hier folgt den Zeilen , die meine Hand an Dich schreibt , in ungemessene Ferne , - denn ach wie fern Du mir bist , das kann ja doch nur Dein Herz entscheiden - dies Auge sah heute nacht in Deinem Auge den Schein des Mondes sich spiegeln . Ich träumte von Dir ; Du träumtest mit mir ; Du sprachst ; ich empfinde noch den Ton Deiner Stimme ; was Du sagtest , weiß ich nicht mehr ; Schmeichelreden waren ' s , denn mit Deinen Reden gingen Schauer von Wollust durch mich . Gott hat alles gemacht , und alles aus Weisheit und alle Weisheit für die Liebe , und doch sagen sie , ein Liebender sei toll ! Weisheit ist die Atmosphäre der Liebe , der Liebende atmet Weisheit , sie ist nicht außer ihm , nein , - sein Atem ist Weisheit , sein Blick , sein Gefühl , und dies bildet seinen Nimbus , der ihn absondert von allem , was nicht der Wille der Liebe ist , der Weisheit ist . Weisheit der Liebe gibt alles , sie lenkt die Phantasie im Reich der Träume und schenkt der Lippe die süße Frucht , die ihren Durst löscht , während die Unbegeisterten sich nach dem Boden umtun , dem sie den Samen anvertrauen möchten , aus dem ihr Glück reifen könnte , um das sie ihre Vorsicht betrügt . Ich aber sauge Genuß aus diesen Träumen , aus diesen Wonnen , die mir ein Wahn von Schmerz , ein eingebildetes Glück erregt ; und die Weisheit , die meiner Begeistrung zuströmt ; sie schifft mich auf ihren hohen stolzen Wellen , weit über die Grenze des gemeinen Begriffs , den wir Verstand nennen , und weit über den Beruf der irdischen Lebensbahn , auf der wir unser Glück suchen . Wie schön , daß die Weisheit der Liebe wirklich meine Träume beherrscht , daß der Gott das Steuer lenkt , wo ich keinen Willen habe , und mich im Schlaf da hinüberschifft zum Ziel , um das ich , es zu erreichen , immer wachen möchte . Warum träumst Du nicht auch von mir ? Warum rufst Du mich nicht an Deine Seite ? Warum mich nicht in Deinem Arm halten und freundlich Deinen Blick in meinen tauchen ? Du bist ja hier ; diese sonnigen Pfade , sie schlingen sich durcheinander und führen endlich auch zu Dir , o wandle auf ihnen ; ihre labyrinthischen Verkettungen : sie lösen sich vielleicht auf , da , wo Dein Blick den meinen trifft , wie das Rätsel meiner Brust , da , wo Dein Geist den meinen berührt . * * * Heute las ich in diesen Blättern ; lauter Seufzen und Sehnen . Wie würde ich beschämt vor Dir stehen , wenn Du in diesem Buch läsest ! So bleibt es denn verborgen und nur zu eigner Schmach geschrieben ? - Nein , ich muß an Dich denken und glauben , daß dies alles einmal an Deinem Geist vorüberzieht ; wenn es auch manchmal in mir ist , als wollt ich Dich fliehen ; Dich und diese seltsame Laune der Sehnsucht ; Laune muß ich sie nennen , denn sie will alles und begehrt nichts . Aber dieses Abwenden von Dir wird doppelter Reiz ; da sprengt mich ' s hinaus , die Berge hinan , noch im ersten Frührot , als könnt ich Dich erjagen , und was ist das Ende ? Daß ich mich wieder zum Buch wende . Nun , was hat ' s denn auf sich ? Die Tage gehen vorüber so oder so , und was könnt ich versäumen , wenn ich in diesen Blättern mich sammle ? * * * Heute war ich früh draußen , ich ging den ersten Feldweg , die Feldhühner schreckten vor mir auf , so früh war ' s noch ; die Wiesen lagen da im Morgenglanz , übersponnen mit Fäden , an denen die Tauperlen aufgereiht waren . Manchmal hält die Natur Dir die Wage , und ich empfinde die Wahrheit der Worte : » Weg du Traum , so gold ' du bist , hier auch Lieb und Leben ist . « So ein Gang , wenn ich wieder unter die Menschen komme , macht mich einsam . Ach , die zahmen Menschen , ich verstehe ihren Geist nicht . Geist lenkt , er deutet , er fliegt voran auf immer neuen Wegen oder er kommt entgegen wie die Leidenschaft und senkt sich in die Brust und regt sich da . Geist ist flüchtig wie Äther , drum sucht ihn die Liebe , und wenn sie ihn erfaßt , dann geht sie in ihm auf . Das ist meine List , daß die Liebe dem Geist nachgeht . Dir geh ich nach auf einsamen Wegen , wenn ' s still und ruhig ist , dann lispelt jedes Blatt von Dir , das vom Wind gehoben wird , da lasse ich meine Gedanken still stehen und lausche , da breiten sich die Sinne aus wie ein Netz , um Dich zu fangen , es ist nicht der große Dichter , nicht Dein weltgepriesener Ruhm ! In Deinen Augen liegt ' s , in dem nachlässigen und feierlichen Bewegen Deiner Glieder , in den Schwingungen Deiner Stimme , in diesem Schweigen und Harren , bis die Sprache aus der Tiefe Deines Herzens sich zum Wort entfaltet ; wie Du gehst und kommst und Deinen Blick über alles schweifen läßt , dies ist es und nichts anders , was mich erfreut , und keine glänzende Eigenschaft kann diese Leidenschaft erregenden Zeichen überwiegen . Da streif ich hin zwischen Hecken , ich dräng mich durch ' s Gebüsch , die Sonne brennt , ich leg mich ins Gras , ich bin nicht müde , aber weil meine Welt eine Traumwelt ist . Es zieht mich hinüber nur Augenblicke , es hebt mich zu Dir , den ich nicht mit Menschen vergleiche . - Mit den Streiflichtern