und rosigen Freundinnen . Die Mädchen waren in der gehobenen Stimmung , in der sie sich eigentlich alle Tage befanden , ganz besonders aber , wenn sie zusammentrafen , und das geschah ebenfalls täglich — zum mindesten ein Mal . Darum bekamen ihre Unterhaltungen auch nachgerade eine gewisse ungenierte Zutraulichkeit . “ Wirst Du aber stark , Eugenie ! Zeig ' mal her ! Wahrhaftig Kinder — alles echt ! ” Die junge Dame mit der neidenswerten Büste ließ sich in siegessicherer Ruhe auf Agathes Kretonnesofa nieder . “ Roggenmehlsuppe mit Eiern zum Frühstück — nachmittags einen Teller voll Griesbrei — da , nun wißt Ihr ' s. ” “ Das möcht ' ich nicht , ” rief die blasse Lisbeth Wendhagen und knabberte an einem Makronenstückchen . “ Man muß sich doch auf den Kampf des Lebens vorbereiten , ” bemerkte Eugenie weise . “ Pfui Genie ! ” “ Die keusche Agathe errötet , ” sagte Eugenie , sich behaglich mit Kuchen versorgend . “ Das hat sich das gute Kind immer noch nicht abgewöhnt ! ” “ Ach , es ist schrecklich ! ” Agathes Wangen erglühten bei dieser ärgerlichen Entschuldigung noch feuriger . “ Du wirst wohl überhaupt nicht mehr rot ? ” fragte bissig ein älteres Mädchen aus dem Kreise . “ O doch — aber nur wenn ich will ! Den Atem anhalten ! Seht mal her ! ” Mit Bewunderung und viel Gelächter wurde das Kunststück beobachtet . “ Ich werde mir auch Griesbrei kochen lassen , ” überlegte Fräulein von Henning , welche die ganze Zeit in ernster Betrachtung vor dem Spiegel gestanden hatte . Sie bedachte dabei , ob ihre Mutter wohl die Extraausgabe gestatten würde ? Es war doch gemein , sich so einrichten zu müssen ! “ Exzellenz Wimpffen hat gesagt , Gries wäre sehr schädlich für den Teint ! ” “ Wieso denn ? ” “ Na — die Grieskörner lassen sich , glaube ich , nicht gut verdauen und kriechen dann irgendwie im Körper herum . ” “ Doch ! Exzellenz Wimpffen hat zu Mama gesagt : in Rußland essen die jungen Mädchen niemals Gries , weil sich die Grieskörner unter der Haut festsetzen und entzünden , daher kommt die Gänsehaut und Pickel und alles mögliche ! ” Es trat eine Stille ein . Das klang ernsthaft ! “ Ich glaube nicht daran , ” sagte Agathes ruhige Stimme . “ Jeder will heutzutage etwas wissen ! Pfauenfedern sollen auch schädlich sein ! ” “ Das glaubst Du wohl auch nicht ? ” fragte Lisbeth Wendhagen wichtig . “ Mein alter Onkel . . . ” “ Mit Pfauenfedern , das weiß ich nicht , ” rief die Tochter des Oberpräsidenten — ” aber Seerosen . . . ! das habe ich selber erlebt , das kann mir keiner abstreiten ! Als ich voriges Jahr bei meiner Tante in Potsdam war , schleppte meine Cousine von einer Kahnpartie einen ganzen Arm voll nach Haus . Mehrere Damen warnten sie noch , die Dinger brächten Unglück — aber sie wollte ja nicht hören ! Richtig — am andern Morgen bekommt sie Diphtheritis — wäre beinahe dran gestorben ! Ne , ne — vor Wasserrosen habe ich allen Respekt ! ” — Trotz der Gefahren , die dem Leben und der Schönheit der jungen Geschöpfe von allen Seiten geheimnisvoll drohten , besaßen sie doch Leichtsinn genug , die bevorstehenden Ball-Aussichten eifrig zu besprechen . Wutrows wollten tanzen lassen ! Und dann der große Juristenball ! Agathe hatte eine entzückende Toilette bekommen : echte Pariser Heckenrosen — schrecklich teuer — von Onkel Gustav . “ Sag ' mal — Dein Onkel Gustav hat wohl Geld , daß er so lebt , ohne was zu thun ? Das wäre am Ende eine ganz gute Partie ? ” “ Ach nein — Geld hat er keins ! Das heißt , er sagt immer , wenn seine Erfindung glückt , könnte er Millionär werden ! ” “ Ach , der Jugendborn ! ” Ein unendliches Gekicher erscholl um den Kaffeetisch , man schien Onkel Gustavs Erfindung trotz ihres poetischen Namens , nicht eben ernst zu nehmen . “ Dein Onkel ist kostbar ! Bei uns heißt er die Kirschblüte wegen seiner schönen , weißen Sommeranzüge ! Agathe , Du heiratest ihn am Ende doch noch ! ” Agathe lachte laut und lustig und alle stimmten aufs neue ein . “ Du — gestehe ! — Hat er Dich schon mal geküßt ? ” “ Ach , Unsinn , — nur bei Geburtstagen ! ” “ Ich küsse meine Onkels und Vettern immer , ” ließ sich das hohe Stimmchen eines niedlichen Schwarzkopfes vernehmen . “ Wozu hat man sie denn sonst ? ” “ In unserer Familie ist ' s nicht Sitte , ” sagte Agathe hochmütig . “ Das ist wahr ! ” rief Eugenie . “ Bei Euch gehts haarsträubend solide zu ! Aber Dein Vater faßt einen doch ganz gern mal um die Taille ! ” “ Pfui Eugenie ! ” “ Gott , sei doch nicht so ! Er ist ja ein alter Herr — was schadet denn das ? ” “ Denkt Euch , neulich Abend bin ich auf der Straße angeredet , ” begann Lisbeth Wendhagen , ihr kleines , sommersprossiges Gesicht mit den hellen Augenwimpern belebte sich ordentlich . “ Es war schauderhaft ! ” “ Möchtest Du noch Kaffee , Lisbeth ? ” “ Nein , danke — eins , zwei , drei . . . Habe ich mich doch wieder verzählt ! Das infame Muster ! So . — Also ich — natürlich — gehe immer schneller — er neben mir her . . . ” “ Wie gräßlich ! ” “ Was hat er denn zu Dir gesagt ? ” “ Ach , das kann ich gar nicht wiedererzählen . Endlich fasse ich Mut und sage : “ Mein Herr , Sie irren sich ! ” “ Man soll gar nicht antworten !