und Leben dem Werke Gottes geweihet . Der Ritter fühlte sich überwiesen , die Verlobung mit Helena wurde gleich vollbracht ; noch eine Nacht erbat er sich vor der festlichen Verheiratung . Als er allein war , da wünschte er zu sich die geliebte Frau ; sie erschien , aber ihr fröhliches Auge war in Tränen erloschen , nicht bloß ihr Haar , ihr ganzes Kleid war genäßt ; sie konnte kein Wort sprechen , als sie den Ritter an sich drückte . Ach weh , daß ich zu Ruhm gekommen , daß mich ein fürstlich Weib genommen , so rief der Ritter und die Meerfeie schluchzte , daß er ihr nicht mehr gefolgt sei ; in dreien Tagen , da sei er tot und sie verfalle in der Liebe Bann . Die drei Tage solle er fröhlich genießen , am dritten Tage wolle sie ihm zeigen den Fuß , auf den er sie zuerst geküßt , daß jedermann ihn sehen könne zum Zeichen , daß sie kein Hirngespinst sei . Und da umfingen sie sich zum letzten Mal , und da sagte er : Ach Sterben ist nun mein Gewinn , weil ich nimmermehr bei dir bin . Schon klang es im Schlosse von der verhaßten Hochzeitfeier ; sie verschwand , Lärmen und Pracht , Wein und Liebkosungen machten ihn bald der Drohung wie eines Traums vergessen . Die Vermählung geschah feierlich ; der alte Kaiser begrüßte die Neuvermählten am folgenden Morgen , wie sie Arm in Arm , von Freuden müde an einander eingeschlafen waren , und brachte ihnen kostbare Mäntel und Rüstung , fand aber die ganze Decke des Bettes mit so kostbaren Perlen gestickt , daß seine Geschenke davor ganz ärmlich erschienen . Diese Perlen waren die Tränen der verlassenen Meerfeie und der Ritter erkannte sie wohl beim Erwachen ; wo aber kein Ausweg zu finden , da schreitet der Mutige vorwärts , und so verging auch der zweite Hochzeittag in Lust , und am andern Morgen fand er die Decke so reich mit Perlen besetzt , daß sie ihn fast erdrückte . Am dritten Hochzeittage endlich , als eben die Gäste scheiden wollten , da durchstieß etwas die Decke , über der das Brautbett gestanden ; dem Ritter entfiel der hohe Pokal , er und alle Anwesenden erblickten einen wunderschönen Weiberfuß , wie ihn Helena wohl nicht zeigen konnte , so schön sie übrigens war . Allmählich befiederte sich das schöne Bein , - bald drang eine Seemöwe an der Stelle ins Zimmer , die es mit Jammergeschrei umkreiste , und sich dann durch das offene Fenster in den Rheinstrom stürzte , der immerdar nach dem Meere läuft . Der Ritter erkrankte während dieses Gesichts ; alles floh , nur seine Helena blieb bei ihm , und wartete seiner bis er den Geist aufgegeben . Sie bauete ihm ein Denkmal : sein schönes Bild , wie er von den Fluten fortgerissen , mit seinem Ritterschwerte , das da wurzelt und grünt , von der Erde festgehalten wird . An diesem Denkmale wurde sie mit dem Beistande einer fremden Frau von einem Knaben entbunden , den sie nach dem Vater nannte ; die unbekannte schöne Frau brachte ihr , statt einen Dank zu verlangen , mit vielen Tränen ein Töchterlein von zwei Jahren , Sigelinde : und bekannte ihr , daß es des Ritters Tochter von ihr sei , und da verschwand sie als ein Vogel und versank unten im Rhein . Helena hatte also zwei Kinder ihres Ritters , die sie in frommer Liebe erzog , die aber beide früh eine mächtige Lust zu einander zeigten , daß sie beide trennen mußte . Den Knaben nahm der Kaiser nach Sizilien und gab ihm dort den Titel eines Prinzen von Palagonien , die Tochter wurde bald darauf Eurem edlen Ahnherren vermählt . « - » War Euer Geschlecht mit Glück gesegnet ? « fragte der Mönch die Fürstin zum Schlusse . Die Fürstin errötete und sprach : » Vor allen war es glücklich , bis ich bin eingetreten ; mein entarteter Sohn , der sich einem wilden Leben ergab , verleugnete den Segen seines Hauses . « - Der Mönch fuhr fort : » Ganz anders erging es dem männlichen Stamme dieses Hauses in Sizilien ; sein Unglück ist ein Irrgarten , jede Ehe war mit Mord bezeichnet ; es ist keiner in dem Hause , der nicht entweder sich oder einen der Seinen umgebracht hat . Dem jetzigen Prinzen , der durch frühes Unglück seine Eltern verloren , dem Letzten seines Hauses , wurde in einer ängstlichen Erziehung eine so gewaltige Scheu vor den Menschen , vor jedem Unternehmen beigebracht , daß er nie zu etwas kam , sobald er etwas dabei tun sollte , und nie etwas annehmen mochte , was ein andrer für ihn tat ; so verzögerte er in gewaltsamer Anstrengung seines Geistes jedes Unternehmen , bis es unmöglich auszuführen war . War eine Stelle eben besetzt , so wünschte er sie sich , die er vorher ausgeschlagen . Er liebte , und wurde geliebt , aber er konnte sich zu keinem Worte entschließen , dieses auszudrücken ; seine Geliebte starb aus Gram darüber ; ihre nachgelassenen Worte der Liebe zerrissen sein Herz . Er beschloß in sich seinen unglücklichen Stamm zu vertilgen , der nur Unglück erfahren und Unglück gebracht hatte ! In stiller Verzweiflung zog er sich von allen Menschen zurück ; aber seine Schönheit , sein Verstand zogen manche zu ihm , sein Reichtum brachte ihm vielen Zuspruch ; so beschloß er mit seinem Reichtume etwas zu begründen , das die Leute von seiner Schönheit abschreckte , indem es ihm den Ruf des Wahnsinns gebe ; so entstand der berufene Palast , der wohl eine Menge Neugierige für ein paar Stunden herbeizieht , aber sie alle sehr bald ermüdet und zurück weist . Als die Maurer diesen Palast bis zu der Höhe aufgerichtet hatten , daß er vom Meere gesehen werden konnte , da haben sie eines Morgens eine