letztern rühmen wir uns vor allem . Der große Autor der Dassel ' schen Chronik , Meister Hans Letzner , natürlich schnöde zubenamset der Fabelhans , konnte nicht kritisch-ruhiger in den Wirrwarr seiner Tage oder insbesondere in das Getümmel des Sankt-Vitus-Festes hineingucken , als wir in diese Höxter ' sche Lärmnacht nach dem Abmarsch des Marschalls von Turenne und des Herrn von Fougerais . In der Stadt war längst alles auf den Beinen ! Der Grimm mußte heraus ; und jetzt hatte eben die Gärung den Zapfen aus dem Spundloch getrieben : sinnverwirrend ergoß sich die trübe Flut , und da wir von Corvey kommen und also wissen , wie es dort aussieht , so wissen wir auch , daß fürs erste niemand vorhanden war , der den Ölzweig über diese schlimmen Wasser hintragen oder noch besser das Öl selber in sie hineingießen konnte . Auch die Frauen befanden sich in den Gassen , und das war das Allerschlimmste . Sie , die Weiber , hatten von der französischen Einquartierung zu leiden , und zwar in mehr als einer Weise , und wahrhaftig mehr als die Männer . In welchen Winkeln hatten sie sich mit ihren heulenden , hungernden Kindern verkriechen müssen ! Glücklich noch , wenn sie nicht daraus hervorgezogen wurden , um die tägliche und nächtliche Lustbarkeit durch ihre Gegenwart zu verschönen . Nun kamen sie von ihren leeren Speiseschränken , versudelten Betten , verschweinigelten Fußböden und suchten Ihrerseits die geeigneten Persönlichkeiten und Zustände , an denen sie ihren Grimm und Groll auslassen konnten . Katholikinnen wie Lutheranerinnen waren sich darin einig , daß mehreres gesagt und getan werden müsse , ehe es wieder Ruhe und Anstand in Höxter geben könne , und an ihnen – den Höxter ' schen » Dames « – hatte der Helmstedter Relegatus , Herr Lambert Tewes , vor allem sein Vergnügen . Meister Lambert , von seinem harten Lager in der Schenke zum heiligen Veit auffahrend , wie beschrieben , schob den Horatius , der ihm als Kopfkissen gedient hatte , in die Tasche und sprang vor die Tür der Schenke . Wir haben auch bereits dem Leser mitgeteilt , daß diese Kneipe am Corveytor , also ein wenig entfernt vom Mittelpunkte der Stadt , lag . Demnach war es still in der Umgegend ; der ausgebrochene Tumult wütete mehr in der Mitte der Stadt , und weitbeinig verfügte sich der Student dorthin . » Was würde mir nun das beste Federbett nebst Schlafrock und Pantoffeln geholfen haben ? Was hilft es nunmehro dem Herrn Oheim , daß er die Zipfelkapp über die edlen Ohren zog ? Muß er nicht auch heraus ? Er muß ! Ja , ja , wieder hat es sich gezeigt , daß die Bank das einzig richtige Lager für die Zeitumstände ist . Paratus sum ! und hinein mit Lust und Mut in des Saeculums Pläsier und Jokosität . Ein einziger Jammer ist es nur , daß man hier nicht rufen kann : Bursche ' raus ! wie unter den Fittichen der hochgelobten Julia Carolina . « Es ging auch ohne das . Von einem heftigen Zulauf des Pöbels mitgezogen , tauchte er , natürlich mit dem altbekannten » Quo , quo scelesti ruitis « , jedoch ohne das diesmal in deutsche Reime zu bringen , zuerst vor der lutherischen Pfarrei aus dem wüsten Schwall auf und schwang sich auf einen Prellstein ; natürlich nur , um besser sehen zu können , was man eigentlich mit den lieben Verwandten im Sinne habe . » Sieh , sieh ! « sagte er , und die Szene war in der Tat recht kuriös zu betrachten . Die katholischen Huxarienses stürmten die lutherische Pfarrei und waren natürlich zuerst auf die Frau Pastorin gestoßen , die von der Pforte ihres Hauses aus , mit dem Besen in der Hand , den tollen Haufen fürs erste noch mit merkwürdigem Erfolg bekämpfte . Über sein Weib weg sprach der ehrwürdige Herr mit hocherhobenen Armen Vernunft , und dieses ganz vergeblich ; – sein Küster war ' s , der im Turm von Sankt Kilian am Glockenseil hing und für die Augsburgische Konfession um Hülfe läutete , während von Sankt Nikolaus herüber das Geläut kam , das für den zehnten Clemens – Altieri – sich an die städtischen Auktoritäten , das Stift Corvey , den Bischof von Münster und den dunkeln , stürmischen Nachthimmel wandte . Sie hatten Fackeln mitgebracht , die Tumultuanten , um ja an keinen Stein auf ihrem Wege zu stoßen . Bei dem flackernden Lichtschein beobachtete der Student alles ganz genau , hielt sich jedoch seinerseits vorsichtig so viel als möglich im Schatten . » Coraggio , chère tante « , jauchzte er . » Siehest du , Freund Säuberlich , das heißt man eine treffliche Quart . Pariere den ! ... Hui , der saß wieder , grad auf den Schnabel . Siehst du , mein Sohn , da hast du einen Mund voll von dem französischen Nachlaß in den Gassen von Höxter ! O papae , schlägt die Papissa eine gute Klinge ; oder besser einen saftigen Besen ! « Das tat sie ; allein zuletzt half es doch wenig gegen den übermächtigen Andrang . Sie wich , und wäre die Päpstin Johanna an ihrer Stelle gewesen , so würde die auch gewichen sein . Der Student auf seinem Steine drückte die Faust auf die Milz : » Was fällt er ihr denn in die Parade ? Soll das Wort hie mehr helfen als die Tat der Heldin ? Retro , retrorsum , Domine Pastore , halten Sie sich nicht auf ! Herr Onkel – da , da ! « Es war ungefähr so . Der würdige Herr von Sankt Kilian hatte eingesehen , daß hier sein Wort von so schlechtem Nutzen sei als der Besen seines Ehegesponses . Er hatte den Arm der Gattin erfaßt und zog sie rückwärts die Treppenstufen hinauf in die Pforte des Hauses . Hinter ihnen drein brüllte der Haufen , hinter ihnen