hinaus . „ Aenne , Aennchen , komm ’ herunter , Kind , in mein Zimmer ! “ Aber niemand antwortete , und Frau Rätin sprach von erregten Nerven , von Erschütterung , und man wolle sie in Ruhe lassen . Nach einer halben Stunde werde sie hinaufgehen und die „ kleine Braut “ – ihr ganzes Gesicht verklärte sich dabei – herunterholen . In diesem Augenblick kam Tante Emilie nach Hause und wurde von dem freudestrahlenden Elternpaare in die Stube gezogen . „ Wer hat nun recht , Emilie ? “ sagte triumphierend der Rat und schlug der Erstaunten auf die Schulter . „ Was ist denn geschehen ? “ „ Denk ’ doch , die Aennes , “ fiel die Rätin ein „ du hast zwar immer den Kopf geschüttelt , wenn ich sagte , sie nimmt den Günther doch noch – und nun “ „ Aenne – den Günther ? Nein , das glaube ich nicht , ist nicht möglich ! “ erklärte ganz blaß die alte Dame . Der Rat lachte . „ Eben hat sie es ihrer Mutter anvertraut . “ „ Da steht mir der Verstand still , “ erklärte Tante Emilie . „ Na , weißt du , Schwester , mir ging ’ s auch beinahe so , und doch ist es Thatsache ! “ Die Ungläubige aber verließ still das Zimmer und pochte oben an Aennes Stubenthür . „ Aenne , mach ’ auf , ich bin ’ s ! “ „ Komm ’ nur herein ! “ scholl es . In dem winzigen Mädchenstübchen brannte die Stearinkerze im Messingleuchter auf der Kommode . Aenne stand davor und hielt ein geleertes Kästchen in der Hand im Ofen knisterte etwas , verwelkte Blumen und dergleichen . „ Aber , traut ’ stes Aennchen , “ fragte die alte ehrliche Seele , „ was machst du für Sachen ? Das ist doch ein schlechter Spaß ! “ „ Du meinst – meine Verlobung ? “ „ Mit – Günther ? “ „ Ja , freilich , so ist ’ s doch ! “ „ Erbarmen , Goldkindchen ! Das ist ja , um auf die Akazien zu klettern ! “ schrie sie außer sich , „ du liebst ihn ja überhaupt gar nicht ! “ „ O ! “ sagte Aenne , „ das weißt du doch nicht , Tante . “ „ Schrecklich ist ’ s ! Eine ganz verschrobene Marjell bist du – du wirst kreuzunglücklich ! “ „ Aber , Tante , das weißt du doch ebenfalls nicht ! Ich heirate , wie so manches Mädchen , weil einmal geheiratet werden muß . Ich bin doch auch nicht besser als die andern ! Und was für Ansprüche soll ich denn machen ? “ „ Ja , wenn ich dich nicht so genau kennte , Kindchen – “ „ Du kennst mich eben gar nicht so genau , Tante . Paß auf , wie gern du noch hinüber kommst in die Kinderstube , in der mein Leben von nun an verfließen wird , so drei , die brauchen Pflege ! O , ich werde so viel zu thun haben , daß ich mich gar nicht mehr zu besinnen brauche auf etwas – sie machte eine Bewegung mit dem Arm „ das weit hinter mir liegt . Na , und nun gratuliere mir , Tante , und sage den Eltern , heute möchten sie mich nur allein lassen und – ich wäre glücklich , wenn sie eine rechte Freude an der Geschichte hätten . – Gute Nacht , Tantchen ! Und wenn ’ s Mama etwa gar das Herz abdrückt , so habe ich nichts dagegen , wenn sie herumschickt , den künftigen Schwiegersohn zum Punsch zu bitten ^ nur ich , ich möchte allein sein heute . “ „ Ich werde mich hüten , das letztere zu bestellen , “ erklärte Tante Emilie , „ ich will vielmehr den lieben Gott bitten , daß er dir bis morgen deine klare Vernunft wieder schenkt , denn ehe du den Günther nimmst , eher – “ „ Tantchen , verschwör ’ dich nicht – daran ist nichts mehr zu ändern ! “ rief Aenne noch durch den Thürspalt . Dann schloß sie hinter der alten Frau , die langsam die Treppe hinunterging , die Thüre ab , drehte den Schlüssel zweimal herum und setzte sich mit finsteren Augen und untergeschlagenen Armen auf den Stuhl am Fußende des Bettes . Sie starrte zum Ofen hinüber , in dem die armseligen Reliquien ihres Liebestraumes verglimmten , und verfolgte jedes Fünkchen mit trotzigem Herzeleid und kam sich vor wie eine Heldin . Einige Tage später stand Heinz Kerkow an dem Bette , auf dem seine tote Mutter lag . In der Hand zerknüllte er noch den Brief , den er soeben erhalten und . nur flüchtig gelesen hatte , als die Schwester ihn mit besorgter Miene in das Krankenzimmer rief . „ Heinz , komm ’ doch , Mutter sieht plötzlich so verändert aus ! “ Er war da gerade zurecht gekommen , um noch einmal die zwei treuesten Augen der Welt auf sich gerichtet zu sehen und die Hand zu erfassen , die bald so erstarrt in der seinen ruhen sollte . Nun lag die Schwester schluchzend auf den Knien vor dem Bette der Toten und er stand da und – fühlte nichts , gar nichts . Ganz gedankenlos ballte er das Papier noch fester zusammen , eine Karte mit Goldschnitt , auf der zu lesen stand , daß Medizinalrat May und Frau sich die Ehre geben , die Verlobung ihrer Tochter Aenne mit dem herzoglichen Oberförster Herrn Hermann Günther ergebenst anzuzeigen – – Was ging ihn das an ? Er wandte sich plötzlich und verließ das Sterbezimmer , setzte sich in der Wohnstube auf das altmodische Kanapee und senkte die Stirn in die Hand . Die Schwester kam endlich zu ihm und erinnerte , daß er die Meldung des Todes der Mutter auf dem Standesamt