Gedanken in die Höhe richten , und « , setzte sie nach tiefem Atemholen hinzu , » ich glaube , mein Herz will nach . « In diesem Augenblicke eröffnete sich die Türe , und Montan trat herein , wie öfters der allzu lang Erwartete plötzlich und unverhofft erscheint . Lydie schritt munter auf ihn zu , umarmte ihn freudig , und indem sie ihn vor Makarien führte , rief sie aus : » Er soll erfahren , was er dieser Göttlichen schuldig ist , und sich mit mir dankend niederwerfen . « Montan , betroffen und , gegen seine Gewohnheit , gewissermaßen verlegen , sagte mit edler Verbeugung gegen die würdige Dame : » Es scheint sehr viel zu sein , denn ich werde dich ihr schuldig . Es ist das erstemal , daß du mir offen und liebevoll entgegenkommst , das erstemal , daß du mich ans Herz drückst , ob ich es gleich längst verdiente . « Hier nun müssen wir vertraulich eröffnen , daß Montan Lydien von ihrer frühen Jugend an geliebt , daß der einnehmendere Lothario sie ihm entführt , er aber ihr und dem Freunde treu geblieben und sie sich endlich , vielleicht zu nicht geringer Verwunderung unserer früheren Leser , als Gattin zugeeignet habe . Diese drei zusammen , welche sich in der europäischen Gesellschaft doch nicht ganz behaglich fühlen mochten , mäßigten kaum den Ausdruck ihrer Freude , wenn von den dort erwarteten Zuständen die Rede war . Die Schere Philinens zuckte schon : denn man gedachte sich das Monopol vorzubehalten , diese neuen Kolonien mit Kleidungsstücken zu versorgen . Philine beschrieb den großen Tuch- und Leinwandvorrat sehr artig und schnitt in die Luft , die Ernte für Sichel und Sense , wie sie sagte , schon vor sich sehend . Lydie dagegen , erst durch jene glücklichen Segnungen zu teilnehmender Liebe wieder auferwacht , sah im Geiste schon ihre Schülerinnen sich ins Hundertfache vermehren und ein ganzes Volk von Hausfrauen zu Genauigkeit und Zierlichkeit eingeleitet und aufgeregt . Auch der ernste Montan hat die dortige Bergfülle an Blei , Kupfer , Eisen und Steinkohlen dergestalt vor Augen , daß er alle sein Wissen und Können manchmal nur für ängstlich tastendes Versuchen erklären möchte , um erst dort in eine reiche , belohnende Ernte mutig einzugreifen . Daß Montan sich mit unserm Astronomen bald verstehen würde , war vorauszusehen . Die Gespräche , die sie in Gegenwart Makariens führten , waren höchst anziehend ; wir finden aber nur weniges davon niedergeschrieben , indem Angela seit einiger Zeit beim Zuhören minder aufmerksam und beim Aufzeichnen nachlässiger geworden war . Auch mochte ihr manches zu allgemein und für ein Frauenzimmer nicht faßlich genug vorkommen . Wir schalten daher nur einige der in jene Tage gehörigen Äußerungen hier vorübergehend ein , die nicht einmal von ihrer Hand geschrieben uns zugekommen sind . Bei dem Studieren der Wissenschaften , besonders derer , welche die Natur behandeln , ist die Untersuchung so nötig als schwer : ob das , was uns von alters her überliefert und von unsern Vorfahren für gültig geachtet worden , auch wirklich gegründet und zuverlässig sei , in dem Grade , daß man darauf fernerhin sicher fortbauen möge ? oder ob ein herkömmliches Bekenntnis nur stationär geworden und deshalb mehr einen Stillstand als einen Fortschritt veranlasse ? Ein Kennzeichen fördert diese Untersuchung , wenn nämlich das Angenommene lebendig und in das tätige Bestreben einwirkend und fördernd gewesen und geblieben . Im Gegensatze steht die Prüfung des Neuen , wo man zu fragen hat : ob das Angenommene wirklicher Gewinn oder nur modische Übereinstimmung sei ? denn eine Meinung , von energischen Männern ausgehend , verbreitet sich kontagios über die Menge , und dann heißt sie herrschend - eine Anmaßung , die für den treuen Forscher gar keinen Sinn ausspricht . Staat und Kirche mögen allenfalls Ursache finden , sich für herrschend zu erklären : denn die haben es mit der widerspenstigen Masse zu tun , und wenn nur Ordnung gehalten wird , so ist es ganz einerlei , durch welche Mittel ; aber in den Wissenschaften ist die absoluteste Freiheit nötig : denn da wirkt man nicht für heut und morgen , sondern für eine undenklich vorschreitende Zeitenreihe . Gewinnt aber auch in der Wissenschaft das Falsche die Oberhand , so wird doch immer eine Minorität für das Wahre übrigbleiben , und wenn sie sich in einen einzigen Geist zurückzöge , so hätte das nichts zu sagen . Er wird im stillen , im verborgenen fortwaltend wirken , und eine Zeit wird kommen , wo man nach ihm und seinen Überzeugungen fragt , oder wo diese sich , bei verbreitetem allgemeinem Licht , auch wieder hervorwagen dürfen . Was jedoch weniger allgemein , obgleich unbegreiflich und wunderseltsam , zur Sprache kam , war die gelegentliche Eröffnung Montans , daß ihm bei seinen gebirgischen und bergmännischen Untersuchungen eine Person zur Seite gehe , welche ganz wundersame Eigenschaften und einen ganz eigenen Bezug auf alles habe , was man Gestein , Mineral , ja sogar was man überhaupt Element nennen könne . Sie fühle nicht bloß eine gewisse Einwirkung der unterirdisch fließenden Wasser , metallischer Lager und Gänge , sowie der Steinkohlen und was dergleichen in Massen beisammen sein möchte , sondern , was wunderbarer sei , sie befinde sich anders und wieder anders , sobald sie nur den Boden wechsele . Die verschiedenen Gebirgsarten übten auf sie einen besondern Einfluß , worüber er sich mit ihr , seitdem er eine zwar wunderliche , aber doch auslangende Sprache einzuleiten gewußt , recht gut verständigen und sie im einzelnen prüfen könne , da sie denn auf eine merkwürdige Weise die Probe bestehe , indem sie sowohl chemische als physische Elemente durchs Gefühl gar wohl zu unterscheiden wisse , ja sogar schon durch den Anblick das Schwerere von dem Leichtern unterscheide . Diese Person , über deren Geschlecht er sich nicht näher erklären wollte , habe er mit den abreisenden Freunden vorausgeschickt und hoffe zu seinen Zwecken