heutigen Tages mir sagen sollen . Darin ist er erfinderisch . Gott , muß es anstrengend sein , sich jeden Morgen etwas anderes auszudenken ! Dann fahren wir in die Umgegend oder treiben uns in der Stadt herum , er macht die Honneurs , jagt mich durch Altertum , Renaissance und römisches Volksleben der Gegenwart - immer mit demselben Feuer , der Beredsamkeit des Südländers und vielen Gesten . Er findet mich blasiert ( sagen Sie mir bitte - bin ich es wirklich ? ) , wenn ich nicht über jede alte Kaiserbüste und jede Osteria , wo ein paar Arbeiter Wein trinken und Musik machen , in Ekstase gerate . Ich kann mir nun einmal nicht helfen , es kommt mir ganz selbstverständlich vor , daß in Rom alles römisch oder in Griechenland alles griechisch ist , und daß es eben daselbst früher alte Römer und alte Griechen gegeben hat . Warum muß man das so aufregend finden ? Und macht mir irgend etwas besonderen Eindruck , warum soll ich dann eine Rede darüber halten ? Unterbrechung ... drei Tage später ... Nein , ich glaube , man darf diesen Mann nicht unbedingt glücklich machen , er ist zu erdrückend intensiv . Den ganzen Tag über habe ich das Gefühl , als ob ich mit dem Vesuv spazierenginge . Der letzte Montag , an dem ich dieses Handschreiben begann , war der Vorabend großer Ereignisse . Soll ich Ihnen alles erzählen ? - Nein , ich erzähle nie alles , und Sie verdienen noch Strafe für den Rasta und für Ihre Zweifel - also bekommen Sie heute nur einen Auszug ... Ein Situationsbild ... wir sitzen spät abends am Kolosseum . Ich habe eine glühende Schilderung der Gladiatorenkämpfe ohne Zucken über mich ergehen lassen . Der Chauffeur wandert grollend in irgendeinem Stockwerk des immortale Amfiteatro auf und ab , er haßt diese Art von Unternehmungen , er haßt überhaupt die Romantik seines Herrn , haßt mich . - Ich leide darunter , ich kann es durchaus nicht vertragen , wenn ein männliches Wesen mich mit Abneigung betrachtet , sei es auch nur ein Eisenbahnschaffner oder ein Chauffeur . Wir haben das Altertum verlassen , unser Gespräch dreht sich jetzt um andere Dinge - um Liebe . Wenn man zu zweien im Dunkeln sitzt , ist es wohl immer das Nächstliegende . Wir sprechen alle Abende um diese Zeit über Liebe , auch wenn wir im Restaurant sitzen , und die persönliche Nuance wird von Abend zu Abend stärker betont . Er geht allmählich in einen Hymnus auf die Frauen über - im allgemeinen - im besonderen - die Frauen im Süden - die aus dem Norden - die blonden - die eine blonde Frau , mit der man eben jetzt in Rom unvergeßliche Frühlingstage verlebt . Etwas zuviel echtes Gefühl - das kann unter Umständen leise beklemmend wirken . Mit seinem Rastatum ist es doch nicht weit her . Aber er spricht ein entzückendes Durcheinander von Deutsch , Französisch , Italienisch - das hab ' ich so gern , mein Herz schlägt doch etwas für ihn ... meine Hand ruht zwischen seinen beiden Händen ... sehr gute Hände mit schönen Nägeln und einem breiten , sonderbaren Ring . Es scheint also , daß wir einig sind ... aber auf einmal wird er sehr merkwürdig ... schweigt ... verfinstert sich ... Stumm , gewaltsam drückt er mir die Hand , beide Hände , steht auf , pfeift dem Chauffeur . Wir steigen ein und fahren langsam , sehr langsam noch ein Stück aus der Stadt hinaus . Ganz plötzlich , ganz unvorhergesehen , kniet er neben mir - vor mir ist nicht Platz genug - beinah beschwörend : » Ich bin ein schlechter Mensch ... schlecht ... sehr schlecht . « Ich : » ... ? ? ? « Ja , er ist verlobt - dort in Sizilien , und doch - und Rom - und eine blonde Frau ... Ich atme auf . Wenn ' s weiter nichts ist ... Die Blumen am nächsten Morgen waren viele dunkelrote Rosen , und er ist sehr glücklich - eben etwas zu glücklich . 13 Armer Freund , Sie haben es in letzter Zeit schlecht gehabt - Fragmente , Ansichtskarten und leere Versprechungen , aber heute abend bin ich nur für Sie vorhanden und gedenke es wieder gutzumachen . Zuerst will ich Ihnen danken , daß Sie mir Ihren Segen nicht weiter vorenthalten und sich so liebenswürdig mit dem Rasta ausgesöhnt haben . Wer weiß , ob Sie ihn nicht demnächst unter die Wertvollen einreihen . Auch in meinen Augen hat er immer mehr gewonnen . Es hängt viel davon ab , wie ein Mann die ersten Schritte gestaltet , und das hat er sehr hübsch gemacht , erst allmählich und diskret , dann dramatisch und flammend . Wie angenehm , daß man als Frau dieser Mühe überhoben ist - es muß gar nicht so leicht sein , den rechten Ton zu finden , und einige fangen es denn auch recht dumm an - so der Siegertypus , der beim ersten leisen Zeichen von Wohlwollen mit einer großen Gebärde die Tür schließt : Nun bist du mein ! Überhaupt haben manche einen feststehenden Trick . Ich weiß einen älteren Herrn - wenn der zufällig mit einer Frau allein im Zimmer ist , setzt er seinen Zwicker auf , sieht sich vielsagend um und bemerkt : Ist das nicht eine wahnsinnig komische Situation ! - ( Durch Freundinnen habe ich erfahren , daß er es jedesmal so macht . ) Ob das wirksam ist ? Ich weiß nicht - auf mich hat es keinen verführerischen Eindruck gemacht . Ich wußte nur zu antworten : ja , es sei wirklich zum Totlachen - und da schwieg er betroffen und enttäuscht . Vielleicht lag es auch daran , daß ich ältere Herren überhaupt nicht besonders schätze . Aber ich habe Ihnen heute noch viel zu erzählen ... Die Hauptbegebenheit - also hören Sie : ich