wieder hinaufgingen ; » ja , wenn ' s ein Mann wäre ! Aber bei den jungen Frauenzimmern , da ist ' s meist erschreckender als schrecklich ! « Als wir ins Haus getreten waren , ging der Doktor unten zu den Frauen , ich in mein eigen Zimmer und wanderte , Gott weiß wie lange , auf und ab . Da endlich hör ich unten wieder die Stubentür knarren und das Riekchen auf dem Hausflur mit dem Doktor klönen . Als ich die Treppe hinabsteig , ruft er mir noch zu : » Alles in Ordnung , Kapitän ; wir können schlafen gehn ! « Und somit ist er zur Haustür hinaus und das Riekchen zur Stubentür hinein und alles still und dunkel . Also ich auch wieder hinauf in meine Kabine und schlafe bis in den Tag hinein . Da vernehm ich auf einmal aus meinem Alkoven , daß drinnen im Zimmer mein Kaffeegeschirr auf den Tisch gesetzt wird , und noch halb im Schlaf rief ich : » Bist du es , Anna ? « Ich fuhr ordentlich zusammen , als es von drinnen antwortete : » Ja , Ohm . « Aber es war , by Jove , ihre Stimme . » Komm doch , mein Kind ! « rief ich wieder , » und sag mir guten Morgen ! « Und als sie nun kam und die Alkoventüren zurückschlug , die ich wegen des Straßenlärmes meist geschlossen hatte – Herr , wie war ich erschrocken , da der Morgenschein auf das junge Gesicht fiel ! – Zerstört , ja ganz zerstört schien es mir ; ich suchte darin nach etwas , und ich wußte nicht , wonach ; die roten vollen Lippen schienen wie zum Spott daraus hervor . » Guten Morgen , Ohm ! « sagte sie kaum hörbar ; aber ihre Hände zitterten , womit sie mir die volle Tasse reichte , daß ein Teil mir auf das Deckbett floß . » Kind ! Anna ! « sagte ich und faßte ihre Hand ; » wo bist du gewesen ? Du hast ja arge Havarie erlitten ! « Sie antwortete nicht ; sie zitterte nur noch stärker , und als ich in ihre sonst so fröhlichen Augen sehen wollte , schlug sie sie nieder oder wandte sie zur Seite . » Anna ; Anna ! « sagte ich , » du gehst mir nimmer wieder auf diese Bälle ! « Da mußte ich nach der Tasse greifen , denn sie wollte die Hände über ihren Kopf erheben . » Nein , Ohm ! « schrie sie , » nie – nie wieder ! « Ihre schlanke Gestalt wollte sich aufrichten ; aber sie sank wie ohnmächtig an meinem Bett zusammen . Ich hatte meine Hand auf ihren Kopf gelegt . » So ist es recht , mein Kind « , sagte ich ; » nun gräme dich nur nicht ; ich gehe mit dir , wohin du willst ! Und wenn ' s erst Sommer ist , dann reisen wir zu meinem alten Ohm , der auf dem Lande wohnt ! Da sind große stille Stuben und draußen Wald und grüne Wiesen ! « By Jove ! Ich hatte die Marder ganz vergessen ! Sie hatte meine Hände an ihre Stirn gepreßt und nickte ein paarmal leise , ohne aufzusehen ; dann aber richtete sie sich empor . » Laß mich nun , mein Ohm « , sprach sie freundlich , » ich muß nach unten . « Sie ging , und ich blieb , ohne meinen Kaffee anzurühren , noch lang auf meinem Bette ; ich wußte in der Sache mich nicht zurechtzufinden . Einige Zeit verging ; das Aussehen des Mädchens wurde freilich besser , aber innerlich war das Kind verwandelt . Wenn sie sonst um Mittag so fröhlich unten an der Treppe rief : » Ohm , Ohm John ! Serviert ! « – du lieber Gott , wie träg und öde klang das jetzt ! Mir war auch , als ob ihr Angesicht allmählich sich verändre : sie hatte sonst noch immer wie ein Kinderspiel um Mund und Wangen ; das war wie weggeblasen . Es ging mir arg im Kopf herum ; von dem Herrn Baron war nicht der Zipfel seines Rockes mehr zu sehen , und als ich zu dem alten Riekchen davon sprach , erhielt ich zur Antwort , der Herr Baron habe auf seine Güter in Mecklenburg müssen und komme erst im Sommer wieder ; das Mädchen aber , das daneben stand , wurde bei dieser Rede wie mit Blut übergossen und ging rasch zur Tür hinaus . › Ei ‹ , dacht ich , › liegt da der Has ' im Pfeffer ? Sind die Gedanken unsres Kindes noch immer bei dem konfiszierten Kerl ? ‹ Und es fraß ordentlich in mir . – – Wieder waren ein paar Monate vergangen , als ich an einem Spätnachmittage im März , da schon das Dunkel in die Häuser kroch , von einem Geschäftsgange zurückkam . Als ich am Laden vorüber wollte , sah ich durch das Guckfenster , daß dort die Lampe noch nicht brannte ; aber , da ich stillstand , hörte ich drinnen jemand weinen . › Mußt einmal revidieren ! ‹ sagte ich zu mir und ging hinein . Da fand ich die Anna in einer Ecke auf dem Ladentritt , mit beiden Händen vor den Augen . » Bist du es , Anna ? « frug ich . » Wo ist deine Mutter ? « » Ausgegangen « , erwiderte sie leise . » Aber du mußt ja die Lampe anzünden ! « Sie stand langsam auf , und als die Lampe brannte , sah ich dicke Tränen über ihre Wangen rinnen . » Bist du krank , Anna ? Oder fehlt es dir sonst ? « frug ich , während sie sich abwandte und die Fenstervorhänge herabließ . Sie schüttelte nur den Kopf . » Aber was ist denn ?