , daß Das ein Mensch ist , der alle Fähigkeiten besitzt , Einem über den Kopf zu wachsen , wenn man ihn nicht zur rechten Zeit mit Füßen tritt . Sie werden doch jedenfalls zugestehen , daß es ein Unglück ist , wenn Spitzbuben große Männer werden ? Deshalb ist die Polizei , das Zuchthaus und im Nothfall jede andere eclatante Beschimpfung da , um die übergroße Üppigkeit solchen Talenten für immer zu vertreiben . Dankmar verstand nicht recht diese gewaltthätigen Äußerungen und fand sie auch zu unbehaglich , um länger über