an seine Brust ; draußen im verödeten Sandsteinboden plätscherte wieder nach langer trauriger Zeit ein frischer Wasserstrahl empor , neues fröhliches Leben verkündend . Wie schön war dieser Zukunftstraum ! Aber es war ja nur ein Traum , und die Wirklichkeit ? Army schauerte zusammen ; sie [ 692 ] stellte Forderungen an ihn , die ihn fast erschreckten , diese öde , unglückselige Wirklichkeit . Woher die Mittel nehmen , um dem schönen Gast die traurige Dürftigkeit im Schlosse Derenberg mit etwas Glanz und Schimmer zu verhüllen ? Das Geld , o , das böse Geld ! Er blickte träumend in den Park hinaus . Der Nachtwind hatte sich aufgemacht und bewegte flüsternd die Bäume . „ Es ist Schlafenszeit , “ sagte der junge Schwärmer . Leisen Fußes verließ er den Ahnensaal und suchte sein Lager auf . Im Traume erschien ihm die schöne Agnese Mechthilde ; sie stand vor ihm in der silbernen Brocatrobe und darüber flog es wie ein goldener Schleier ; sie sah ihn an mit ihren großen traurigen Augen und hob warnend die Hand : „ Darum nimb war , wasz für Haar ! Ist solches roth , hatz groß Gefahr , “ tönte es in sein Ohr . 5. „ Army , wie ich mich freue , auch einmal einen Gast haben zu dürfen , “ sagte am andern Morgen Nelly zu dem Bruder , als er an ihrer Seite durch den thaufrischen grünen Park schritt . „ Was wird nur Lieschen sagen ? Ich muß es ihr erzählen . Sag ’ einmal , Army , “ bat sie dann schmeichelnd und schmiegte sich an ihn , „ wie gefällt Dir denn eigentlich Lieschen ? Ist sie nicht wunderhübsch geworden ? “ „ Ich weiß wirklich nicht , “ erwiderte er wie zerstreut , „ ich habe gar nicht darauf geachtet ; ja , ich glaube wohl , ich erinnere mich kaum mehr – “ „ Aber , Army ! “ kam es aus dem Munde der Schwester . „ Du bist zerstreut , oder gar traurig – ist Dir etwas Unangenehmes begegnet ? Kann ich Dir etwa helfen ? “ „ Nein , Schwesterchen , “ lachte er und strich scherzend mit der Hand über ihr blühendes Gesicht , „ Du kannst mir am allerwenigsten helfen ; es ist eine fatale Geschichte , ich – fürchte mich , es Mama zu sagen , aber ich kann nicht anders . “ „ Ach , sag ’ es nicht der Mama , Army , “ bat das junge Mädchen stehen bleibend . Sie legte die kleine Hand auf seine Schulter , und ihre Blicke hingen angstvoll an dem Gesichte des Bruders . „ Bitte , nicht ! Sie ist so angegriffen und weint so viel , ach bitte , sag ’ es nicht , wenn es etwas Unangenehmes ist – “ In den Zügen Army ’ s lag eine leichte Verlegenheit . „ Ja , mein Gott , “ sagte er , „ was soll ich nur thun ? An Großmama kann ich mich nicht wenden ; es würde vergeblich sein , da sie wirklich nicht im Stande ist , mir – “ „ Army ! “ flüsterte das Mädchen , den Gegenstand seiner Verlegenheit errathend , und trat näher zu ihm , „ ich glaube , ich kann Dir helfen , wart ’ einen einzigen Augenblick , oder nein , geh ’ weiter bis unter den großen Ahorn am Deiche ! Ich bin gleich wieder da . “ Und eilig lief sie den schattigen Weg zurück , die Sonnenstrahlen huschten über ihr helles einfaches Kleidchen und leuchteten über die blonden Locken ; bald war sie um die nächste Biegung des Weges verschwunden . Der junge Mann schaute ihr nach und ging dann weiter . Was wollte sie nur ? Sie konnte doch unmöglich wissen – – Er saß dann auf der Steinbank und sah über das klare Wasser hin , in dem sich der blaue Himmel und die hohen Bäume so anmuthig spiegelten . „ Wie schön ist es hier ! “ sagte er halblaut , „ wenn sie nur ein wenig Sinn für Naturschönheit hat , so muß es ihr gefallen . “ Da klangen leichte Schritte hinter ihm , und sich umwendend blickte er in das vor Freude geröthete Gesicht seiner Schwester . „ Da , Army ! “ sagte sie , noch röther werdend , und legte ihm ein zierliches seidenes Beutelchen in die Hand . „ Ich gebrauche es wirklich nicht , nein , ganz wahrhaftig nicht , wozu auch ? Und nun sagst Du der Mama nichts , nicht wahr ? “ Die Freude , etwas geben zu können , leuchtete dem lieblichen Mädchen reizend aus den blauen Augen . „ Guter , lieber Army ! “ bat sie , „ ganz geschwind steck ’ es ein ! Es wird gewiß reichen . “ „ Nein , Nelly , nein ! “ rief er dunkelroth , „ Dein Gespartes – “ Sie hielt ihm die Hand auf den Mund . „ Du machst mich bös , Army , “ sagte sie , „ wenn sich Bruder und Schwester nicht einmal aushelfen sollen – ! Wer weiß , ich komme auch einmal zu Dir ! Nun laß uns weiter gehen , sprich nicht mehr davon ! Sieh ’ , was meinst Du , wenn wir hier einen Kahn hätten ? Ich habe es mir schon lange gewünscht . Dann könnten wir mit Blanka rudern , und Lieschen – nicht wahr , Blanka wird nicht stolz sein ? “ Er antwortete nicht ; er kam sich in diesem Augenblicke ganz erbärmlich vor . Hastig wandte er das Gesicht ab . Die Schwester bemerkte es . „ Army , “ sagte sie , „ komm bald nach ! Ich muß jetzt noch schnell zu Mama , und – “ es fiel ihr nichts ein , was sie bei Mama sollte – „ ich habe es eilig , “ rief sie noch