das Mädchen gern ? « warf die Majorin trocken ein . » Ja , leidenschaftlich gern . Aber sie will der eigenen Lust am Beruf , dem Ruhm und Glanz einer solchen Laufbahn entsagen um meinetwillen – « seine Stimme sank und schmolz dabei in Weichheit und Zärtlichkeit – » du kannst danach ermessen , wie lieb sie mich hat , Mama . « Ein ausdrucksvolles , spöttisches Kopfnicken der Majorin war die Antwort . » Und die ausbeutelustige Mama in Berlin hat , wie mir allmählich klar wird , keine Ahnung von diesen beglückenden Plänen und Wünschen ? « fragte der Rat . » Nein , « antwortete Felix gepreßt – es lag so viel aufreizender Hohn in jeder Bewegung , jedem Ton der Inquirierenden . Dennoch bezähmte er sich und setzte hinzu : » Ich muß als ehrlicher Mann erst feststellen , was ich Madame Fourniers eigenen Plänen und den Bewerbungen des anderen Freiers gegenüber in die Wagschale legen darf ... « » Nun , darüber kannst du doch unmöglich im unklaren sein , « sagte der Rat . » Ich dächte , deine Besoldung als Referendar ließe sich unschwer beziffern – sie dürfte just ausreichen , um Mademoiselle Fourniers Stecknadelbedarf zu bestreiten . « Eine Flamme der Entrüstung ... der zornigen Scham schlug über das Gesicht des jungen Mannes hin ; aber noch hielt er an sich . » Ich bin entschlossen , aus dem Staatsdienst zu scheiden und mich hier in der Stadt als Notar niederzulassen – « In diesem Augenblicke legte sich die Hand der Majorin schwer auf seine Schulter , und noch nie hatte ihm die Stimme seiner strengen Mutter so unerbittlich , so vernichtend geklungen , als jetzt , wo sie sagte : » Besinne dich , Felix – ich vermute , du sprichst im Fieber ! Um die Nebel in deinem Kopfe gründlich zu zerstreuen , will ich dir klarmachen , was du dieser Madame Fournier , die ein Haus macht wie eine Fürstin , die eine hochadelige Partie für ihre Tochter zurückweist , und millionenfachen Reichtum von den Ballettsprüngen ihrer Schülerin erwartet , der strengen Wahrheit gemäß zu sagen haben wirst : Ich habe keine Laufbahn vor mir , besitze keinen Heller eigenen Vermögens und muß von dem leben , was mir meine Klienten einbringen . Ihre Prinzessin Tochter wird die Kochschürze umbinden und wohl oder übel schadhafte Wäsche ausbessern müssen ; ihre gesellschaftlichen Talente kann sie bei mir nicht verwerten ; denn die gute Stube eines unbemittelten Notars ist kein Empfangsalon , in dem sich hochgräflicher Besuch einzufinden pflegt – meiner Mutter aber darf ich sie nie vor die Augen bringen . « » Oh , Mutter ! « rief der junge Mann . » Mein Sohn , « fuhr sie fort , ohne den Aufschrei voll Schmerz und Qual zu beachten , » du wünschtest vorhin , reich , sehr reich zu sein , und wie ich jetzt verstehe , hattest du allen Grund dazu , denn ein › fürstlicher ‹ Haushalt kostet Geld . Du meinst nun , das Vermögen deiner Mutter falle bedeutend in die Wagschale , und darin hast du vielleicht nicht ganz unrecht ; aber dieses Vermögen ist Pfennig um Pfennig , Groschen um Groschen von einer braven , ehrlich arbeitenden Familie drei Jahrhunderte hindurch sorgfältig aufgesammelt worden , und das sage ich dir – « sie hob die Rechte und ihre ebenmäßige , hohe Gestalt reckte sich in unerbittlicher Strenge gebietend auf – » ehe ich das Vermächtnis meiner Familie in einer liederlichen Theaterwirtschaft verprassen lasse , eher vermache ich es bei Heller und Pfennig an den Namen Wolfram zurück – danach richte dich ! « » Das ist deine endgültige Entscheidung , Mutter ? « fragte der Sohn mit blassen Lippen , und seine schönen , blauen Augen blickten wie erloschen . » Meine endgültige Entscheidung ... Schlage dir das Mädchen aus dem Sinne – du mußt es können , das sage ich dir ein für allemal ! Ich will nur dein Bestes – später wirst du mir ' s danken . « » Für zerstörtes Lebensglück dankt man nicht , « versetzte er , und jetzt erhob sich seine Stimme in unaufhaltsam hervorbrechendem Groll zu einem allmählich wachsenden Sturm , den er selbst nicht mehr zu beschwören vermochte . » Schütte du deine Kapitalien immerhin dem kleinen Wolfram in die Wiege – sie sind dein Ererbtes , du kannst damit schalten und walten , wie es dir beliebt . Dagegen hast du deinen Einspruch in meine Herzensangelegenheit verwirkt ... Du greifst stets selbstsüchtig in mein Leben ein , als sei ich deine Sache , ein Gegenstand ohne Blut und Leben , ein Stück Wachs , das du im Wolframschen Geiste ummodeln könntest ... Du hast einst meinem Schicksalsgang eigenmächtig eine Wendung gegeben , die ich einen unverantwortlichen Raub nenne . Ich war damals ein Kind , das an deiner Hand mitgehen mußte , wohin du es führtest . Jetzt aber habe ich meinen eigenen Willen – ein zweites Mal lasse ich mich nicht in unmenschlicher Grausamkeit berauben ! « » Jesus ! « stöhnte die Majorin auf , als habe sie einen Todesstoß erhalten . Sie hatte eine halbe Wendung , wie zur Flucht , nach der Türe zu gemacht – dort stand sie mit unwillkürlich erhobenen Händen und starrte voll Entsetzen nach dem Sohn zurück . Dem Rat aber lief eine dicke Zornader über die Stirn hin ; er ergriff den jungen Mann am Arme und rüttelte ihn in brutaler Weise . » Was ist das für eine Sprache , du armseliger Bursche ! « schalt er . » Was hat man dir gestohlen , du Habenichts ? Wirst du mir wohl erklären , inwiefern du beraubt worden bist ? « – » Als man mir das Vaterhaus nahm , « entgegnete Felix mit erschütterndem Stimmklang , indem er mittels einer energischen Wendung seines schlanken Körpers die Hand des Onkels von sich schüttelte . » Wenn ein Vater stirbt , so