Befehl von Mamsell Wärmchen ein , die Herrschaften mit einem Gang durch den Park etwas zu beschäftigen , denn die jungen Gänse müßten noch ein halbes Stündchen prutzeln . Als Herr von Kosegarten die Prinzessin am Arm die Treppe hinuntergeleitet hatte , machte er sie infolge dieser ihm zugeflüsterten Weisung in dem scherzhaft ehrerbietigen Tone , den er ihr gegenüber anzuschlagen pflegte , auf die neuangelegten Frühjahrsbeete aufmerksam , die sie durchaus besichtigen müsse , wenn sie seine Frau nicht tödlich kränken wolle . Und so begab man sich denn mit dem Gefolge , das nur aus einem Kammerherrn und einer Hofdame bestand , in den Park hinab zu einem Rundgang durch die Kastanienallee bis zum Taxusweg und wieder zurück . Prinzessin Karoline , eine muntere , sehr starke Dame in einer jugendlich farbigen Toilette , ließ ihre langstielige Schildpattlorgnette kaum von den Augen und bewunderte , was man ihr zeigte , in einer fröhlichen , beinahe kindlich lebendigen Weise . Sie fand alles » nett , sehr nett « und plauderte und lachte mit ihrem alten Freunde Kosegarten ebenso vergnüglich über die Not der Landwirtschaft , über die Ansprüche der Sozialdemokratie wie über ihren beginnenden Rheumatismus und ihren neuen Frühjahrshut , den sie soeben von Paquin aus Paris erhalten hatte und den er als alter Kavalier geziemend bewunderte . Abwechselnd mit der Schildpattlorgnette benutzte Prinzeß Karoline einen großen Fächer , auf dem ein spanischer Stierkampf abgebildet war , denn sie litt an Blutwallungen und war aus diesem Grunde stark gepudert . Der Fächer war das Geschenk einer spanischen Infantin , die Prinzessin Karoline in der glänzendsten Zeit ihres Lebens während eines Winteraufenthaltes am Wiener Hofe kennengelernt hatte . Die Erinnerungen vom Wiener Hofe bestritten noch jetzt , nach fast fünfundzwanzig Jahren , den Hauptinhalt ihrer Gespräche und bildeten wahrscheinlich noch mehr den Inhalt ihrer Gedanken . Sie war ein leichtlebiges , warmherziges Menschenkind und konnte diese Eigenschaften in der öden Eintönigkeit ihres prinzlichen Altjungferntums , das sich in unveränderlichem Kreislauf zwischen den drei Residenzen Langenrode , Hirschburg und Nassenstein bewegte , noch immer nicht ganz überwinden . Ja , es war ein offenes Geheimnis , daß Prinzessin Karoline durch ihre unzeitgemäßen Natürlichkeiten bisweilen zu einer Familienkalamität des herzoglichen Hauses wurde . Um ihre vor fünfundzwanzig Jahren noch weniger gebändigte Lebenslust und Verschwendungssucht in Schranken zu halten , hatte man ihr damals zu jener Brautfahrt an den Wiener Hof als Begleiterin und fürsorgende Ratgeberin die ernste , sittenstrenge , zur Sparsamkeit veranlagte Trinette von Kosegarten beigegeben . Trinette entzog ihrer Schutzbefohlenen sofort den aufregenden chinesischen Tee und tränkte sie mit dem lindernden Gebräu der heimischen Erdbeerpflanze . Wieviel sie damit in der Milderung des allzu ungestümen fürstlichen Blutes geleistet hatte , blieb ungewiß . Prinzessin Karoline amüsierte sich prachtvoll in Wien . Der Ruf ihrer märchenhaften Toiletten drang durch alle Landsitze von Langenrode-Hirschburg-Nassenstein und wurde in den Harztälern von den frommen Edelfrauen mißbilligend besprochen . Aber aus der Heirat mit dem österreichischen Erzherzog wurde leider nichts . Es ging ein Gerücht , sein an Jahren bedeutend jüngerer Adjutant sei in irgendeiner Weise hindernd dazwischengetreten . Wien war weit von Langenrode , und so ließ sich denn dieses Gerücht natürlich nicht kontrollieren . Am Ende schickte man Prinzessin Karoline , mit kostbaren Geschenken reich bedacht , an das heimatliche Höfchen zurück . Sie feierte dort mit den glanzvollen Toiletten , dem Wiener Geplausch , das sie sich angeeignet hatte , und mit den kleinen Künsten einer muntern Koketterie noch einen längern Nachsommer . Sie war damals , sagen wir es gerade heraus , der Schrecken aller Mütter heranwachsender Söhne und mancher eifersüchtigen Ehefrau . Ja , es kam eine Zeit , in der Trinette es mit ihrem christlichen Sinne nicht mehr vereinigen konnte , einem so unbefangenen Weltkind zu dienen , und sich nach manchem innerlichen Kampfe definitiv in das Stift Altheiligenberge zurückzog . Den eigentlichen , letzten Grund ihrer Trennung von der Prinzessin erfuhr niemand außer ihrem Bruder . Prinzessin Karoline hatte sie in einer schwachen Stunde dazu gebracht , ihr bare sechstausend Mark zu leihen , und nachdem die letzte Hoffnung geschwunden war , diese Summe durch den Herzog wiederzuerhalten , zog Trinette es vor , einer zweiten solchen Schröpfung ein für allemal zu entgehen . Nach erfolgtem Rundgang durch den Park wurde Hilde im Gartensaal der Prinzessin vorgestellt . Die Hoheit erinnerte sich ihrer sehr wohl . Und Hilde hatte sich gar nicht verändert . Siebenundzwanzig Jahre war sie ? Das richtige Alter für eine Hofdame . Das verjüngte Ebenbild ihrer Freundin Trinette . Dieser Vergleich war freilich nicht besonders entzückend für Hildens Eitelkeit , obwohl die Sage in der Familie ging , Trinette wäre in ihrer Jugend einmal hübsch gewesen . Aber Hilde nahm solche Dinge humoristisch ; sie wußte auch , daß man die Worte der hohen Herrschaften nicht eben auf die Goldwage legen dürfe . Die verlängerte und mit Ei abgequirlte Hühnerbouillon reichte für alle Teilnehmer des ländlichen Frühstücks . Die jungen Gänse waren goldbraun und knusperig und machten Mamsell Wärmchens Kunst alle Ehre . Auch frische Gurken und junge Kartoffeln gab es aus den Treibkästen . Prinzessin Karoline begeisterte sich an der Nachricht , daß Hilde es war , die nicht nur das Menü zusammengestellt , sondern auch die Gänse gezüchtet und die Oberleitung über die Treibkästen besorgt habe . Es war die Rede davon , daß man der Prinzessin ein kleines Schlößchen mit einem schönen Garten und Gewächshäusern , das die fürstliche Familie in einer der zierlichen Harzstädte besaß , zum ständigen Aufenthalt einräumen wolle . Prinzessin Karoline betrachtete dies ungefähr wie eine Verbannung nach Sibirien . Plötzlich aber begann sie die Sache » nett , sehr nett « zu finden und berauschte sich wie ein kleines Mädchen , das ein neues Fräulein bekommt , an den gärtnerischen und landwirtschaftlichen Taten , die sie dort mit ihrer Hofdame zusammen ausführen wollte . Ja , Hühner , Gänse und Fasanen wollte sie ziehen . Sie schlug auch Kiebitze vor wegen der guten Kiebitzeier ,