geführt werden müssen . Herr Karl sitzt in Mediolanum , wie wir wissen . So braucht es dir nicht zu eilen . « » Ich lag schon zu lange hier , mich verlangt in den Bügel « , sagte der Höfling und die Richterin erwiderte nachgiebig : » Dann schenkst du mir noch diesen Tag . Ich sähe es gerne , wenn du Palma verlobtest . Warum Gnadenreich sich hier nicht blicken läßt ? Er hält sich wohl in seinem Pratum eingeschlossen , der Lombarden halber , vorsichtig wie er ist , obschon , wie ich glaube , diese hier verstoben sind . Weißt du was ? Geh und bring ihn . Oder wüßtest du deiner Schwester einen bessern Mann ? « » Nein , Frau , wenn sie ihn mag ! Doch was habe ich dabei zu raten und zu tun ? Das ist deine Sache und die des Pfaffen , der sie zusammengibt . Ich will den Rappen satteln gehen , den du mir geschenkt hast . « Sie blickte ihn mit besorgten Augen an . » Was ist dir , Wulfrin ? Du siehst bleich ! Ist dir nicht wohl hier ? Und mit Palma gehst du um wie mit einer Puppe , du stößest sie weg und dann hätschelst du sie wieder . Du verdirbst mir das Mädchen . Wo hast du solche Sitte gelernt ? « » Sie ist aufdringlich « , sagte er . » Ich liebe freie Ellbogen und kann es nicht leiden , daß man sich an mich hängt . Sie läuft mir nach , und wenn ich sie schicke , weint sie . Dann muß ich sie wieder trösten . Es ist unerträglich ! Ich habe die Gewohnheit breiter Ebenen und großer Räume – auf diesem Felsstück ist alles zusammengeschoben . Das Gebirge drückt , der Hof beengt , der Strom schüttert – an jeder Ecke , auf jeder Treppe dieselben Gesichter ! Verwünschtes Malmort ! Hier hältst du mich nicht . Hier lasse ich mich nicht einmauern . Mache dir keine Rechnung , Frau . « » Du tust mir wehe « , sagte sie . Die harte Rede reute ihn . » Frau , laß mich ziehen ! « bat er . » Und daß du dich zufriedengebest , hole ich dir heute noch den Gnadenreich und wir verloben die Schwester . Wo haust er ? « » Ich danke dir , Wulfrin . Graciosus wohnt nicht ferne von hier , in Pratum . « Sie deutete nach einer zerrissenen Schlucht , über welcher eine grüne Alp hoch emporstieg . » Ich gebe dir einen Führer . Den Knaben hier . « Sie zeigte in den Hof hinunter , wo ein Hirtenbube sich damit beschäftigte eine Sense zu wetzen . Palma stand neben ihm und plauderte . » Gabriel « , rief ihn die Richterin , » du führst deinen Herrn Wulfrin nach Pratum . « » Den Höfling ? Mit Freuden ! « jauchzte der Bube . » Er träumt davon « , erklärte die Richterin , » hinter dem Kaiser zu reiten . Besieh dir ihn . « » Darf ich mit ? « fragte Palma und hob das Haupt . » Nein « , sagte die Richterin . » Bruder ! « bat sie und streckte die Hände . » Schon wieder ! Zum Teufel ! « fluchte er . Ihre Augen füllten sich mit Tränen . » So komm , Närrchen ! « Da die dreie barhaupt und reisefertig in dem feuchten Tore standen , während ringsum die Sonne brannte , sagte die geleitende Richterin zu Wulfrin : » Ich anvertraue dir Palma : hüte sie ! « » Halleluja ! Voran , Engel Gabriel ! « jubelte das Mädchen . Unten am Burgweg sagte der Hirtenbube : » Herr , es gibt zwei Wege nach Pratum . Der eine steigt durch die Schlucht , der andere über die Alp . « Er wies mit der Hand . » Wenn es dir und der jungen Herrin beliebt , so nehmen wir diesen . Oben schaut es sich weit und lustig und es könnte trübe werden gegen Abend . Es ist ein Gewitterchen in der Luft . « » Ja , über die Alp , Wulfrin ! « rief Palma . » Ich will dir dort meinen See zeigen « , und leichtgeschürzt schlug sie sich über eine lichte Matte , die bald zu steigen begann und immer steiler wurde . Leicht wie auf Flügeln , mit frei atmender Brust ging das Mädchen bergan und blieb unter der sengenden Sonne frisch und kühl wie eine springende Quelle . Der Berg hatte an dem Kinde seine Freude . Glänzende Falter umgaukelten ihr das Haupt und der Wind spielte mit ihrem Blondhaar . Wulfrin schaute um nach Malmort , das grau schimmernd kaum aus der Morgenlandschaft hervortrat . » Wie geschah mir « , fragte er sich , » in jenem Gemäuer dort ? Wie konnte mich dieses unschuldige Geschöpf beängstigen , dieses fröhliche Gespiel , diese behende Gems mit hellen Augen und flüchtigen Füßen ? « Ihm wurde wohl und er mochte es gerne , daß der Knabe zu plaudern begann . Gabriel erzählte von den Lombarden , welche er als Späher der Richterin beschlichen hatte . Sie seien überall und nirgends . Sie nisten in den Pässen , belauern die Boten und plündern die Säumer . Sie berauschen sich in dem geraubten heißen Weine von drüben , prahlen mit besiegten Waffen , fabeln von der Herstellung der eisernen Krone und leugnen oder lästern den Weltlauf . Sie beten den Teufel an , der das Regiment führe , » und doch « , endigte der Knabe , » sind sie gläubige Christen , denn sie stehlen aus unsern Kirchen alles heilige Gebein zusammen , soviel sie davon erwischen können . Es ist Zeit , daß der Herr Kaiser zum Rechten sehe und ihnen feste Bezirke und einen Richter gebe . « Da nun Gabriel bei dem Kaiser