« » Schadet nichts ; die Ostersonne trocknet ihn wieder . « » Hm ! Wie viel Eier legt er denn , Großma ? « » Nun – wie viel möchtest du denn haben , Herzchen ? « » Hundert ! « sagte das Kind , und sein Gesichtchen wurde ganz rot vor Entzücken . » Das ist wohl zuviel , « meinte die alte Dame , » du mußt weniger fordern , sonst kommt er nicht ; wie kann so ' n armer Hase gleich hundert Eier legen ? « » Nun , dann tausend ! « sagte der Kleine , » dann bloß tausend ! « und dabei streckte er die Ärmchen gegen mich aus und wollte hoch gehoben sein , um den Fluß fehen zu können , durch den der Osterhase schwimmen werde . 64 Ich nahm ihn hoch und er machte große Augen , als er das schäumende gurgelnde Wasser sah , das mit rapider Schnelligkeit über das Wehr schoß . Auch Großmutter blickte hinüber . » Es hat zu rasch getaut in den Bergen , Liesel , « sagte sie , » hoffentlich steigt die Inne nicht noch mehr , es könnte mich sonst meine Hyazinthenrabatten kosten . « In diesem Augenblick , ich hielt den Kleinen noch auf dem Arm , kam die » Neue « , wie sie noch immer hieß , mit zwei gefüllten Eimern durch das Pförtchen in der niedrigen Mauer vom Fluß herauf und ging dem Hause zu . Sie dachte nicht daran , die Tür wieder zu schließen , von welcher einige Holzstufen zur Schöpfstelle hinunter führten , deren zweite bereits vom Wasser bespült wurde . Großmutter blieb stehen und rief ihr nach : » He – du – Auguste , schließe die Tür , « und einen besorgten Blick auf den Liebling werfend , der noch immer von meinem Arm herab das tosende Wasser anstaunte , setzte sie hinzu : » Noch dazu jetzt , wo Kinder im Hause sind . Vergiß es nicht wieder , hörst du ? « Und in ihrer alten Schalkhaftigkeit , die sie immer so jung erscheinen ließ , rief sie : » Nommels Großmutter hat auch stets die Tür zugemacht . « Die » Neue « wurde dunkelrot , knallte die Pforte zu , ergriff ihre Eimer und ging stolz wie ein Spanier von dannen . Wir lachten beide , und das Kind , das dies bemerkte , schrie vor Vergnügen , nur weil es seine Urgroßmutter lachen sah . Es war auch so ansteckend , dieses Lachen der alten Frau , so herzensgut , so harmlos , fast kindlich . » Paß auf , Liesel , « meinte 65 sie schalkhaft , » nun habe ich bei Auguste ins Fettnäpfchen getreten . « Kathrin hatte indessen lediglich ihrer Küche gelebt . Über all unserem Jubel , den Familienbesuchen , dem Spielen mit den Kindern hatte ich es ganz vergessen , sie noch einmal zu fragen , ob sie nun eine Stelle habe oder nicht . Großmutter , die ich darum anging , wußte nichts und behauptete , Kathrin lege es darauf an , zu bleiben , denn sie habe mit ihrer Pfiffigkeit längst weg , daß die » Neue « hier nicht passe . » Findest du das wirklich , Großmama ? « fragte ich , innerlich ein wenig lächelnd . » Ja , Kind , ach ja ! Aber ich lasse es mir nicht merken – Stettens wegen nicht , der am liebsten Kathrin behielte . Aber , Kind , ich will sie nicht mehr , ich kann sie kaum noch sehen seit der Frechheit damals . Wäre unser Besuch nicht hier , ich zahlte ihr Lohn und Kostgeld aus und schickte sie lieber heute als morgen fort . « » Ach , Großchen , « bat ich , » sie hängt so an dir , sie hat dich so nett gepflegt , als du krank warst – « Aber die alte Dame machte plötzlich eine eiskalte Miene , und ich wußte nun , daß Kathrins sämtliche Intrigen , alle ihre 66 noch so fein oder grob gesponnenen Ränke , die darauf hinausliefen , ihr Bleiben zu bezwecken , aussichtslos waren ; daß ihre Frikassees , ihre Schleie mit Dillsauce und ihre großartigen Puddings verlorene Liebesmüh bedeuteten . So kam Ostern heran . Die ganze Familie wurde ja erwartet , und es gab furchtbar viel im Hause zu tun , schon allein das Kuchenbacken ! Der erste April fiel auf den dritten Feiertag , an diesem sollten nicht nur Schwester Gretchen , die Kinder und ich wieder fort , es war auch der Abschiedstag für Kathrin . Der Lenkwitzer Onkel hatte uns alle zum zweiten Feiertag gebeten ; am ersten sollte sich , wie immer , die Tafelrunde bei den Großeltern zusammenfinden , eine Menge Menschen , denn allenthalben waren Kinder und Enkel zugereist , auf dem Gute und in der Stadt . Gretchen erwartete ihren Mann , den großen Hans , am Ostersonnabend , und Flickdorchen war bereits am Stillen Freitag angelangt . Sie und ich hatten das Färben der Eier übernommen und Kathrin hatte uns wortlos ihre blitzblanke Küche zur Verfügung gestellt . Es war am Ostersonnabend nach dem Mittagessen , Großmutter und Großvater schliefen , Gretchen war in die Stadt gefahren , um ihren Mann abzuholen , die mürrische dicke Kinderfrau weilte mit ihren Pflegebefohlenen im Garten , unter den Linden . Sie saß strickend auf der Bank , das Kind lag im Wagen und schlief ; Hans galoppierte , angetan mit einem roten Jäckchen und einem Kürassierhelm mit seinem Steckenpferdchen auf dem Platze umher . Die » Neue « war irgendwo beschäftigt , ich ahnte nicht womit , glaubte aber , sie werde wohl im großen Zimmer die Tafel für das morgende Mahl decken . Dorchen und ich achteten gar nicht weiter auf Kathrin , sondern vertieften uns ganz in unsere roten , grünen und blauen Eier ; sie schaffte umher am Fenster bei der Aufwaschbank