eine Genossenschaft von Mördern hinzuweisen und seinen tugendhaften Gönner – denn Guiche war ein eifriger Kirchgänger – in einer seiner wirkungsvollen Abendpredigten als Märtyrer des katholischen Glaubens auszurufen . Der Kopf schmerzt mich , Schadau , und ich will mich zur Ruhe begeben Laßt Euch von Gasparde den Abendtrunk kredenzen . « Gasparde stand während dieses Gesprächs neben dem Sitze des alten Herrn , auf dessen Rückenlehne sie sich nachdenkend stützte . Sie war heute sehr blaß und tiefernst blickten ihre großen blauen Augen . Als wir allein waren , standen wir uns einige Augenblicke schweigend gegenüber . Jetzt stieg der schlimme Verdacht in mir auf , daß sie , die selbst mich zu ihrer Verteidigung aufgefordert , nun vor dem Blutbefleckten schaudernd zurücktrete . Die seltsamen Umstände , die mich gerettet hatten und die ich Gasparde nicht mitteilen konnte , ohne ihr calvinistisches Gefühl schwer zu verletzen , verwirrten mein Gewissen mehr , als die nach Mannesbegriffen leichte Blutschuld es belastete . Gasparde fühlte mir an , daß meine Seele beschwert war , und konnte den Grund davon allein in der Tötung des Grafen und den daraus unsrer Partei erwachsenden Nachteilen suchen . Nach einer Weile sagte sie mit gepreßter Stimme : » Du also hast den Grafen umgebracht ? « » Ich « , war meine Antwort . Wieder schwieg sie . Dann trat sie mit plötzlichem Entschlusse an mich heran , umschlang mich mit beiden Armen und küßte mich inbrünstig auf den Mund . » Was du immer verbrochen hast « , sagte sie fest , » ich bin deine Mitschuldige . Um meinetwillen hast du die Tat begangen Ich bin es , die dich in Sünde gestürzt hat . Du hast dein Leben für mich eingesetzt . Ich möchte es dir vergelten , doch wie kann ich es . « – Ich faßte ihre beiden Hände und rief : » Gasparde , laß mich , wie heute , so morgen und immerdar dein Beschützer sein ! Teile mit mir Gefahr und Rettung , Schuld und Heil ! Eins und untrennbar laß uns sein bis zum Tode ! « » Eins und untrennbar ! « sagte sie . Siebentes Kapitel Siebentes Kapitel Seit dem verhängnisvollen Tage , an welchem ich Guiche getötet und Gaspardes Liebe gewonnen hatte , war ein Monat verstrichen . Täglich schrieb ich im Kabinett des Admirals , der mit meiner Arbeit zufrieden schien und mich mit steigendem Vertrauen behandelte . Ich fühlte , daß ihm die Innigkeit meines Verhältnisses zu Gasparde nicht unbekannt geblieben war , ohne daß er es jedoch mit einem Worte berührt hätte . Während dieser Zeit hatte sich die Lage der Protestanten in Paris sichtlich verschlimmert . Der Einfall in Flandern war mißlungen und der Rückschlag machte sich am Hofe und in der öffentlichen Stimmung fühlbar . Die Hochzeit des Königs von Navarra mit Karls reizender aber leichtfertiger Schwester erweiterte die Kluft zwischen den beiden Parteien , statt sie zu überbrücken . Kurz vorher war Jeanne d ' Albret , die wegen ihres persönlichen Wertes von den Hugenotten hoch verehrte Mutter des Navarresen plötzlich gestorben , an Gift , so hieß es . Am Hochzeittage selber schritt der Admiral , statt der Messe beizuwohnen , auf dem Platze vor Notre-Dame in gemessenem Gange auf und nieder und sprach , er der sonst so Vorsichtige , ein Wort aus , das in bitterster Feindseligkeit gegen ihn ausgebeutet wurde . » Notre-Dame « , sagte er , » ist mit den Fahnen behängt , die man uns im Bürgerkriege abgenommen ; sie müssen weg und ehrenvollere Trophäen an ihre Stelle ! « Damit meinte er spanische Fahnen , aber das Wort wurde falsch gedeutet . Coligny sandte mich mit einem Auftrage nach Orleans , wo deutsche Reiterei lag . Als ich von dort zurückkehrte und meine Wohnung betrat , kam mir Gilbert mit entstellter Miene entgegen . » Wißt Ihr schon , Herr Hauptmann « , jammerte er , » daß der Admiral gestern meuchlerisch verwundet worden ist , als er aus dem Louvre nach seinem Palaste zurückkehrte ? Nicht tödlich , sagt man ; aber bei seinem Alter und der kummervollen Sorge , die auf ihm lastet , wer kann wissen , wie das endet ! Und stirbt er , was soll aus uns werden ? « – Ich begab mich schleunig nach der Wohnung des Admirals , wo ich abgewiesen wurde . Der Pförtner sagte mir , es sei hoher Besuch im Hause , der König und die Königinmutter . Dies beruhigte mich , da ich in meiner Arglosigkeit daraus schloß , unmöglich könne Katharina an der Untat Anteil haben , wenn sie selbst das Opfer besuche . Der König aber , versicherte der Pförtner , sei wütend über den tückischen Angriff auf das Leben seines väterlichen Freundes . Jetzt wandte ich meine Schritte zurück nach der Wohnung des Parlamentrats , den ich in lebhaftem Gespräche mit einer merkwürdigen Persönlichkeit fand , einem Manne in mittleren Jahren , dessen bewegtes Gebärdenspiel den Südfranzosen verriet und der den St. Michaelsorden trug . Noch nie hatte ich in klugere Augen geblickt . Sie leuchteten von Geist und in den zahllosen Falten und Linien um Augen und Mund bewegte sich ein unruhiges Spiel schalkhafter und scharfsinniger Gedanken . » Gut , daß Ihr kommt , Schadau ! « rief mir der Rat entgegen , während ich unwillkürlich das unschuldige Antlitz Gaspardes , in dem nur die Lauterkeit einer einfachen und starken Seele sich spiegelte , mit der weltklugen Miene des Gastes verglich , » gut , daß Ihr kommt ! Herr Montaigne will mich mit Gewalt nach seinem Schlosse in Perigord entführen . « ... » Wir wollen dort den Horaz zusammen lesen « , warf der Fremdling ein , » wie wir es vorzeiten in den Bädern von Aix taten , wo ich das Vergnügen hatte , den Herrn Rat kennenzulernen . « – » Meint Ihr , Montaigne « , fuhr der Rat fort , » ich dürfe die Kinder