der Page Leubelfing mit einem rasenden Herzklopfen , wie der Lauenburger eintrat . Als ein gemeiner Reiter gekleidet , näherte er sich in kriechender und zerknirschter Haltung und reckte die Hände flehend gegen den König aus , der sich langsam erhob . Jetzt warf er sich vor ihm nieder , umfing seine Kniee , schluchzte und schrie ihn an mit den beweglichen Worten des verlorenen Sohnes : » Vater , ich habe gesündigt in den Himmel und vor dir ! « und wiederum : » Ich habe gesündigt in den Himmel und vor dir , ich bin hinfort nicht mehr wert , daß ich dein Sohn heiße ! « und er neigte das reuige Haupt . Der König aber hob ihn vom Boden und schloß ihn in seine Arme . Vor den entsetzten Augen des Pagen schwammen die sich umschlungen Haltenden wie in einem Nebel . » War das , konnte das die Wahrheit sein ? Hatte die Heiligkeit des Königs an einem Verworfenen ein Wunder gewirkt ? Oder war es eine satanische Larve ? Mißbrauchte der ruchloseste der Heuchler die Worte des reinsten Mundes ? « So zweifelte sie mit irren Sinnen und hämmernden Schläfen . Der Augenblick verrann . Die Pferde wurden gemeldet und der König rief nach seinem Lederwams . Der Kammerdiener erschien , in der Linken den verlangten Gegenstand , in der Rechten aber einen an der Halsöffnung gefaßten blanken Harnisch haltend . Da entriß ihm der Page den kugelfesten Panzer und machte Miene , dem König behülflich zu sein , denselben anzulegen . Dieser aber , ohne über die Gegenwart des Pagen erstaunt zu sein , weigerte sich mit einem unbeschreiblich freundlichen Blick und fuhr Leubelfing durch das krause Stirnhaar , wie er zu tun pflegte . » Gust « , sagte er , » das geht nicht . Er drückt . Gib das Wams . « Kurz nachher sprengte der König davon , links und rechts hinter sich den Lauenburger und seinen Pagen Leubelfing . V V In der Pfarre des hinter der schwedischen Schlachtlinie liegenden Dorfes Meuchen saß gegen Mitternacht der verwitwete Magister Todänus hinter seiner Foliobibel und las seiner Haushälterin , Frau Ida , einer zarten und ebenfalls verwitweten Person , die Bußpsalmen Davids vor . Der Magister – übrigens ein wehrhafter Mann mit einem derben , grauen Knebelbarte , der ein paar Jugendjahre unter den Waffen verlebt – betete dann Inbrünstig mit Frau Ida für die Erhaltung des protestantischen Helden , der eben jetzt in kleiner Entfernung das Schlachtfeld , er wußte nicht , ob behauptet oder verloren hatte . Da pochte es heftig an das Hoftor und die geistergläubige Frau Ida erriet , daß sich ein Sterbender melde . Es war so . Dem öffnenden Pfarrer wankte ein junger Mensch entgegen , bleich wie der Tod , mit weit geöffneten Fieberaugen , barhaupt , an der Stirn eine klaffende Wunde . Hinter ihm hob ein anderer einen Toten vom Pferde , einen schweren Mann . In diesem erkannte der Pfarrer trotz der entstellenden Wunden den König von Schweden , welchen er in Leipzig einziehen gesehen und dessen wohlgetroffener Holzschnitt hier in seinem Zimmer hing . Tief ergriffen bedeckte er das Gesicht mit den Händen und schluchzte . In fieberischer Geschäftigkeit und mit hastiger Zunge begehrte der verwundete Jüngling , daß sein König im Chor der anstoßenden Kirche aufgebahrt werde . Zuerst aber forderte er laues Wasser und einen Schwamm , um das Haupt voll Blut und Wunden zu reinigen . Dann legte er mit der Hilfe des Gefährten den Toten , welcher seinen Armen zu schwer war , auf ein ärmliches Ruhebett , sank daran nieder und betrachtete das wachsfarbene Antlitz liebevoll . Als er es aber mit dem Schwamm berühren wollte , wurde er ohnmächtig und glitt vorwärts auf den Leichnam . Sein Gefährte hob ihn auf , sah näher zu und bemerkte außer der Stirnwunde eine zweite , eine Brustwunde Durch einen frischen Riß im Rocke neben einem über dem Herzen liegenden geflickten Risse sickerte Blut . Das Gewand seines Kameraden vorsichtig öffnend , traute der schwedische Kornett seinen Augen nicht . » Hol mich ! straf mich ! « stotterte er , und Frau Ida , welche die Schüssel mit dem Wasser hielt , errötete über und über . In diesem Augenblick wurde die Tür aufgerissen und der Oberst Ake Tott trat herein . In Proviantsachen rückwärts gesendet , war er nach verrichtetem Geschäfte dem Schlachtfelde wieder zugeeilt und hatte in der Dorfgasse , vor dem Kruge ein Glas Branntwein stürzend , die Mär vernommen von einem im Sattel wankenden Reiter , der einen Toten vor sich auf dem Pferde gehalten . » Ist es wahr , ist es möglich ? « schrie er und stürzte auf seinen König zu , dessen Hand er ergriff und mit Tränen benetzte . Nach einer Weile sich umwendend , erblickte er den Jüngling , welcher in einem Lehnsessel ausgestreckt lag , seiner Sinne unmächtig . » Alle Teufel « , rief er zornig , » so hat sich die Gustel doch wieder an den König gehängt ! « » Ich fand den jungen Herrn , meinen Kameraden « , bemerkte der Kornett vorsichtig , » wie er , den toten König vor sich auf dem Pferde haltend , über das Schlachtfeld sprengte . Er hat sich für die Majestät geopfert ! « » Nein , für mich ! « unterbrach ihn ein langer Mensch mit einem Altweibergesicht . Es war der Kaufherr Laubfinger . Um eine beträchtliche durch den Krieg gefährdete Schuld einzutreiben , hatte er sich aus dem sichern Leipzig herausgewagt und unwissend dem Schlachtfelde genähert . In die von Gepäckwagen gestaute Dorfgasse geraten , war er dann dem Obersten nachgegangen , ihn um eine salva guardia zu ersuchen . In einem überströmenden Gefühle von Dankbarkeit und von Erleichterung erzählte er jetzt den Anwesenden umständlich die Geschichte seiner Familie . » Gustel , Gustel « , weinte er , » kennst du noch dein leibliches Vetterchen ? Wie kann