, aber dagegen ließ sich doch nun einmal nicht aufkommen . Das Notariat , das Ernst übernahm , war doch der einzige Rettungsanker für die Familie . Es ist ihm zuwider , ich weiß es längst , nun er kann sich ja davon losmachen und den großen Herren spielen , wenn er will . Das Glück liegt ihm ja gerade vor der Nase , er braucht nur zuzugreifen . « » Ach so , Sie meinen – ? « sagte Hartmut , der jetzt anfing zu begreifen . » Natürlich meine ich ! Sehen Sie das hohe Dach da drüben , zwischen den Bäumen ? Das ist Gernsbach ! Ein schönes , einträgliches Gut , vornehmes altes Herrenhaus , prächtiger Park . – Ernst ist Rechtsvertreter der jungen Witwe , kennt die Verhältnisse ganz genau und wird , glaube ich , gar nicht ungern gesehen . Ein anderer hätte da längst einen Antrag riskiert , aber ihm fällt das natürlich nicht ein . Ich habe ihn mir einmal vorgenommen deswegen , aber da bin ich schön angekommen ! › Ich verkaufe mich nicht , Onkel ! Ich will nicht von dem Gelde meiner reichen Frau leben ! Das ist unwürdig ‹ – Punktum ! Und als wir das nächste Mal zusammen in Gernsbach waren , benahm er sich wie der steinerne Gast und öffnete kaum den Mund . « » Da hat er recht ! « erklärte der Major . Treumann sah ihn überrascht an . » Was ? Würden Sie es Ihrer Frau vielleicht zum Vorwurf machen , wenn sie reich wäre ? « » Zum Vorwurf – nein ! Denn erstens ist Reichtum etwas , wofür der Mensch nicht kann , und zweitens ist er eigentlich auch kein Unglück . Aber ihm den Beruf opfern , um sich von einer reichen Frau füttern zu lassen , und in der Ehe eine Nebenperson zu sein , das ist erbärmlich , und das würde weder Ernst noch ich fertig bekommen , höchstens der Maxl . « » Oho ! « rief der Notar , beleidigt durch diese Mißachtung seines Lieblings . » Maxl ist ein Talent , ein großes ! Der bringt seiner künftigen Frau das Genie als Morgengabe , den Künstlerruhm , den er sich erwerben wird , das ist etwas anderes . Er verkehrt übrigens viel im Marlowschen Hause und hat mir bereits anvertraut , daß die junge Millionärin ihm gar nicht abgeneigt ist – der Teufelsjunge ! Da werden wir noch etwas erleben , der Maxl ist ja bildhübsch und hat fabelhaftes Glück bei den Frauen . « » Möglich , « sagte Hartmut trocken , » aber die Millionärin bekommt er nicht . « » So ? Und warum denn nicht ? « » Weil er ihr zu dumm ist . « » Aber , Herr Major ! « » Viel zu dumm ! « bekräftigte der Major , ohne den Empörungsruf zu beachten . » Die verlangt mehr von ihrem Manne , als daß er ein paar Bilder malt und im Kunstverein ausstellt , sie sieht ganz danach aus , und mit einem Wechsel auf die Zukunft gibt sie sich schwerlich zufrieden . Was übrigens das Zukunftsgenie , den Maxl , betrifft , so sage ich dasselbe , wie Sie bei Ihrem Nabob ! Warten wir erst ab , wie die Geschichte endigt ! und im übrigen gebe ich Ihnen mein Wort darauf , Ernst hat im kleinen Finger mehr Genie als der Maxl in seinem ganzen hübschen , dummen Kopfe ! – Aber da sind wir am Stadtthor , ich gehe über den Wallgraben . Ich empfehle mich Ihnen , Herr Notar . « Damit schlug sich Hartmut seitwärts und ließ den ganz verblüfften alten Herrn stehen . Dieser war bisher mit dem Freunde seines Neffen recht gut ausgekommen , jetzt aber neigte er sich doch der Ansicht Maxls zu , der ihm gleich bei dem ersten Besuche erklärt hatte , Major Hartmut sei einfach unerträglich geworden . Auf der Terrasse des Herrenhauses von Gernsbach befand sich Bankier Marlow mit seiner Tochter . Er war erst vor einigen Stunden von Steinfeld eingetroffen und hatte zugleich eine kurze Gastfreundschaft für Herrn Felix Ronald erbeten , der ihm heut noch folgen und erst morgen abend wieder abreisen wollte . Frau von Maiendorf sagte mit Vergnügen zu . So fern sie auch persönlich den Finanzkreisen stand , war sie doch nicht unempfindlich gegen die Auszeichnung , den Vielgenannten , Vielbeneideten , dessen Name in aller Munde war , als Gast in ihrem Hause zu beherbergen , zumal bei solchem Anlaß , denn sie wußte sich diesen Besuch zu deuten . Sie traf in aller Eile noch einige Anordnungen ; wenn ein Ronald erwartet wurde , machte man natürlich mehr Umstände als bei anderen , gewöhnlichen Menschenkindern . Marlow war ein Mann in den Fünfzigern , mit schon ergrauten Haaren , kühl , zurückhaltend und etwas förmlich , ganz der vornehme Bankier , der , ohne mit seinem Reichtum zu prahlen , sich doch dessen und seiner Stellung vollkommen bewußt ist . Er hatte erst jetzt nach Tische Gelegenheit zu einem Alleinsein mit seiner Tochter gefunden und war in angelegentlichem Gespräche mit ihr . » Ronald wollte mich natürlich begleiten , « sagte er soeben , » aber gerade im letzten Augenblick trafen noch einige Depeschen ein , die sofortige Verfügungen erforderten und ihn zurückhielten . Er kommt aber jedenfalls noch heute , und es ist dir wohl kein Geheimnis mehr , Edith , was er dir zu sagen hat . « » Nein , Papa , « erwiderte Edith ruhig , » Ich bin längst auf diesen Antrag vorbereitet . Er hat sich dir bereits erklärt ? « » Erst gestern , und ich habe meine Einwilligung gegeben , unter Vorbehalt der deinigen , die du ja wohl nicht versagen wirst , du weißt , was Ronald dir bieten kann . « » Ja , ich weiß es , und hatte bereits vor der Abreise meinen Entschluß