glücklich überwunden , und ich finde nun auch Zeit , mich an unserem Stilleben und Joachims heiterem , zufriedenem Gesichte zu erquicken . « » In der Tat : Er sieht Sie mit heiterem Gesicht Magddienste verrichten ? « Lothars Augen sahen sie spottblitzend an . » Glauben Sie , ich wüßte nicht zu verhüten , daß er mich beim häuslichen Schaffen sieht ? « gab sie heiter lächelnd zurück . » Und dazu bedarf es wahrlich keiner besonderen Schlauheit . Joachim schreibt von früh bis spät an seinem Reisewerke über Spanien , in welches er seine schönsten Gedichte einwebt . Und bei diesem beglückenden Schaffen steht er außerhalb des wirklichen Lebens mit seinen kleinlichen Sorgen und Bedrängnissen . Er ist ein Mensch , der auf harten Dielen so gut schläft wie im weichen Bette , der ausschließlich bei Milch und Schwarzbrot zufrieden leben kann . Aber Liebe braucht sein zärtliches Gemüt , liebevolles Verstehen , und das findet er stets , wenn er aus seiner stillen Glockenstube zu den Seinen herabkommt . O ja , ich darf mir sagen , daß ich meine neue Lebensaufgabe begriffen habe – Joachim ist eine echte Dichternatur , die mir keine geringere als Frau Poesie in Pflege und Obhut gegeben hat ! « Sie erhob sich und griff nach Hut und Handschuhen . » Und nun will ich heimgehen und für den Abendtisch noch Eierkuchen backen . Lache nicht , Beate « , – sie stimmte aber selbst für einen Augenblick herzlich in das Lachen der Pensionsschwester ein – » meine gute Lindenmeyer ist ganz stolz auf ' die flinke Art und Weise , wie ihre Schülerin den Kuchen auf die andere Seite zu schwenken versteht . « » Das müßte deine alte Hoheit sehen ! « » Es würde ihr gefallen , das weiß ich . Sie ist eine deutsche Frau , und das hausmütterliche Element steckt ihr im Blute , wenn sie auch fürstlich geboren ist . « » Ob es ihr aber gefiele , wenn das bittere Muß sie plötzlich aus ihrem Audienzzimmer an den Küchenherd versetzen würde ? Der Wechsel zwischen Licht und Schatten , wie du ihn auf dich genommen hast , ist zu grell . « » Beruhige dich , Beate ! « unterbrach sie ihr Bruder mit hörbarer Ironie . » Diese Prüfung währt nicht lange . Sie ist ja nur ein Übergangsstadium , so eine Art Märchenepisode wie König Drosselbart . Ehe du dich dessen versiehst , wird ein Sonnenglanz die vermeintliche Schattenblume bescheinen , ein Sonnenglanz , um welchen sie alle Rosen von Schiras beneiden müssen . « Die beiden Geschwister hatten bereits unbemerkt einen Blick des Einverständnisses gewechselt , und jetzt bei seinen letzten Worten verbeugte sich Baron Lothar und verließ rasch das Zimmer . » Er phantasiert , wie es scheint ! « meinte Beate achselzuckend und sichtlich verständnislos , indem sie nach der Tür schritt , die in das Nebenzimmer führte . » Einen Augenblick Geduld , Klaudine , ich will mich nur ein wenig umkleiden , denn ich möchte dich begleiten ! « 5. Klaudine trat einstweilen wieder an das Fenster zurück . Ihre Wangen brannten und die feinen Brauen zogen sich in finsterem Brüten zusammen . Was alles mochten Bosheit und Leichtfertigkeit im Herzogsschloß ersinnen , um ihr , die mutig einen ihr besseres Selbst rettenden Schritt getan , Steine nachzuwerfen ! Und womit hatte sie den Mann , der eben hinausging , je so beleidigt und gereizt , daß er ihr mit anscheinend scherzhaft hingeworfenen , aber in Wahrheit verletzenden Bemerkungen das kaum beschwichtigte Herz aufregen durfte ? Da draußen , dem Fenster ziemlich nahe , stand der Wagen mit seinem Kinde . War er verbittert und ließ es andere entgelten , weil sie von ihm gegangen war , die fürstliche Frau , die seinem Dasein einen unerhörten Glanz gegeben hatte ? Er mochte freilich schwer tragen an seinem Geschick . Sie war ihm für immer entrissen , und was ihm von ihr geblieben , da lag es , gebrechlich und hilflos , und der glänzende Reichtum , den die Prinzessin hinterlassen , vermochte nicht , ihrem Kinde so viel Kraft zu geben , daß es auf seinen Füßen treten konnte ! Wieviel war schon um dieses winzige Geschöpfchen gekämpft und gestritten worden ! Die Großmutter , die Prinzessin Thekla , die sich über den Tod ihrer Lieblingstochter nicht beruhigen konnte , war selbst in Italien gewesen , um sich das Kind zu erbitten , aber Baron Lothar hatte sie entschieden zurückgewiesen . Nun flüsterte man bei Hofe , die alte Dame verfolge den Plan , dem verwitweten Schwiegersohn die ihr gebliebene Tochter , Prinzessin Helene , als zweite Frau zu geben , damit das geliebte Enkelkind nicht in die Hände einer fremden Stiefmutter falle , und einige Kluge , die das Gras wachsen hörten , wollten wissen , daß die junge Prinzessin nicht » nein « sagen würde , da sie ja schon zur Zeit der Brautschaft ihrer Schwester eine stille Neigung für den schönen Schwager gehegt habe . Prinzessin Helene war hübscher als die Verstorbene , aber sie hatte auch die großen , unheimlichen Funkelaugen , mit denen das Kind da draußen unverwandt hinauf in das Lindengeäst starrte , während eine alte Kinderfrau strickend neben dem Wagen saß . Ein starkes Räderrollen erschütterte den Boden unter den Füßen der jungen Dame , und gleich darauf trat Beate , zum Ausgehen umgekleidet , wieder in das Zimmer . Sie nahm das Weidenkörbchen mit den Erdbeeren vom Tische und hing es an den Arm . » Für deine kleine Elisabeth « , sagte sie zu Klaudine , und ein roter Schimmer lief über ihr Gesicht . Zuckerdose und Kuchenreste wurden noch eiligst im Wandschrank verschlossen , dann ging es fürbaß . Draußen vor der offenen Haustür hielt ein Wagen mit zurückgeschlagenem Verdeck . Baron Lothar saß auf dem Bock und hielt die Zügel . » Vorwärts , Schatz ! « trieb Beate , als Klaudine wie erschreckt auf