ich , denn ich schreibe das katechetische Buch unserer verrückten Nerven , dieser Nerven , die ich als Nachkommen des Urwalds entdeckt habe ! Ja , wir kamen vorwärts ! Schon spürte ich es . Unsere Fahrt bekam plötzlich eine Projektion ins Emotionale . Bergab sauste ich in die Tropen der Menschheit , in Urzustände der Kräfte , in einen ökonomischen Großbetrieb des Wachsens und Werdens . Was ging mich Slims Schatz an ? War die Reise für mich nicht schon erfolgreich , hatte ich nicht schon meinen Schatz entdeckt ? Symbole , akzentuierte Spiegelungen waren vollwertiger Ersatz . Dies und jenes war unsere Art , den Rhythmus , das Welttempo für uns zu gestalten . War das nichts ? Der alte Praktikus Slim wird seinen Schatz nicht finden . Ich , der Ideologe , habe gesiegt . Es wird sich herausstellen , daß rationaler Idealismus dem romantischen Materialismus überlegen ist . Wasserräder kann man in Pferdekräften messen , Kultureinbildungen sind blutbildend . Dieses Geschlecht kehrt wieder zu den Vätern , in seinen Urwald zurück ! VI Und dann fand die Flußfahrt doch einmal ihr Ende und wir kamen in den Wald . Das Thema der Zärtlichkeiten trat in neue Variationen ein . Indianerin , süße Wilde , du schönste der Frauen , du Musterstück der Weiblichkeit , womit vergleiche ich dich ? Mit dem großen , bösen Somnambulen , dem Urwalde , deiner Heimat , diesem raffinierten , großartigen Tiere der Bewußtlosigkeit ? Den deutschen schlichten Hochwald mit der schummerigen Kühle seiner Quellen und dem mystischen Brausen seiner Bäume vergaß ich um deinetwillen und vergaffte mich in die beizenden Lockungen eines verräterischen Wesens . Nein , Treue und Gemüt lagen nicht in dir , süße Eingeborene des tropischen Urwalds . Eines Tages wurde der Fluß enger und enger , die beiden Ufer zeigten Neigung , ineinander zu wachsen , Lianen verbanden sie mit fliegenden Brücken und nur mühsam bahnten wir uns einen Weg mit den blinkenden Machettas , einer Art länglicher Haubajonette . Dann kam von rechts ein kleiner Fluß herein , ein Bach von vager Gangart . Wir stiegen aus und versteckten die Boote , indem wir sie wie Masten zwischen den Gabeln der Baumäste lotrecht aufpflanzten . Zwei der Indianer stellten aus Stecken eine Tragbahre her , auf denen die Felleisen und der Proviant befestigt wurden . Mit Äxten und Machettas zogen wir , hurra ! kopfüber in den Wald ! Der Djungle hallte wider von Gewaltsamkeit . Stumpfes , dichtes Schweigen setzte der unbetretene Wald unserem Vordringen entgegen . Erst zäh und träge , vereinzelt und ohne Ordnung folgten inmitten der Stille einander die Pointen eines platten Lärms , wenn die Beilschneide gegen junges Stammgrün flog und wirkungslos von dem biegsamen nassen Holz abprallte . Hin und wieder explodierte ein morscher Ast , die Wohltat des Erfolgs ging stärkend in die Nerven , das seufzende Brechen und Reißen der Holzfasern erfreute bis in die Knochen mit seiner brachialen Musik . Einen Meter weit ist die Bahn geschlagen . Schwitzend und mit gekrümmtem Rücken gehen wir kopfüber wie die Bullen vor , suchen den Wald auf unsere Köpfe zu spießen und werden von einem überlegenen Sprungnetz verflochtener Zweige sanft zurückgeworfen . Es ist , als ob wir gegen Matratzen anliefen . Der Rückstoß bleibt aus ; die ganze Stoßkraft geht wie durch eine Ableitung irgendwohin in den Boden hinein . Alles ist zäh wie im Traume , und diese Ohnmacht traumbeschwerter Kraftentfaltung stimmt weinerlich . Der Wald ist eng und durch und durch ein Korb . Hopla , da hat es uns aufgefangen ! Heda , get on , adelante , mach ' ran , da , dort , hier , links , nein , rechts , zum Teufel rechts - nun kommt der Elan . Aufgepaßt ! Was wühlt sich dort durch den Wald , was hackt , flitzt , spreizt , dehnt diese unregelmäßige Röhre , diese ungehobelten zwei Brüche durch das Dickicht , was verursacht dieses klaffende Dreieck im Schnitt einer kurzen Lichtung ? Eine Karawane von sieben Menschen ist eingebrochen ! Nun haben wir es , wir haben es , wir haben die Pace der Arbeit , wir rasen vor Begeisterung , wir sind weder träge noch wehleidig , der Rhythmus prasselt wie Trommelwirbel auf uns ein , er wirkt als kräftigende Massage . Flipp , flapp , spalten und sprengen die Äxte , fssss , zischen die Machettas trennend in Lianenlauben , daß die Schnüre links und rechts herniedersinken . Wir marschieren mit federnden Waden , mit versteiften Oberschenkeln , wir kommen aus der tiefen Kniebeuge nicht mehr heraus . Abends wird es wohlig sein , sich auszustrecken ; am Morgen werden wir die Beine steif wie Bäume finden . Dann eine Viertelstunde Widerwillen und gemußte Übung , und der Elan kommt wieder und wird aus einer Karawane Menschen einen Dampfpflug machen . Ahne ich , woher meine Indianer ihre Balleteusenbeine beziehen ? Schon spüre ich unter meinen Knien innseits eine hübsche Mandel und um meine Schienbeine fatschen sich Spuren von Sehnen . Von Minute zu Minute lassen wir zerwühlte Stätten hinter uns , zerquetschtes Laub und in den Boden gestampfte Früchte , helle Brüche von Ästen und jungen Schößlingen , deren spiralige Späne wie gekrampfte Zungen Erstickender Reue wecken könnten ! Der Wald fällt rasselnd wie ein Epileptiker ! Aber in uns rauscht das grausame Blut der Tropen , und unser Haß gegen den Wald besiegt alle Müdigkeit und allen Ekel . Bloß um den Takt zu halten , fallen die Äxte auf nachgiebig schaukelnde Sprossen und zerfleischen Machettas wie ein fort sich schraubendes Sichelsystem die grüne Wunde an der Front , aus purem Eifer schaffen sie rege , die Mensur nicht zum Stillstand kommen zu lassen . Aus dem geilen Boden sickern Flüssigkeiten , zwischen Wurzeln und krautigem Moos bleicht perlmuttern der Schleim von Kriechtieren . Zwielicht herrscht unterm Laube dicht und wächsern wie eine Haut , und die Röhre zurück , die wir kamen , rollt es im Flimmern