eine stille Qual aus . Ja , sie lag da im Sessel und sehnte sich krampfhaft nach einer Zigarette . Fastrade und Sylvia schienen mit ihren Gedanken sehr weit fort zu sein , und Fräulein von Dussa hantierte mit dem Teegeschirr leise und vorsichtig , um die Baronin in ihrer Erzählung nicht zu stören . » Haben Sie die Dewitzens in Dresden gekannt ? « wandte sich die Baronin plötzlich streng an Gertrud und sah sie dabei mißbilligend an . Gertrud fuhr auf , machte ein erschrockenes Gesicht : » Nein « , sagte sie hastig . Dann lehnte sie ihren Kopf wieder zurück und begann müde und fast überlegen zu sprechen : » Ach nein , ich lebte ganz meiner Kunst , ich hatte nur einen kleinen Kreis von Freundinnen und Freunden , meistens Künstlerinnen und Künstlern . Die Kunst nimmt einen ja so hin . « » So , « meinte die Baronin und klapperte mit den elfenbeinernen Nadeln ihrer Strickerei , » diese Kreise kenne ich nicht . In unserer Jugend schien es uns , als seien diese Kreise von uns meilenweit entfernt , sozusagen in einer anderen Welt , man wußte einfach nichts von ihnen . « Die Baronin Port , die besorgt diesem Gespräche zugehört hatte , bemerkte : » Ja , wie die Zeiten sich ändern , die Kinder lernen und erfahren jetzt Dinge , von denen wir Alten nichts wissen , man kommt sich ganz dumm vor . « Baronin Egloff schaute von ihrer Strickerei auf und sagte scharf : » Ich weiß nicht , ich komme mir trotz allem noch lange nicht dumm vor . Und auf all die Dinge , welche unsere Jugend jetzt wissen will , bin ich gar nicht neugierig . « Eine peinliche Pause trat ein , draußen hörte man die Haustür auf- und zugehen , die Baronin und Fräulein von Dussa sahen sich bedeutungsvoll an , und Fräulein von Dussa flüsterte : » Der Baron . « - » Nun ja , « berichtete die Baronin , » mein armer Dietz ist jetzt so beschäftigt mit dem Waldverkauf , er muß immer in den Wald reiten bei diesem Wetter . Liebe Dussa , bereden Sie ihn doch , daß er kommt , eine Tasse Tee nehmen , das wird ihn erwärmen . « Fräulein von Dussa ging hinaus , um ihren Auftrag auszurichten , und die Unterhaltung wurde zerstreut und matt . Die Baronin erzählte von Katarrhen , die ihr Dietz früher gehabt hatte , alle aber warteten . Als dann Fräulein von Dussa mit Dietz zurückkehrte , ging ein allgemeines angeregtes Sichaufrichten durch die Gesellschaft . Dietz war kalt von seiner Fahrt und schien heiter , er begrüßte die Damen , sagte : » Hier ist aber ein warmes Nest « , und seine Stimme klang laut und rücksichtslos in diesem Raume , in dem die ganze Zeit über nur gedämpft gesprochen worden war . Er setzte sich zu Gertrud , ließ sich Tee einschenken , erzählte vom Walde und den Holzjuden . Alle hörten ihm zu , das strenge Gesicht der Baronin Egloff wurde ganz milde , während ihre Augen auf ihrem Enkel ruhten . » Du kannst dir ruhig deine Zigarette anzünden , « sagte sie , » die Damen haben nichts dagegen . « » Raucht eine der Damen ? « fragte Dietz , indem er sein Zigarettenetui hervorzog . » Oh , ich bitte « , rief Gertrud leidenschaftlich , und als sie die Zigarette zwischen den Lippen hielt und den Rauch vor sich hin blies , versank sie in einen seltsamen Ausdruck unendlichen Behagens . Dietz lächelte : » Sie waren wie ein Durstiger in der Wüste , Baronesse « , bemerkte er . Die Baronin aber zog die Augenbrauen in die Höhe und meinte : » Ach ja , ich vergesse immer , daß so etwas jetzt Sitte ist . « Dietz begann sich mit Gertrud über das Theater zu unterhalten , die alten Damen nahmen gedämpft ihr Gespräch wieder auf , und da es finster zu werden begann , wurden die Lampen gebracht . » Ich denke , « sagte die Baronin , » wir haben noch ein Stündchen Zeit für unser Bezique . « - » Unterdessen wird die Baronesse Gertrud uns vorsingen , « schlug Dietz vor , » im Flur sah ich die Noten . « Die alten Damen und Sylvia Port setzten sich an den Kartentisch , im Musikzimmer wurden Lichter auf das Klavier gestellt , und Fräulein von Dussa schickte sich an , Gertrud zum Gesange zu begleiten . Fastrade und Egloff setzten sich an das andere Ende des Zimmers und warteten . » Das ist immer das erste , « sagte Dietz leise , » wenn man sich mit der Kunst einläßt , so trägt man keine Kleider mehr , sondern Gewänder . « Er sah dabei Gertruds schmächtiges Figürchen an , das ein hellgraues Kleid von zeitlosem Schnitte mit lang niederhängenden Ärmeln trug . Fastrade erwiderte nichts , sie wollte nicht mit ihm über die arme Gertrud lachen . Nun begann Gertrud zu singen : » Rauschender Strom Brausender Wald Starrender Fels Mein Aufenthalt . « Ihr ganzer Körper bebte , sie hob sich auf die Fußspitzen , ihr Gesicht nahm einen schmerzvollen Ausdruck an , als täten ihr diese großen , dunklen , leidenschaftlichen Töne weh , die sie hinausrief , die da in das stille Haus klangen , als wäre hier plötzlich ein großes tragisches Ereignis erwacht . » Wie sich die Welle An Welle reiht , Fließen die Tränen Mir ewig erneut . « Dietz beugte sich zu Fastrade vor und flüsterte : » Das hält sie nicht aus , diese Stimme bringt sie um . « » Hoch in den Kronen - wogend sich ' s regt , So unaufhörlich - mein Herze schlägt . Und wie des Felsens - uraltes Erz , Ewig derselbe - bleibet mein Schmerz , « klagte Gertruds Stimme weiter , und als