Ruf weg : » Mariand Christi ! D ' Hexenjungfer ! « , bekreuzte sich und lief weg ; und sogleich standen auch die andern alle auf , murmelten Verwünschungen und entfernten sich , ohne auf den Unwillen des Weidhofers zu achten . Das Mädchen aber saß starr und ganz schneebleich auf seinem Stuhl , sah einen nach dem andern gehen und seufzte tief auf , als der Vater mit der Faust fluchend in den Tisch schlug und schimpfte : » Gesindel verdammtes ! Sollen ' s bleiben lassen , wenn sie nicht mögen ! - Iß , Maidel , und laß dich ' s nit verdrießen ! « Ich war ihm von Herzen dankbar für seine Worte und rief : » Ihr seid brav , Vater , das Kathreinl tut niemand was . « Fürsorglich legte ich alsdann dem Mädchen , das stumm zum Fenster hinaussah , einen Knödel auf den Teller , reichte ihr das Schüsselchen mit dem Dotschentauch und bat sie , doch zu essen . Erst hörte sie nicht auf mich ; endlich nahm sie , aß aber nur etliche Bissen und stand darnach mit einem leisen » Vergelts Gott « auf . Auch ich brachte kaum ein wenig Speis in mich , erhob mich gleichfalls und ging mit dem Kathreinl wieder in meine Kammer , während der Meßmer für uns drunten dem himmlischen Vater Dank sagte für alle Wohltaten . Eine Weile später , während das Mädchen das Mieder und Geschnür ablegte , seine rauhe Schürze umband und sich zum Spinnen rüstete , fiel mir ein , daß drunten im Wandschränklein der Wohnstube eine alte Legende mit vielen wunderlichen Abbildungen liege ; ging also hinab , sie zu holen , damit das arme Kathreinl Kurzweil dran hätte . Wie ich nun in die Stube trat , saßen die andern erst beim Essen mitsamt der Weidhoferin und blickten unmutig auf mich . Da sagte ich ganz laut und keck : » Die Hexenjungfer kommt ! Wer nicht schnell verschwindet , wird verwunschen ! « Da entstand ein großer Tumult : die Mägde kreischten furchtsam auf , schlugen das Kreuz und wollten fliehen ; die Mannsleute fluchten und gaben mir grobe Namen , und die Weidhoferin , meine Ziehmutter , stand auf , daß ihr Stuhl umfiel , wies mit der Hand nach der Tür und schrie mit hochrotem Gesicht : » Marsch , weiter , sag ich ! Unser Herr hat lange Arm ; der trifft dich schon noch für dein Gspött ! « Ich lachte , nahm das Buch aus dem Schränklein und ging hinaus ; doch sagte ich dem Kathreinl nichts von der Sache , um sie nicht noch trauriger zu machen ; denn sie weinte ohnedies schon , daß ihre Augen ganz rot wurden . Sie band eben den Flachs ans Spinnrad und rückte sich den Stuhl dazu , indem sie die Schürze vors Gesicht hielt , damit ich nicht sähe , wie sie weinte . Ich empfand tiefen Schmerz , als ich sie so sah , und auch große Reue , daß ich sie hierher gebracht ; doch war es mir unmöglich , dem Mädchen dies zu sagen , noch , sie zu trösten . Es war , als sei etwas Fremdes , Kaltes in mein Herz gekommen , das meine große Liebe für sie zurückschlug , so oft sie daraus emporkommen wollte ; und obschon ich immer noch an unser Zusammensein im Haus der toten Irscherin mit stiller Freude dachte , so tat ich doch nichts , um dies Schöne noch einmal zu erleben . Also saß ich auf der Truhe und beschaute die Bilder der Legende , bis ich , von Müdigkeit übermannt , einnickte . Das Spinnrad schnurrte wieder , als ich erwachte , wie einstmals , und das Kathreinl saß wieder in dem flimmernden Licht der untergehenden Sonne , und ihr rotes Haar glänzte wie lauteres Gold . Sie sah nicht um sich ; gedankenvoll hielt sie ihr Haupt über das Spinnrad gebeugt und drehte mechanisch am Faden , dabei von Zeit zu Zeit die Finger an den Lippen netzend . Eine geraume Weile sah ich ihr zu und hielt , damit sie es nicht bemerkte , meine Augen halb geschlossen ; da aber die Sonne hinter den Bergen verschwunden war und nur noch ein dämmernder Schatten von ihr ganz oben an der Wand zitterte , richtete ich mich auf und sagte : » Jetzt hätt ich bald den Feierabend verschlafen ; geh , hör auf zu spinnen , Kathreinl , dann hol ich dir dein Nachtessen . « Ging also hinab in die Kuchel des Hauses , suchte den Teller des Mädchens und den Löffel und trug beides hinauf in die Kammer . Die Ziehmutter stand derweil am Herd , hatte die große , rußige Eisenpfanne auf dem Dreifuß , unter welchem ein lustiges , offenes Reisigfeuer prasselte , und kochte den Abendschmarren , ein rauhes Gericht aus Mehl und Erdäpfeln . Sie schaute mich unfreundlich an , sagte aber nichts und gab mir , als ich ein weißes Schüsselchen vor sie hinstellte und sagte , daß ich dem Mädchen zu essen bringen wolle , sogleich ein ansehnliches Häuflein Schmarren und einen kleinen Weidling voll süßer Milch . Dies brachte ich , nachdem ich mich bei der Mutter dafür bedankt , dem Kathreinl , das bei meinem Eintreten am Fenster lehnte und in den nebligen Abend hinaussah . Gemeinsam verzehrten wir darauf diese Mahlzeit , ohne etwas dabei zu reden ; darnach wünschte ich ihr eine ruhsame Nacht und trug das Geschirr hinab in die Kuchel . Der Meßmer wusch sich eben am Brunnengrand Gesicht , Hals und Brust , als ich nach diesem vors Haus ging und mich auf die verwitterte Holzbank setzte ; da er mich sah , fragte er , indem er sich einen Strahl Wasser auf den Scheitel pumpte : » He , Racker , wo ist denn deine Jungfer ? Sag ihr , der Bürgermeister hätt das Vieh vom Waldhaus geholt und