am Ende ein ehrliches Herz nichts , und ein fester Wille ? Wäre nur der Amtsrichter hier , und er könnte ihn fragen . – Er hatte während dieser Gedanken die Lampe angezündet . Da lag die verbogene Visitenkarte auf dem Tische , die ihm Tante Rosalie gegeben . » Artur Fredrich . « Er lächelte , als er an den kleinen unbedeutenden Menschen dachte , dem die Schwester ihr Herz geschenkt hatte , und er konnte sich Trudchen nicht neben ihm vorstellen . Endlich ein Gegenbesuch von ihm ! Und da standen ja auch einige mit Bleistift halbverwischte geschriebene Worte : » Bedauert herzlich , Sie nicht getroffen zu haben und bittet , am zweiten Weihnachtsfeiertage ein einfaches Souper in seinem Hause annehmen zu wollen . « Es war die erste Einladung in Trudchens Vaterhaus . Er schrieb sofort ein zusagendes Billett . Dann besann er sich , daß er den Schlitten bestellt habe , um einige Besorgungen in der Stadt für das Fest zu machen . Die Karte wollte er durch den Hausknecht des Hotels hinüberschicken . 66 Das Weihnachtsfest war vorüber , und der dritte Festtag mit Tauwetter und Regen gekommen . Er nahm die leuchtendweiße Schneedecke von der Erde , als sei sie eben auch nur ein Festtagsschmuck gewesen , und für die gewöhnlichen Tage der schwarze Erdboden gut genug . Frau Baumhagen saß recht verdrießlich in ihrem Zimmer am Fenster und schaute über den Markt hinweg . Sie hatte etwas Kopfweh und überdies – heute lag so gar nichts vor , kein Theater , keine Gesellschaft , nicht einmal ein Whist ; und gestern war es bei Jenny sehr langweilig gewesen . Zu guter Letzt hatte sie sich über Gertrud ärgern müssen , die sich gegen alle Gewohnheit lebhaft mit ihrem Tischnachbarn unterhalten hatte , jenem Fremden , der ihr damals in der Kirche nachgelaufen war . Es war eine Ungeschicklichkeit von den Kindern , ihr den Platz an seiner Seite zu geben . » Einen Brief , Frau Baumhagen . « Sophie brachte ein Schreiben in einfachem , weißem Umschlag . » Ohne Poststempel ? Wer hat es abgegeben ? « fragte sie , die Handschrift betrachtend , die ihr völlig fremd erschien . » Ein alter Diener oder Kutscher , ich kenne ihn nicht . « Kopfschüttelnd erbrach Frau Ottilie Baumhagen den Brief und las . Mit hochrotem Gesicht stand sie dann auf und rief : » Gertrud ! Gertrud ! « 67 Das junge Mädchen kam sofort herüber in das Zimmer der Mutter . Die kleine lebhafte Frau war schon an der Klingel gewesen und befahl der eintretenden Sophie : » Rufe die Jenny und meinen Schwiegersohn , aber rasch sollen sie kommen , rasch ! – Gertrud , ich bitte dich , was sind das für Überfälle ! ich muß mich erst sammeln , erst – « » Mama « , bat das Mädchen leicht erblaßt , » laß uns beide allein sprechen – weshalb Jenny und Artur ? – « » Weißt du denn , worum es sich handelt ? « rief die erregte Frau . » Ja ! « erwiderte Trudchen fest und kam durch das Zimmer bis zum Lehnstuhl , in den die Mutter sich gesetzt hatte . » Mit deiner Einwilligung , Kind – Gertrud ? « » Mit meiner Einwilligung , Mama « , wiederholte das Mädchen , und nun färbte ein helles , klares Rot das schöne Gesicht . Frau Baumhagen sprach kein Wort mehr , sie fing bitterlich an zu weinen . » Wann hast du ihm gestattet , an mich zu schreiben ? « fragte sie nach einer langen Pause und trocknete sich die Augen . » Gestern , Mama . « In diesem Moment steckte Jenny den hübschen , blonden Kopf durch die Tür . » Jenny ! « rief Frau Baumhagen . Wieder 68 stürzten ihr die Tränen aus den Augen , und der eigensinnige Zug um den Mund trat noch schärfer hervor . » Um Gottes willen , was ist denn geschehen ? « fragte die junge Frau . » Jenny ! Kind ! Gertrud hat sich verlobt ! « Frau Jenny faßte sich sehr bald . » Mein Gott « , sagte sie leichthin , » ist denn das ein Unglück ? « » Aber mit wem ! Mit wem ! « rief die Mutter . » Nun ? « erkundigte sich Jenny . » Mit diesem – dem – gestern – Linden heißt er , Franz Linden ! Da steht es schwarz auf weiß – einem Menschen , den ich kaum dreimal gesehen habe ! « Die Augen der jungen Frau richteten sich groß und verwundert auf Trudchen , die noch immer hinter dem Sessel der Mutter stand . » Aber , um Gottes willen « , sagte sie , » wie kommst du zu dem , Gertrud ? « » Wie bist du zu Artur gekommen ? « fragte das Mädchen , sich hoch aufrichtend ; » wie kommt man überhaupt zueinander ? Ich weiß es nicht , ich weiß nur , daß ich ihn sehr liebhabe , und daß ich ihm mein Wort gegeben habe . « » Wann denn , um des Himmels willen ? « » Gestern abend in deinem roten Zimmer , Jenny – wenn du meinst , das Wann tue etwas zur Sache . « » Aber so ohne jede Vorbereitung , so plötzlich ? Was hast du für Garantien , daß er – « » Mindestens ebenso viele Garantien « , unterbrach 69 Trudchen , blaß bis in die Lippen , die klagende Mutter , » als wenn ich vor kurzem den Antrag des Leutnants von Löwenberg angenommen hätte . « » Ja , ja , da hat sie recht , Mama « , erklärte Jenny . » Nun , natürlich ! « klang es zurück . » Ich soll gleich ja und amen sagen ! Da muß ich erst mit Artur sprechen und mit Tante Pauline und mit Onkel Heinrich