Fleisch zum Trotz , doch nur ein frisch gewaschen Ferkel aufzuweisen hat , das über frisch gefallenen Schnee zu Markte getrieben wird . – – Sie gingen Hand in Hand auf dem lieblichen Waldpfade nach der schwülen , weinerlich-bänglichen , fieberhaften Fahrt von der heißen Stadt herauf . Die Sonne ging erst nach ein Viertel auf neun Uhr am Abend unter , und es war für das Liebespaar also noch Zeit für alles – Lichtgedanken , Dämmerungsgefühle und das , was die Nacht in der Menschen Seelen wachzurufen versteht . Folgen wir ihm ! Siebentes Kapitel . Der schmale Pfad verlor sich immer mehr in das fröhliche Märchen . Schon seit ewiger Zeit konnten Hilarion und Ernesta nicht mehr Hand in Hand gehen ; sie wanden sich hintereinander durch das verwachsene Gezweig . Hilarion bahnte den Weg und Ernesta folgte . Sie litten beide an einer süßen Eingenommenheit aller Sinne , die sie unfähig machte , nochmals über sich , ihr seltsames Unterfangen und die kuriosen Dämonen , denen sie sich anvertraut hatten , nachzudenken . Die Vögel rund umher sangen so aufmunternd in ihre Betäubung hinein , daß sie für jedes Mirakel , welches ihnen begegnen mochte , bereit waren . Zuerst aber begegnete ihnen kein anderer als Freund Oppermann , und zwar ganz im richtigen Moment , nämlich in dem Augenblick , wo sie zum ersten Mal stillstanden und sich umsahen . Der Wald war sehr umfangreich , erstreckte sich meilenweit nach allen Richtungen hin ; aber es lebte nur Ein Einsiedler Konstantius drin , und der war also , wenn das Glück und der Zufall nicht halfen , gerade so schwer zu finden , wie die bekannte Nähnadel im Heuwagen . » Du hast dich hoffentlich nach dem Wege erkundigt , Hilli ? « fragte die Geliebte , und kleinlaut mußte der Geliebte gestehen , daß er weder bei Rosa von Krippen noch auf der Polizei danach angefragt habe . » Das ist aber höchst fatal , « rief Ernesta . » Was fangen wir denn nun an , Herz ? Ich glaube , dieser Weg verläuft sich immer mehr in die vollständige Wildnis . O Hilarion , du hast mich hergeführt , und ich verlasse mich ganz und gar auf dich ! « » Das sollst du auch können , Liebste , Beste , « sagte der Assessor . » Von welcher Seite sind wir denn aber eigentlich hergekommen ? « » Ich meine von dort ! « » Nein , das meine ich nicht ; denn bei unserem Eintritt in den Wald hatten wir die Sonne zur Rechten . « » Solltest du dich da nicht irren , bester Hilli ? « » Gewiß nicht ! Aber warte nur ; es führen alle Wege doch irgend wohin , und so muß doch auch dieser seine Richtung haben . Laß uns nur noch ein Streckchen weiter gehen , wir gelangen sicherlich bald auf einen gebahnteren Pfad . « Sie wanden sich noch ein Streckchen weiter durch das Unterholz , und der Jungfrau wurde es immer unbehaglicher zumute . Plötzlich stand sie von neuem still und sagte ein wenig vorwurfsvoll : » Siehst du , dieser Weg führt nirgends hin ! O Gott , was soll daraus werden , wenn es Abend , wenn es Nacht wird und wir hier noch immer in der Irre herumlaufen . Der Kutscher wird nicht warten bis morgen früh ; er wird nach Hause fahren . Wir werden den Einsiedler Konstantius nicht finden . Du hast doch nur geträumt , und ich habe mich viel zu schnell zu dieser gräßlichen Unbesonnenheit verführen lassen ! « » Mein liebes Kind – « » O , du trägst alle Verantwortung ! Du hast mich hier in die Angst , in die Verwirrung gebracht . O Gott , o Gott , was werden Papa und Mama , und der Onkel Püterich sagen ? Was wird die ganze Stadt sagen ? O Gott , da will ich doch tausendmal lieber hier in der Wildnis umkommen und mich von den wilden Tieren fressen lassen , als nach der Stadt zurückkommen und die Leute und Papa und Mama reden hören ! O , o , oh , hätte ich mich doch auf der Stelle nach Lausanne zu Madame Septchaines zurückbringen lassen ! « » Ernesta ? ! « rief der Geliebte vorwurfsvoll . » Ja , ja , Hilarion ! Mit tausend Freuden wollte ich da meine Erziehung von neuem anfangen lassen ! und auf morgen abend sind wir zu Erbachers zum Gartenfest , Konzert und Ball gebeten . Meiner Mama Pate , der junge Herr Richard , ist aus Paris zurückgekommen ! « schluchzte jetzt schon das gute Kind , obgleich die Sonne noch immer hell und freudig am Himmel stand und die Vögel lustiger und lebensmutiger denn je zwitscherten und pfiffen . Gerade jetzt aber vernahmen sie – Er und Sie – ein Kichern neben sich – vor sich , hinter sich – über sich ; sie wußten selber nicht , woher es kam . – » Was war das ? « fragten sie beide ; Oppermann , den ihnen ihr Schicksal jetzt zu Rat und Trost hersendete , war es jedenfalls nicht . Der raschelte , hustete , fluchte und schnaufte höchst menschlich und deutlich zu ihrer Linken im Busch . » Gottlob , da kommt ein Mensch ! « seufzte der Assessor bei der Regierung aus etwas befreiterer Brust ; er hatte sich selten in seinem Leben so sehr nach irgendeinem Menschen , den jungen Herrn von Erbacher vielleicht ausgenommen , gesehnt . Er , der in seinem Umgange sonst außerordentlich wählerisch war , machte in diesem Augenblicke die allerbescheidensten Ansprüche , und Oppermann genügte denselben vollständig . Er war natürlich betrunken , und jünger und hübscher war er seit dem Tage , an welchem er den Eremiten zuerst in seinem Revier entdeckte , auch nicht geworden . Als er aus dem Buschwerk hervorbrach und taumelte , stieß Ernesta einen Angstruf aus und