eines Gartens beschäftigen konnte . Das ganze Wesen wurde der Gemeine des nächstgelegnen Dorfes , deren Eigenthum dieser Theil des Gebirges ist , abgekauft , und Diagoras , unter dem Namen Agenor , mit einer Thracischen Sklavin , die ihm sein Freund überließ , in den Besitz desselben gesetzt . Agenor gilt ( wie er mir sagte ) unter den benachbarten Hirten und Landleuten , einer dem Thessalischen Volke gemeinen Vorstellungsart zufolge , für einen mächtigen Zauberer , in dessen Ungnade zu fallen jedermann sich sorgfältig hütet ; und er läßt sie um so lieber in diesem Wahn , da er sich , durch die gute Wirkung einiger von Demokritus gelernten Heilungsmittel für Menschen und Vieh , ihr Zutrauen erworben hat . Auch seine Unsichtbarkeit trägt zu der Ehrfurcht , die der Name Agenor einflößt , das Ihrige bei ; denn niemand kann sich rühmen , ihn jemals in der Nähe gesehen zu haben , und alles , was er mit ihnen zu verkehren hat , geht durch den Mund und die Hände seiner getreuen Sklavin . Diagoras verlangte von mir zu hören , ob zur Zeit meines Aufenthalts in Athen noch die Rede von ihm gewesen sey , und was für eine Vorstellung ich mir , nach den Gerüchten die über ihn herumgegangen , von ihm gemacht hätte . Ich antwortete , alles , was ich für und wider ihn gehört , wäre mir so übel zusammenhangend und widersinnisch vorgekommen , daß ich , in der Ungewißheit was ich davon denken sollte , nur die vermeinte Unmöglichkeit beklagt hätte , die Wahrheit von ihm selbst zu erfahren . So hätte ich z.B. die Sage von der wahren Ursache seiner Atheisterei gar zu ungereimt gefunden , - O , die möcht ' ich doch hören , fiel er mir ins Wort ; ich bitte dich , was sagte die Sage ? - » Es hieß , die eigentliche Veranlassung zu deiner erklärten Feindschaft gegen die Götter sey ein Rechtshandel gewesen , in welchen du mit einem gewissen Menschen gerathen , der dir ein ihm anvertrautes Gedicht unterschlagen und den Empfang desselben mit einem förmlichen Eide vor Gericht abgeläugnet , aber , nachdem er frei gesprochen worden , das Gedicht als sein eigenes Werk mit großem Beifall bekannt gemacht habe . Dieser Handel , sagte man , hätte dich so tief gekränkt , daß du den Göttern nicht hättest verzeihen können , daß sie nicht auf der Stelle ein Zeichen an dem Meineidigen gethan ; kurz , das erlittene Unrecht hätte dich in deinem Glauben so irre gemacht , daß du endlich auf den Gedanken verfallen seyest : da die Götter , wofern Götter wären , einen solchen Frevel unmöglich ungestraft lassen könnten , so müßten nur gar keine Götter seyn . Das ist lustig , sagte Diagoras : man muß gestehen , für ein so witziges Volk , wie die Athener sind , räsonniren sie zuweilen erbärmlich ; und überhaupt ist nichts so ungereimt , das sie sich nicht weiß machen ließen , sobald es auf andrer Leute Kosten geht . Fürs erste , habe ich in meinem Leben ( wenigstens seitdem ich nicht mehr in die Schule gehe ) nichts gemacht das einem Gedicht ähnlich sähe . Hätte ich aber auch das Talent , Verse zu machen die gestohlen zu werden verdienten , so würde ich , anstatt den Dieb gerichtlich zu belangen , mein Recht an sie dadurch bewiesen haben , daß ich noch bessere gemacht hätte . Und gesetzt endlich , ich hätte mich in der ersten Hitze zu einem Rechtshandel gegen den Räuber hinreißen lassen , so würde ich wenigstens nicht so albern gewesen seyn , zu verlangen daß Jupiter , - der , um den Erdboden nicht gänzlich zu entvölkern , so viele tausend falsche Eide ungestraft lassen muß , - nun gerade meiner Verse wegen eine Ausnahme machen sollte . Wahrlich wäre der sparsame Gebrauch der Donnerkeile , und die Art , wie die Welt regiert wird , überhaupt die schwächste Seite der Götter , sie würden von mir immer unangefochten geblieben seyn ! Denn ich wüßte wirklich nicht wie sie es angreifen müßten , um die ungeheure Menge von Narren , Thoren und Schelmen , womit die Erde überdeckt ist , besser zu regieren , als wir im Ganzen regiert werden ; aber eben daraus , daß wir so gut regiert werden , als es unsre Narrheit und Verkehrtheit nur immer zuläßt , schließe ich , die Welt werde nicht von unsern Göttern regiert . Denn , nach der Probe zu urtheilen , die sie in Homers Ilias abgelegt haben , müßte es noch zehnmal toller zugehen , wenn die Zügel der Weltregierung in den Händen so selbstsüchtiger , launischer , ungerechter , stolzer , rachgieriger , wollüstiger und grausamer Despoten lägen , als der alte Sänger uns diese nämlichen Götter schildert , die in allen Städten Griechenlands Tempel , Altäre und Priester haben . Ich sagte ihm : auch mir wäre jene Sage von der Ursache seines Götterhasses zu lächerlich vorgekommen , um den mindesten Glauben zu verdienen . Aber was ich mir nicht zu erklären gewußt hätte , wäre der Hang zu den geheimen Gottesdiensten , der bei ihm ( wie man versichert ) ehmals bis zur Leidenschaft gegangen sey . Es war eine Zeit , sagt man , wo Diagoras im Glauben an Theophanien68 , Orakel und Wunderdinge aller Art eher zu viel als zu wenig that , und man weiß daß er den größten Theil seines Vermögens aufgeopfert hat , um in der ganzen bewohnten Welt herumzureisen , und sich in alle Mysterien , so viele er deren ausspähen konnte , einführen zu lassen . Wie ein Mann , der die Religiosität bis zu diesem Grade von Schwärmerei getrieben , auf einmal zum entgegen gesetzten Aeußersten habe überspringen können , schien etwas so Unnatürliches , daß man sich geneigt fühlte , selbst die ungereimteste Erklärung , die ein solches Wunder einigermaßen begreiflich machte , für gut gelten zu lassen