er , » alles ist mir einerlei , wenn ich hier nur bleiben darf , bis ich darüber sicher bin , daß ich mit meinem verwünschten Schießen keinen Schaden angerichtet habe . Es ist schönes Wetter , und ich werde nicht viel oben zu sein brauchen . « Er war auch wirklich nicht viel oben in seinem Verschlage , sondern mehr unten bei Lisbeth . Er bat sie so oft wegen des Schusses um Verzeihung , daß sie ungeduldig wurde und ihm mit einem Stirnfältchen des Verdrusses , welches ihr allerliebst stand , sagte , er solle das nun sein lassen . Nach fünf Tagen war sie vollkommen geheilt , der Verband konnte abgelegt werden und nur leichte rötliche Pünktchen an der weißen Schulter deuteten noch die Stellen der Verwundung an . Sie blieb im Oberhofe , denn sie war vom Hofschulzen , wie wir wissen , schon früher zur Hochzeit gebeten worden . Diese verspätete sich um einiges , weil die Ausstattung zum bestimmten Tage nicht fertig werden wollte . Der junge Jäger blieb auch , obgleich ihn der Hofschulze nicht einlud . Er lud sich aber selbst zur Hochzeit , indem er eines Tages dem Alten sagte , die Landesgebräuche seien ihm so merkwürdig , daß er sie auch auf einer Hochzeit kennenzulernen wünsche . Er sagte dies , nachdem er schon vielfältig unten bei Lisbeth gewesen war . Und als er es vorbrachte , flammte sein Gesicht und er konnte das Verlangen nach Erweiterung der Kenntnisse nicht so recht ohne zu stocken kundtun . Bald hatte der Jäger zwei Tageszeiten , eine unglückliche und eine glückliche . Die unglückliche war , wenn Lisbeth , und sie tat es alle Tage , am Brautlinnen half . Der Jäger wußte dann gar nicht , was er mit seiner Zeit beginnen sollte . Nun sahen ihn die Bäume des Gartens und die Eichen des Kamps erst recht wie sein Waldmärchen an . Zuweilen blickte er gen Himmel , aber noch öfter zur grünen , schwellenden Erde nieder , die er hin und wieder hätte küssen mögen , so lieb war ihm der Boden geworden , auf dem er gar manches erlebt hatte . Wenn seine Gedanken Worte wurden , so lauteten sie : » Das schöne Mädchen an der schönen Blume - und dann ihr liebes Blut droben am Freistuhl - und nun - und nun - - « Aber das alles füllte ihm die Seele nicht aus . Er bedurfte einer Gesellschaft , freilich war ihm nicht jede recht , denn dem Hofschulzen wich er eher aus , wenn er ihm begegnete . Aber nach der Linnenkammer war er oft unterweges , worin er die Mädchen plaudern hörte und worin Lisbeth still half . Hatte er aber die Klinke in der Hand um aufzudrücken , dann überzog sein Antlitz dunkle Glut , er wandte sich stolz und ging trotzig , wie ein Löwe , die Treppe hinunter , zum Hofe hinaus , weit , weit in das Feld , ohne sich umzusehen . Die glückselige Zeit begann , wenn Lisbeth von ihrer Arbeit ruhte und frische Luft schöpfte . Dann war es gewiß , daß beide zusammentrafen , der Jäger und sie . Und wäre er noch so weit hinten im Gebüsch gewesen , es kam ihm dann vor , als sagte ihm jemand : » Jetzt ist Lisbeth im Freien . « Dann flog er hin , wo er sie vermutete , und siehe , seine Ahnung hatte ihn nicht getäuscht , denn schon von weitem erblickte er die schlanke Gestalt und das liebliche Antlitz . Sie pflegte sich dann wohl seitwärts nach einer Blume zu bücken , als achte sie seiner nicht . Vorher hatte sie freilich nach der Gegend gesehen , woher er kam . Nun gingen sie zusammen durch Feld und Aue , denn er bat sie darum herzlich , daß es ihr wie eine Sünde vorkam , ihm die kleine Bitte abzuschlagen . Und je weiter sie sich vom Hofe in die wallenden Felder , in die grünen Wiesen verloren , desto freier und fröhlicher wurde ihnen zumute . Und wenn die rote sinkende Sonne alles ringsumher und ihre jugendlichen Gestalten mit verklärte , dann meinten sie , es könne ihnen keine Angst und Pein mehr im Leben kommen . Der Jäger tat der Lisbeth auf diesen Gängen alles zu Gefallen , was er ihr nur an den Augen absehen konnte . Wenn sie zufällig nach einem Busche wilder Feldblumen sah , die entfernt vom Wege auf einer hohen Hecke blühten , so hatte er sich auf die Hecke geschwungen , ehe noch der Wunsch nach den Blumen in ihre Seele gekommen war . Und wo der Weg sich etwas abschüssig senkte , oder ein Stein im Wege lag , oder wo es ein geringes Wässerlein zu überschreiten gab , da streckte sich sein Arm ihr stützend und führend entgegen und sie lachte über die unnötige Dienstfertigkeit , und - nahm den Arm dennoch , und ließ ihren noch eine Zeitlang in dem seinigen , auch wo der Weg wieder eben geworden war . Auf diesen stillen und anmutigen Gängen hatten die jungen Seelen einander viel mitzuteilen . Er erzählte ihr von den schwäbischen Bergen , von dem grünen Neckar , von der Alb , vom Murgtale und von dem Berge Hohenstaufen , auf dem das große Kaisergeschlecht entsprossen sei , dessen Taten er ihr auch erzählte . Dann sprach er von der großen Stadt , worin er studiert habe , und von den vielen klugen Leuten , die ihm dort bekannt geworden seien . Und endlich erzählte er ihr von seiner Mutter , wie er diese so zärtlich lieb gehabt habe , und wie es daher wohl kommen möge , daß ihm nachher jede Frau teuer und wert erschienen sei , weil er bei jeder an seine selige Mutter gedacht habe . Die Lisbeth mußte dagegen von ihrem einfachen Leben erzählen . Darin kamen keine großen Städte und keine klugen Leute vor und