allerletzten zu hören erwartete . Also böse muß man Frau Ella machen , wenn man sie so sehen will ? Das werde ich doch öfters probiren . “ Hugo machte eine Wendung , in das Besuchszimmer hinüberzugehen , aber auf der Schwelle blieb er noch einmal stehen und blickte nach der Thür hinüber , durch die seine junge Schwägerin sich entfernt hatte . Der Zug von Spott und Uebermuth in seinem Gesichte war völlig verschwunden ; es hatte einen nachdenklichen Ausdruck angenommen , als er leise sagte : „ Und da glaubt Reinhold nur , daß sie blaue Augen hat ? Unbegreiflich ! “ Der große Concertsaal von H. schien diesmal die Elite der ganzen Stadt in seinen Räumen zu vereinigen . Es handelte sich um eines jener Concerte , die , zu irgend einem wohlthätigen Zweck in ’ s Werk gesetzt , von den ersten Familien der Gesellschaft in Protection genommen wurden , und bei denen die Mitwirkung einerseits und das Erscheinen andererseits als Ehrensache galt . Das Programm wies heute nur Namen von Berühmtheiten auf , sowohl was die Musikstücke als was die Ausführenden betraf , und im Uebrigen hatte man durch möglichst hohe Preise dafür gesorgt , daß das Publicum vorwiegend , wenn nicht ausschließlich , den ersten Kreisen angehörte . Noch hatte das Concert nicht seinen Anfang genommen , und die mitwirkenden Künstler befanden sich noch in einem neben dem Saale gelegenen Zimmer , das bei solchen Gelegenheiten als Versammlungsort diente , und zu dem nur einige besonders Begünstigte aus dem Publicum Zutritt hatten . Um so mehr fiel daher die Gegenwart eines jungen Mannes auf , der weder zu diesen Begünstigten , noch zu den Künstlern selbst gehörte und sich auch von Beiden fern hielt . Er war vor Kurzem eingetreten und hatte sich sofort an den Capellmeister gewandt , der ihn zwar auch nicht zu kennen schien , aber doch von seinem Kommen unterrichtet sein mußte , denn er empfing ihn äußerst artig . Die umstehenden Herren vernahmen nur so viel von dem Gespräche , daß der Capellmeister bedauerte , Herrn Almbach keine Auskunft geben zu können , es sei der Wunsch Signora Biancona ’ s gewesen ; Signora werde sogleich selbst erscheinen . Die kurze Unterhaltung war bald zu Ende , und Reinhold zog sich zurück . Der in lebhafter Unterhaltung begriffene Künstlerkreis stob urplötzlich auseinander , als die Thür sich öffnete , und die junge Primadonna erschien , die man noch nicht erwartet hatte , denn sie pflegte sonst stets erst im letzten Augenblicke vorzufahren . Alles kam in Bewegung . Man überbot sich in Aufmerksamkeiten gegen die schöne Collegin , aber diese nahm heute auffallend wenig Notiz von der gewohnten Huldigung ihrer Umgebung . Ihr Blick war schon beim Eintreten rasch durch das Zimmer geflogen und hatte sofort gefunden , was er suchte . Signora geruhte , die Begrüßungen nur sehr flüchtig zu erwidern , wechselte einige Worte mit dem Capellmeister und entzog sich dann sofort jeden weiteren Unterhaltungsversuchen der Herren , indem sie sich an Reinhold Almbach wandte , der sich ihr jetzt näherte , und mit ihm in eine der entferntesten Fensternischen trat . „ Sie sind wirklich gekommen , Signor ? “ begann sie in vorwurfsvollem Tone . „ Ich glaubte in der That kaum noch , daß Sie meiner Einladung Folge leisten würden . “ Reinhold sah auf , und die erzwungene Kälte und Fremdheit bei der Begrüßung begann bereits zu weichen , als er zum ersten Male wieder seit jenem Abende diesem Blicke begegnete . „ Also war es doch Ihre Einladung , “ sagte er . „ Ich wußte in der That nicht , ob ich die mir in Ihrem Namen übersandte Aufforderung des Herrn Capellmeisters als eine solche betrachten durfte . Es lag keine einzige Zeile von Ihrer Hand bei . “ Beatrice lächelte . „ Ich folgte nur einem mir gegebenen Beispiele . Auch ich habe ein gewisses Lied erhalten , dessen Componist seinem Namen kein einziges Wort hinzugefügt hatte . Ich übte nur Vergeltung . “ „ Hat mein Schweigen Sie beleidigt ? “ fragte der junge Mann rasch . „ Ich wagte nichts hinzuzufügen . Was – “ sein Auge sank zu Boden – „ was hätte ich Ihnen auch sagen sollen ! “ Die erste Frage wäre wohl überflüssig gewesen ; denn die Huldigung jenes Liedes schien verstanden worden zu sein , und Signora Biancona sah nichts weniger wie beleidigt aus , als sie erwiderte : „ Sie scheinen das Wortlose zu lieben , Signor , und durchaus nur in Tönen zu mir sprechen zu wollen . Nun denn , ich füge mich Ihrem Geschmack und habe beschlossen , Ihnen gleichfalls nur in unserer Sprache zu antworten . “ Sie legte einen leisen , aber doch bemerkbaren Nachdruck auf das Wort . Reinhold hob überrascht das Haupt . „ In unserer Sprache ? “ wiederholte er langsam . Beatrice zog aus der Notenrolle , die sie in der Hand hielt , ein anderes Papier hervor . „ Ich habe vergebens gewartet , daß der Autor dieses Liedes zu mir kommen werde , um es einmal von meinen Lippen zu hören und den Dank dafür in Empfang zu nehmen . Er hat Fremden überlassen , was doch wohl seine Aufgabe gewesen wäre . Ich bin gewohnt , daß man mich sucht , Signor . Sie scheinen das Gleiche für sich zu beanspruchen . “ Es lag wohl noch ein Vorwurf in der Stimme , aber herb war er nicht , und das wäre auch kaum möglich gewesen , denn Reinhold ’ s Auge verrieth nur zu sehr , was ihm dieses Fernbleiben gekostet hatte . Er gab keine Antwort auf den Vorwurf , vertheidigte sich nicht dagegen , aber sein Blick , der wie magnetisch gefesselt an der strahlend schönen Erscheinung hing , sagte ihr , daß seine Zurückhaltung eher allem Anderen als der Gleichgültigkeit entstammte . „ Glauben Sie , daß ich Sie hergerufen habe , um die Arie von