Wulst . Und seine Augen stehen nicht so vor . ‹ Aber es hilft ihr nichts , es ist und bleibt der Gerdt , und ist ihm wie aus dem Gesicht geschnitten . « Valtin schüttelte den Kopf und sagte : » Und das ist alles , was du hast ? ! « » Ja und nein . Und du mußt mich nicht bedauern . Denn ich habe ja noch die Regine , die mir von alten Zeiten erzählt , und ich habe Gigas , der mir seine Blumen zeigt . Und dann hab ich den Kirchhof . Und mitunter , wenn ich ein rechtes Glück hab , dann hab ich dich . « Er sah sie zärtlich an und sagte : » Du bist so gut und trägst alles und willst nichts . « Sie schüttelte den Kopf . » Ich will eigentlich viel , Valtin . « » Ich glaub ' s nicht . « » Doch , doch . Denn sieh , Liebe will ich , und das ist viel . Und ich kann kein Unrecht sehn . Und wenn ich ' s seh , da gibt es mir einen Stich , hier gerad ins Herz , und ich möchte dann weinen und schrein . « » Das ist es ja , Grete . Darum bist du ja so gut . « Und er nahm ihre Hand und drückte sie und sagte ihr , wie lieb er sie habe . Und dann sprach er leiser und fragte sie , ob sie sich nicht öfter sehen könnten , so wie heut , und so ganz wie von ungefähr . Und dann nannt er ihr die Plätze , wo ' s am ehesten ginge . Hier der Kirchhof sei gut , aber eigentlich die Kirche drin , die sei noch besser . Am besten aber sei die Burg , da sei niemand und sei alles so schön und so still und der Blick so weit . Grete war es zufrieden , und sie sagten einander zu , daß sie , solange die schönen Herbstestage dauerten , sich allwöchentlich einmal oben auf der Burg treffen und miteinander plaudern wollten . Und als sie das beschlossen , hing ihm Grete die Kastanienkette um , die sie bis dahin getragen , und sagte ihm , er sei nun ihr Ritter , der zu ihr halten und für sie fechten und sterben müsse . Und dabei lachten sie . Gleich danach aber trennten sie sich und gingen auf verschiedenen Wegen , auf daß niemand sie zusammen sähe , wieder in ihre Wohnung zurück . 9. Kapitel . Auf der Burg Neuntes Kapitel Auf der Burg Sie hielten Wort , und eine Woche später , während welcher Grete mehr als seit lang unter Truds Launen und einem Rückfall in ihre frühere Strenge gelitten hatte , trafen sie sich nachmittags auf dem Kirchhof und gingen durch Tor und Vorstadt erst bis an die » Freiheit « und dann auf einem ansteigenden Schlängelwege bis zur Burg selbst hinauf . Hier , auf dem großen Außenhof , der zugleich als Wirtschaftshof diente , war ein buntes und bewegtes Leben : im Taktschlag klang es von der Tenne her , die Scheunentore standen offen , und die Mädchen , die beim Flachsbrechen waren , sangen über den Hof hin : » Es waren zwei Königskinder , Die hatten einander so lieb . Sie konnten zusammen nicht kommen , Das Wasser war viel zu tief . › Ach Liebster , könntest du schwimmen , So schwimme doch her zu mir ... ‹ « Es klang so traurig . Aber die Gesichter der Mädchen lachten dabei . » Hörst du « , sagte Valtin , » das gilt uns . Sieh nur die Hübsche mit dem Flachskopf . Sieht sie nicht aus , als könnte sie sich ihr Brauthemd von ihrem eignen Wocken spinnen ? « Grete schwieg . Ihr war so weh . Endlich sagte sie : » Laß uns gehen , Valtin . Ich weiß nicht , was es ist . Aber das fühl ich , daß ich hier auch stehen und die Hände fleißig rühren und singen möcht . Sieh nur , wie die Spreu von der Tenne fliegt . Es ist alles so frei und luftig hier , und wenn ich hier mitstünd , ich glaube , da verwehte manches , was mich quält und drückt . « Valtin suchte nach einem Trosteswort , und sie schritten , als er sie wieder beruhigt , über einen wüsten Grasplatz , auf einen aufgemauerten und halbausgetrockneten Graben zu , der den großen , äußeren Burghof von dem kleinen , inneren trennte . Eine schmale Zugbrücke führte hinüber , und sie passierten sie . Drinnen war alles still : der Efeu wuchs hoch am Gemäuer auf , und in der Mitte stand ein alter Nußbaum , dessen weites Geäst den halben Hofraum überdachte . Und um den ausgehöhlten Stamm her war eine Bank . Grete wollte sich setzen ; Valtin aber nahm ihre Hand und sagte : » Nicht hier , Grete ; es ist zu stickig hier . « Und damit gingen sie weiter , bis an den Fuß eines steilen , in die Rasenbettung eingeschnittenen Treppchens , das oben auf einen breiten , von zwei Türmen flankierten Wallgang mündete . Zwischen diesen Türmen aber lief eine dicke , niedrige Feldsteinmauer , die nur um ein paar Fuß höher war als der Wallgang selbst . Und auf diese Mauer setzten sie sich und sahen in die Landschaft hinaus . Zu Füßen hatten sie den breiten Strom und die schmale Tanger , die spitzwinklig in den Strom einmündete , drüben aber , am andern Ufer , dehnten sich die Wiesen , und dahinter lag ein Schattenstrich , aus dessen Lichtungen hier und dort eine vom Abendrot übergoldete Kirchturmspitze hervorblickte . Der Himmel blau , die Luft frisch ; Sommerfäden zogen , und in das Geläut der ersten heimwärtsziehenden Herden mischte sich von weit her das Anschlagen der Abendglocke .