gebaut haben würden . Für eine reiche Residenz voll hoher Häuser und Paläste , voll Leben und Verkehr , mag solche raumverschwendende Anlage die empfehlenswerteste sein , für eine kleine Provinzialstadt aber ist sie bedenklich . Sie gleicht einem auf Auswuchs gemachten großen Staatsrock , in den sich der Betreffende , weil er von Natur klein ist , nie hineinwachsen kann . Dadurch entsteht eine Öde und Leere , die zuletzt den Eindruck der Langenweile macht . Die Billigkeit erheischt hinzuzufügen , daß wir es unglücklich trafen : das Gymnasium hatte Ferien und die Garnison Mobilmachung . So fehlten denn die roten Kragen und Aufschläge , die , wie die zinnoberfarbenen Jacken auf den Bildern eines berühmten Niederländers ( Cuyp ) in unserm farblosen Norden dazu berufen scheinen , der monotonen Landschaft Leben und Frische zu geben . Alles war still und leer , auf dem Schulplatze wurden Betten gesonnt , und es sah aus , als sollte die ganze Stadt aufgefordert werden , sich schlafen zu legen . Aber nicht die Öde und Stille der Stadt haben uns zu beschäftigen , sondern ihre Sehenswürdigkeiten , klein und groß . Treten wir unsere Wanderung an . Vor dem malerisch im Schatten hoher Linden gelegenen Rathaus , in dessen Erdgeschoß sich auch die Hauptwache befindet , ruht auf leichter Lafette eine 1849er Kriegstrophäe , während in Front des stattlichen Gymnasialgebäudes ( auf das wir weiterhin in einem eignen Kapitel zurückkommen ) die Bronzestatue König Friedrich Wilhelms II. aufragt , die die Stadt nach dem großen Feuer von 1787 ihrem Wiedererbauer errichtete . Das in etwas mehr denn Lebensgröße hergestellte Bildnis ist eine Arbeit Friedrich Tiecks , gedanklich wenig bedeutend , aber in Form und Haltung jenes künstlerische Maß bekundend , das , wo andere Vorzüge fehlen , selbst schon wieder als Vorzug gelten kann . Mehr als dies Denkmal nimmt unsere Aufmerksamkeit die alte Klosterkirche in Anspruch , die sich an der Ostseite der Stadt in unmittelbarer Nähe des Sees erhebt und das einzige Gebäude von Bedeutung ist , das bei dem mehr erwähnten großen Brande verschont blieb . Diese Klosterkirche ist ein alter , in gotischem Stile aufgeführter Backsteinbau aus der Zeit um 1250 und gehörte dem unmittelbar daneben gelegenen Dominikanerkloster zu , von dem seit Restaurierung der Kirche auch die letzten Spuren verschwunden sind . Über diese Restaurierung selbst gibt eine die halbe Wand des Kirchenschiffs bedeckende Inschrift folgende Auskunft : » Dieses Gotteshaus wurde seit dem Jahre 1806 wiederholt durch feindliche Truppen entweiht und verfiel während des Krieges dergestalt , daß es über 3o Jahre nicht für den öffentlichen Gottesdienst benutzt werden konnte . Durch Königliche Gnadenwohlthat wurde dieses erhabene Denkmal ächt Deutscher Kunst und Frömmigkeit seiner eigentlichen Bestimmung zurückgegeben , indem es auf Befehl Sr. Majestät Friedrich Wilhelm ' s III. wiederhergestellt und in Gegenwart seines Nachfolgers , Sr. Majestät Friedrich Wilhelm ' s IV. , feierlich eingeweiht wurde am 16. Mai 1841 . « Über dieser Inschrift befindet sich eine andere aus der zweiten Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts , worin die Überweisung dieser Kirche seitens des Kurfürsten Joachims II. an die Stadt Ruppin ausgesprochen wird . Ähnliche Notizen im Lapidarstil gesellen sich hinzu und mindern in etwas den Eindruck äußerster Kahlheit und Öde , woran die sonst schöne Kirche bedenklich leidet . Dies Verfahren , durch Inschriften zu beleben und anzuregen , sollte überhaupt überall da nachgeahmt werden , wo man zur Restaurierung alter Baudenkmäler schreitet . Selbst Leuten von Fach sind solche Notizen gemeinhin willkommen , dem Laien aber geht erst aus ihnen die ganze Bedeutung auf . Und zu diesen Laien gehört vor allem die Gemeinde selbst . Ohne solche Hinweise weiß sie selten , welche Schätze sie besitzt . Ja , das Maß der Unkenntnis und Indifferenz ist so groß , daß es denen zu denken geben sollte , die nicht müde werden , von dem Wissen und der Erleuchtetheit unserer Zeit zu sprechen . Auffallen muß namentlich , wie absolut nichts unser Volk von der vorlutherischen Periode seiner Geschichte weiß . Man kennt weder die Dinge , noch die Worte dafür , und unter zwanzig Leuten auf dem Lande wird nicht einer wissen , was der » Krummstab « sei . In der Ruppiner Klosterkirche fragte ich die Küsterfrau , welche Mönche hier wohl gelebt hätten ? , worauf ich die Antwort erhielt : » Ich jlobe , et sind kattolsche gewesen . « Die Ruppiner Klosterkirche wird in der oben zitierten Inschrift ein » erhabenes Denkmal ächt Deutscher Kunst « genannt , was richtig und nicht richtig ist , je nachdem . Die Mittelmark , im Gegensatze zur Altmark und dem Magdeburgischen , ist im ganzen genommen so wenig hervorragend an Baudenkmälern aus der gotischen Zeit , daß keine besondere Schönheit nötig war , um mit unter den schönsten zu sein . Das Innere der Kirche , trotz seiner Inschriften , ist immer noch gerade kahl genug geblieben , um sich der » Maus und Ratte « zu freuen , die der den Deckenanstrich ausführende Maler in gewissenhaftem Anschluß an eine halb legendare Tradition an das Gewölbe gemalt hat . Die Tradition selbst aber ist folgende . Wenige Tage , nachdem die Kirche , 1564 , dem lutherischen Gottesdienst übergeben worden war , schritten zwei befreundete Geistliche , von denen einer noch zum Kloster hielt , durch das Mittelschiff und disputierten über die Frage des Tages . » Eher wird eine Maus eine Ratte hier über die Wölbung jagen « , rief der Dominikaner , » als daß diese Kirche lutherisch bleibt . « Dem Lutheraner wurde jede Antwort hierauf erspart ; er zeigte nur an die Decke , wo sich das Wunder eben vollzog . Unser Sandboden hat nicht allzuviel von solchen Legenden gezeitigt , und so müssen wir das Wenige wert halten , was überhaupt da ist . Die Klosterkirche ist eine Schöpfung Gebhards von Arnstein , Grafen zu Lindow und Ruppin . Dies mag uns , im nächsten Kapitel , zu einer kurzen Besprechung dieses berühmten Geschlechtes führen